Herr Jung, die CDU wählt Anfang Dezember beim Parteitag in Hamburg einen Nachfolger für Angela Merkel für den Parteivorsitz. Wem geben Sie als Delegierter Ihre Stimme? Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn?

Das habe ich als Delegierter des Kreisverbandes Konstanz heute unseren Mitgliedern in Singen gesagt: Ich werde Annegret Kramp-Karrenbauer wählen. Sie überzeugt mich am meisten in der Abwägung, wer jetzt am besten geeignet ist, die CDU zusammen zu halten und zu führen. Aber wir haben drei starke Bewerber und alle sollten eine wichtige Rolle bei der anstehenden Erneuerung übernehmen.

Was versprechen Sie sich von Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende?

Sie kann aus einer Position der Mitte breit integrieren. Dafür steht sie mit ihrer politischen Biographie: Bei der Landtagswahl letztes Jahr ist es ihr als Ministerpräsidentin im Saarland gelungen, über 40 Prozent zu holen – unter schwierigen Bedingungen, denn wir hatten auch dort Gegenwind wegen der Flüchtlingsdebatte und der Schulz-Zug war am Rollen. Ich traue ihr zu, mit persönlicher Glaubwürdigkeit und klaren Positionen für die CDU verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Viele in der CDU befürchten, Kramp-Karrenbauer könnte Merkels Kurs einfach fortführen – im Gegensatz zu Friedrich Merz. Sie nicht?

Etiketten wie „Anti-Merkel“ oder „Mini-Merkel“ sind Quatsch! Auch Annegret Kramp-Karrenbauer hat vom ersten Tag an als Generalsekretärin klargemacht, dass sie ihren eigenen Kopf hat. Seitdem hat sie gezeigt, dass sie zuhören kann, aber auch Themen setzen. So hat sie etwa die Debatte zur Dienstpflicht angestoßen. Sie hat als Ministerin eine breite Erfahrung in den Bereichen Innen, Familie und Arbeit, alles Kernthemen der CDU. Als Innenministerin im Saarland stand sie für eine konsequente Linie. Auch ihre Haltung etwa zum Umgang mit straffälligen Asylbewerbern ist deutlich – mit einer Wortwahl, die man von Angela Merkel so nie gehört hat.

Haben Sie damit gerechnet, dass Friedrich Merz kandidieren könnte?

Wie die meisten anderen, war auch ich überrascht. Aber klar ist: Friedrich Merz war zwar in den letzten Jahren nicht aktiv in der Politik, aber er ist trotzdem ein sehr profilierter Bewerber. Und das ist auch Jens Spahn. Jeder der drei hat Chancen und das Rennen ist offen. Es wird noch ein spannender Wettbewerb.

Wie nehmen Sie die Stimmung an der Basis wahr?

Im Kreisverband Konstanz gibt es für jeden der drei Bewerber Sympathien. Vor allem aber freuen sich unsere Mitglieder, dass munter diskutiert wird und richtig Leben in der Bude ist.

Welche Erwartungen haben Sie an die neue Parteispitze?

Der Prozess für ein neues Grundsatzprogramm muss die inhaltliche Erneuerung voran bringen und unser Profil schärfen. Das C steht für unsere Werte und das U für Union: Wir müssen alle gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen ansprechen, Alt und Jung, Männer und Frauen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Auf der einen Seite müssen wir von der AfD Wähler zurückgewinnen und auf der anderen von den Grünen – gerade in Baden-Württemberg. Nur wenn beides gelingt, holen wir Ergebnisse über 40 Prozent – und das muss unser Anspruch sein als Volkspartei.

Der Wechsel an der CDU-Spitze läuft automatisch auf die Kanzlerkandidatur zu. Glauben Sie, dass Angela Merkel unter diesen Umständen bis 2021 Bundeskanzlerin bleiben kann?

Angela Merkel ist als Kanzlerin für diese Legislaturperiode gewählt. Unabhängig davon müssen jetzt aber die Weichen für ihre Nachfolge gestellt werden. Wer gewählt wird, ist auch Favorit für die Kanzlerkandidatur.

Fragen: Dieter Löffler