Der Diesel ist der Lastesel der Welt. Containerschiffe, Lastwagen und auch Privatwagen fahren mit diesem Antrieb. Früher nagelte und rauchte er noch und musste erst einmal vorgeglüht werden. Inzwischen ist er sparsam und sauber, Tendenz steigend. Dennoch ist er bös' ins Gerede gekommen. Die unheilvolle Allianz von politischer Unbedarftheit und einer unverfrorener Industrie (Diesel-Skandal) stempelt den Lastesel ab. Dabei ist der Diesel rein technisch dem Benziner weit überlegen: Keine andere Maschine holt so viel aus dem Brennstoff heraus, keine wirkt so effizient. Und keine andere entwickelt dieses Drehmoment.

Jetzt muss der Diesel als Sündenbock für gefühltes Unwohlsein herhalten. Alles fing mit den Messungen am Stuttgarter Neckartor an. Deren Ergebnisse liegen in der Wertigkeit bereits zwischen Sonntagsfrage und Sturmwarnung, also mit hohem Allergie-Faktor. Beim Feinstaubalarm erreicht die ökologische (Über)Korrektheit dann ihren Höhepunkt; Alarm und Messwerte werden mit belegter Stimme verkündet. Dabei stößt jede Maschine Feinstaub aus, jede Fabrik, auch jede Hausheizung. Andere EU-Staaten schmunzeln längst über die Gründlichkeit, mit der Deutsche einer deutschen Erfindung den Garaus machen. Macht das die Welt sauberer? Wohl nicht. Wo wir die eigene Technik verschrotten, nutzen andere Staaten die Selbstzünder-Autos und loben deren Solidität. Das begehrte Material gelangt demnächst billigst auf den europäischen Markt – dank deutscher Panikverkäufe.

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