Die AfD-Spendenaffäre wird immer verwickelter. Hinter der 2017 über die Zürcher Pharmafirma PWS in Tranchen überwiesene Spende von 130 000 Euro mit dem Betreff "Wahlkampf Alice Weidel" sollen nicht mehrere Spender, sondern ein deutscher Milliardär stecken: Recherchen der "Süddeutschen" sowie des WDR und NDR zufolge führt die Spur des Geldes zu Henning Conle.

21.03.2019, Berlin: Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD, spricht im Bundestag zu den Abgeordneten. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD | Bild: Kay Nietfeld

Der Mann stammt aus Duisburg, lebt aber in der Schweiz und in London. Ein mit der Angelegenheit Vertrauter habe bestätigt, dass es sich bei ihm um den eigentlichen Spender handle.

Mittelsmann in Belgien

Zuvor deuteten Hinweise auf einen Verbindungsmann in Belgien hin. Der Geschäftsmann gab den Recherchen zufolge an, "aus persönlichen Gründen" eingewilligt zu haben, als vermeintlicher Spender zu agieren und seinen Namen für Überweisungen an die AfD zur Verfügung zu stellen: Die Immobiliengesellschaft Conimmo in Antwerpen diente offenbar dazu, die Spende zu verschleiern. Die Mehrheit der Gesellschaftsanteile sind in der Hand von Henning Conle Senior, aber auch Sohn Conle ist demnach als Direktor eingetragen.

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Das Reichtum der Familie wurde 2017 von der Schweizer Zeitschrift Bilanz auf 1,35 Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Die Conles spendeten viel, heißt es den Angaben des Rechercheteams zufolge aus dem Umfeld der Familie. Mindestens einmal tauche der Name Henning Conle auf der Liste der Geldgeber einer Veranstaltung der rechtspopulistischen Schweizer Partei SVP auf.

Gleiches Wohnviertel wie Strohmannfirma

Senior Conle lebt am Zürichberg in jenem Viertel, in dem auch Karl Häflinger seine Apotheke führt. Er ist unter anderem als Geschäftsführer des Pharmaunternehmens PWS genannt, die die Spende ursprünglich "treuhänderisch für einen Geschäftsfreund" überwiesen haben wollte. Später übergab die Partei eine Spenderliste mit 14 Namen an die Bundestagsverwaltung zur Prüfung.

Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt im Fall gegen Alice Weidel und drei weitere Mitglieder ihres Kreisverbands Bodenseekreis. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Mathy, gab im Gespräch mit dem SÜDKURIER bereits im Februar an, es haben sich nach den bisherigen Vernehmungen "Zweifel bestätigt, dass es sich bei den genannten Personen tatsächlich um die Spender handelt".

Rekrutierung aus dem Ausland

Ein nach Spanien ausgewanderter Deutscher soll von der Costa Brava aus gezielt Freiwillige gesucht haben, die ähnlich wie der belgische Geschäftsmann als Strohmänner fungieren sollten. Mindestens zwölf der 14 Spender sind verwandt oder befreundet und gehen auf den Mann zurück, der vor allem im Hunsrück rekrutierte.

ARCHIV – 06.03.2019, Bayern, Osterhofen: Jörg Meuthen, Bundesvorstandssprecher der AfD und Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, spricht beim politischen Aschermittwoch der AfD. (zu «Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft Ermittlungen in AfD-Affäre» vom 22.03.2019) Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Jörg Meuthen, Bundesvorstandssprecher der AfD und Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl | Bild: Matthias Balk/dpa

Der belgische Geschäftsmann wiederum soll offenbar auf gleich mehreren AfD-Spenderlisten auftauchen – unter anderem auf der Liste, die der AfD von der Schweizer Werbeagentur Goal AG übermittelt worden sein soll. Diese streitet zwar jede Verbindung zu der Partei ab. Doch offensichtlich profitierte AfD-Chef Jörg Meuthen bei seinem Landtagswahlkampf 2016 von kostenloser Werbung durch die Agentur.

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Neben dem Europawahlspitzenkandidaten scheint auch Guido Reil, Listenplatz Zwei bei der Europawahl, in die Spendenaffäre verwickelt zu sein. Auch er soll von der Goal AG unterstützt worden sein – die Staatsanwaltschaft Essen prüft den Fall. Die sechs hinter Reils Spenden genannten Namen sollen alle in der Liste von Weidels vermeintlichen Spendern enthalten sein.

06.03.2019, Bayern, Osterhofen: Guido Reil, Europakandidat der AfD, spricht beim Politischen Aschermittwoch der AfD. Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Guido Reil, Europakandidat der AfD | Bild: Matthias Balk/dpa

Ermittlungen laufen

Die Bundestagsverwaltung prüft seit Monaten, ob ein Verstoß gegen das Parteispendengesetz vorliegt: Demnach sind Strohmannspenden grundsätzlich untersagt. Spenden aus dem Nicht-EU-Ausland sind zudem auf 1000 Euro beschränkt.