1. Annegret Kramp-Karrenbauer agiert ab sofort auf Bewährung. Als sie im Dezember als Wunsch-Nachfolgerin von Angela Merkel zur neuen CDU-Chefin gewählt wurde, hing der Himmel noch voller Geigen. Obwohl die Abstimmung hauchdünn ausging, waren sich in der CDU viele sicher: AKK, wie die Frau aus dem Saarland unter Parteifreunden genannt wird, ist Deutschlands nächste Kanzlerin – die Frage ist nicht ob, sondern nur wann. Das war wohl voreilig. Inzwischen hat sich die neue CDU-Chefin im Gestrüpp ihrer Partei verfangen, die Fortüne blieb auf der Strecke. Die packt‘s nicht, raunen viele im Hintergrund. Die Kanzlerin gibt ihr jetzt eine letzte Chance – frei nach dem Motto: Wer das Haifischbecken Bundeswehr überlebt, hat auch das Zeug fürs Kanzleramt. Ein Himmelfahrtskommando. (dil)
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    Die neue Chefin der Bundeswehr: Annegret Kramp-Karrenbauer.
    Die neue Chefin der Bundeswehr: Annegret Kramp-Karrenbauer. | Bild: Wolfgang Kumm
  2. Deutsche Spitzenpolitiker können Fremdsprachen. Die Europäische Union wird künftig von einer Deutschen repräsentiert werden. Ursula von der Leyen ist eine Premiere in diesem Amt. Auch wenn die Art und Weise, wie die CDU-Frau in dieses Amt gelangt ist, vielen sauer aufstößt. Eines immerhin muss man ihr lassen: Sie wird uns auf der internationalen Bühne zumindest sprachlich nicht blamieren. Von der Leyen, geboren in Brüssel, hielt ihre Bewerbungsrede in Deutsch, Englisch und Französisch – und kann auch spontan zwischen den Sprachen wechseln. Ein angenehmer Kontrast zu Günther Oettingers Kalaschnikow-Englisch (“We are all sitting in one boat“) oder Wolfgang Schäubles „Isch over“. Und doch werden wir etwas vermissen: Geflügelte Worte dürften bei ihr ausbleiben. (rom)
    Newly elected European Commission President and outgoing German Defence Minister Ursula von der Leyen sits next to German Chancellor Angela Merkel prior to a handover ceremony led by the vice-president of the Bundesrat (upper house of parliament, unseen) on July 17, 2019 at Bellevue Castle in Berlin. – The leader of the CDU party and newly-appointed Defence Minister Annegret Kramp-Karrenbauer replaces newly elected European Commission President Von der Leyen. (Photo by John MACDOUGALL / AFP) / ALTERNATIVE CROP
    Mit von der Leyens Sprachkenntnissen kann Angela Merkel (r.) nicht mithalen. | Bild: JOHN MACDOUGALL
  3. Berlin schert sich im Zoll-Streit wenig um die Interessen der Region. Zwischen Berlin und dem Bodensee liegen fast 800 Kilometer. Eine ziemlich weite Distanz, die sich auch politisch bemerkbar macht. Was die Region an der Schweizer Grenze umtreibt, findet in der fernen Bundeshauptstadt nicht immer Gehör. Jüngstes Beispiel: Das politische Berlin fordert die Einführung einer Wertgrenze von 175 Euro beim deutsch-Schweizer Handel. Schweizer, die hierzulande einkaufen, sollen sich darunter die Mehrwertsteuer nicht mehr zurückerstatten lassen und für neue Einkäufe in Deutschland verwenden können. Die hiesige Wirtschaft läuft dagegen Sturm, befürchtet sie doch Milliardenverluste an Kaufkraft. Derzeit ist nicht erkennbar, dass Berlin diese Vorbehalte akzeptieren würde. (wro)
    200 und mehr grüne Zettel werden täglich im Zollamt an der alten Rheinbrücke abgestempelt
    In der Grenzregion gehören sie zum Alltag: die grünen Zettel für Schweizer Kunden. | Bild: Ingrid Böhm-Jacob
  4. Flaggen auf dem Mond trotzen der Strahlung. Es ist ein ikonisches Bild: Buzz Aldrin steht neben der US-Flagge, die er mit Neil Armstrong auf dem Mond aufgespannt hat. 50 Jahre ist es her, dass die beiden den Mond betraten. Beim Start der Aufstiegsstufe einen Tag später wurde sie vom Triebwerksstrahl vermutlich umgeweht. Aber was wurde aus den anderen US-Flaggen, die bis 1972 noch aufgestellt wurden? Experten hielten es – O-Ton Nasa – „für größtenteils sehr unwahrscheinlich“, dass die Apollo-Flaggen es unbeschadet überstanden haben könnten, jahrzehntelang Vakuum, riesigen Temperaturschwankungen und Strahlung ausgesetzt zu sein. Bilder einer Nasa-Sonde zeigen, dass Flaggen der Apollo-Missionen 12, 16 und 17 zumindest 2012 noch an ihren Masten hingen. (mic)
    Das war 1969: Astronaut Buzz Aldrin auf dem Mond vor der US-Flagge | Bild: Nasa
  5. Das Zentralabitur rückt näher. Erst war es Susanne Eisenmann, die Kultusministerin, die das Zentralabitur einforderte. Seitdem springen ihr andere Bildungspolitiker bei. Sie verabschieden sich allmählich von einem Dogma, das nach 1945 errichtet wurde: Jedes Bundesland definiert selbst, was die Schüler für die Reifeprüfung lernen und können sollten – und was nicht. In Bayern und Baden-Württemberg gelten bisher höhere Ansprüche als in Bremen oder Berlin. Beim Zentralabitur erhalten alle Gymnasiasten in Deutschland dieselben Aufgaben. Den Ausschlag für das Umdenken gibt die Gerechtigkeit: Die bisher vergebenen Noten sind ungerecht, weil sie eine Leistung mit unterschiedlichen Maßstäben messen – was sich bei der Vergabe von Studienplätzen dann massiv auswirkt. (uli)
    ARCHIV – 30.04.2019, Baden-Württemberg, Ravensburg: Abiturienten gehen im Spohngymnasium kurz vor Beginn des Abiturs im Fach Deutsch zu ihrem Prüfungsraum an einem Schild vorbei, auf dem “Abitur Bitte Ruhe!„ steht. (zu dpa: “Auf zum Zentralabitur? – Eisenmanns Vorstoß stößt auf Skepsis„) Foto: Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
    Jedes Bundesland mit eigenem Abitur? Die Zweifel daran wachsen. | Bild: Felix Kästle
  6. Sagen und Handeln sind nicht dasselbe. Keine ganz neue Erkenntnis, zugegeben. Aber in dieser Woche wurde sie einmal mehr bestätigt. Während in diesen Wochen viel von Flugscham die Rede ist, sprechen die nackten Zahlen eine ganz andere Sprache: Allen Diskussionen um den Klimawandel zum Trotz ziehen die beiden großen Flughäfen in Baden-Württemberg, in Stuttgart und Rheinmünster, im Gegenteil immer mehr Passagiere an. Allein in Stuttgart starteten zwischen Januar und Juni 5,8 Millionen Fluggäste, also 9,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018. Ein wenig versucht der Flughafen selbst dem Klimawandel entgegenzusteuern: Eine neue Gebührenordnung soll dafür sorgen, dass die Fluggesellschaften leisere und spritsparende Maschinen einsetzen und so weniger CO2 ausstoßen. (rom)
    13.07.2019, Berlin: Ein Flugzeug der Fluggesellschaft easyJet startet vom Flughafen Tegel und fliegt unter blauem Himmel auf eine dunkle Regenwolke zu. Nach dem Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen haben nun alle Bundesländer bis auf Bayern und Baden-Württemberg schulfrei. Auf den Flughäfen wird mit hohen Passagierzahlen gerechnet. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
    Von Flugverzicht keine Spur: Auf den Ferienflieger verzichten nur wenige. | Bild: Soeren Stache