Für Außenminister Ernesto Araújo blieb nur die Rolle des Statisten. Dafür durfte Eduardo Bolsonaro am Tisch der Mächtigen Platz nehmen. Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro sandte bei seinem jüngsten USA-Besuch an seinen engsten Kreis wieder einmal ein deutliches Signal, wer in der internen Hierarchie des neuen Machtapparats in Brasilia das Sagen hat.

Bolsonaros Sohn war beim Trump-Besuch dabei

Und während Außenminister Araújo beim Bolsonaro-Besuch im Oval Office vor der Tür warten musste, war Sohn Eduardo Bolsonaro mitten drin im Machtzentrum.

Zwar marschiert das Land nach 100 Tagen nicht stramm in Richtung faschistischer Militärdiktatur, trotzdem ist Bolsonaros Regierungsstil eine echte Gefahr für die nach Korruptionsskandalen im linken und rechten Lager stark angeschlagene Demokratie.

Brasilien-Experte: "Teile des Verwaltungsapparats werden kaltgestellt"

Jan Woischnik, Leiter des Auslandsbüros Konrad-Adenauer-Stiftung in Brasilien, sieht hinter Bolsonaros Politikstil Methode:„Der Staatspräsident setzt auch in den auswärtigen Beziehungen auf einen engen persönlichen Kontakt." Sein intensiver Kontakt zu Gleichgesinnten wie Donald Trump, Benjamin Netanjahu oder Viktor Orbán sei in erster Linie vom persönlichen Auskommen des Präsidenten mit seinem Gegenüber geleitet. „Indem internationale Beziehungen so erheblich personifiziert werden, werden Teile des Verwaltungsapparats förmlich kaltgestellt."

Regierungsangelegenheiten werden zur Familiensache

Regierungsangelegenheiten scheinen sich in Basilien auf diese Weise zur Familiensache zu entwickeln. Obwohl Bolsonaros Söhne als gewählte Vertreter der Legislative, Flávio sitzt im Senat, Eduardo im Abgeordnetenhaus, Carlos ist Stadtrat in Rio de Janeiro, keinerlei demokratische Legitimierung für ihre aktive Einmischung in die Amtsgeschäfte der Nationalregierung und des Staatspräsidenten besitzen, sind sie in der Regierungspolitik allgegenwärtig.

Bolsonaro selbst gibt den Politik-Außenseiter

Bolsonaro selbst versucht sich als Politik-Außenseiter zu inszenieren, obwohl er seit Jahren als Hinterbänkler des parlamentarischen Systems ein Rädchen im Getriebe war. "Ich bin nicht dafür geboren, Präsident zu sein. Ich bin Soldat“, sagte er jüngst. Die Patzer in der Innen- und Außenpolitik – geschuldet einem impulsiven Zick-Zack-Kurs wie der Frage, ob die brasilianische Botschaft nun nach Jerusalem verlegt wird oder nicht – versucht er zu rechtfertigen: "Wir bezahlen den Preis dafür, dass wir noch lernen."

"Jetzt bin ich der Angeschmierte"

Er kokettiert mit dem Überraschungsfaktor seiner Wahl: "Im Wahlkampf habe ich gesagt, dass ich im Januar entweder auf dem Präsidentenstuhl oder am Strand sitzen werde. Jetzt bin ich der Angeschmierte."

All das überlagert die Regierungspolitik: Bolsonaro setzt auf die dringend notwendige Rentenreform, die den Staatshaushalt entlasten soll. Zudem soll die Privatisierung der Infrastruktur für einen Fortschritt in der brachliegenden Verkehrspolitik bringen. Der Abschied aus dem Klimaschutzabkommen ist noch nicht vollzogen, dafür aber wächst die Sorge der Umweltschützer um den Regenwald. Nach dessen Fläche giert die Agrar-Lobby, die mit Bolsnaro einen Verbündeten hat.