Mit einem einzigen Interview hat Prinzessin Diana vor 25 Jahren die britische Monarchie in ihren Grundfesten erschüttert. Mehr als 200 Millionen Menschen verfolgten weltweit am Fernseher, wie die hübsche und volksnahe Diana offen über die emotionale Kälte am Hofe und die Untreue ihres Gatten Prinz Charles plauderte. Schlimmer noch: Sie sagte, dass Thronfolger Charles wohl nicht für den „Top-Job“ – also König zu sein – geeignet sei. Besser wäre es, wenn Sohn William direkt Elizabeth II. auf den Thron folge.

Prinz Charles und Diana bei einem Theaterbesuch 1992. Bilder: dpa
Prinz Charles und Diana bei einem Theaterbesuch 1992. Bilder: dpa | Bild: dpa

Drei Jahre lang lebte Diana damals schon von ihrem Mann getrennt, der eine lange Affäre mit Camilla Parker Bowles hatte. „Ich will keine Scheidung“, sagte Diana in dem BBC-Interview am 20. November 1995. Sie wolle aber Klarheit. „Ich warte auf die Entscheidung meines Mannes über den Weg, den wir einschlagen sollen.“

War Camilla der Grund für das Scheitern ihrer Ehe? „Nun, wir waren zu dritt in unserer Ehe. Das war ein bisschen viel“, sagte die Prinzessin. Ungewöhnlich offen waren Dianas Worte. „Ich möchte Königin im Herzen der Menschen sein. Aber ich sehe mich nicht als Königin dieses Landes.“

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Doch sie teilte auch heftig aus: „Ich glaube nicht, dass viele Leute mich als Königin wünschen. Ich meine vor allem das Establishment, in das ich hineingeheiratet habe. Für die bin ich ein Versager.“ Vorwürfe, sie wolle die Monarchie zerstören, wies sie zurück. „Warum sollte ich etwas zerstören, das die Zukunft meiner Kinder sichert? Ich werde für meine Kinder auf allen Ebenen kämpfen.“

Sie selbst wollte eine Art Sonderbotschafterin für ihr Land werden. Die 34-Jährige gab auch zu, selbst eine Affäre gehabt zu haben: Sie hatte Trost bei Reitlehrer James Hewitt gesucht und wurde letztlich durch seine Indiskretionen enttäuscht.

Die einen priesen Prinzessin Diana als Mischung aus Super-Modell und Mutter Teresa, andere hielten sie für eine rachsüchtige Ehefrau: Als die BBC am 20. November 1995 ein Interview mit Prinzessin Diana ausstrahlte, stockte wegen des brisanten Inhalts nicht nur den Briten der Atem.
Die einen priesen Prinzessin Diana als Mischung aus Super-Modell und Mutter Teresa, andere hielten sie für eine rachsüchtige Ehefrau: Als die BBC am 20. November 1995 ein Interview mit Prinzessin Diana ausstrahlte, stockte wegen des brisanten Inhalts nicht nur den Briten der Atem. | Bild: John Giles, dpa

Mit Dokumenten unter Druck gesetzt

Das Interview hatte Folgen. Nur einen Monat später wurde bekannt, dass die Queen sich für eine rasche Scheidung des Paares aussprach. Charles war einverstanden und ließ über seinen Sprecher erklären: „Der Prinz hat nicht die Absicht, wieder zu heiraten.“

Empört war die Monarchin Berichten zufolge vor allem darüber, dass ihre Schwiegertochter die Eignung von Charles für den Thron anzweifelte. Dianas heimlich arrangierter Fernsehauftritt wurde als Vertrauensbruch gegenüber dem Königshaus gewertet. Angeblich hat der BBC-Reporter Martin Bashir den Scoop mit Hilfe von unlauteren Methoden gelandet.

Diana (links) neben der damals langjährige Freundin ihres Mannes, Camilla Parker-Bowles.
Diana (links) neben der damals langjährige Freundin ihres Mannes, Camilla Parker-Bowles. | Bild: dpa

So jedenfalls lautet der Vorwurf von Dianas Bruder, Earl Spencer, der ihm Dokumentenfälschung und andere betrügerische Methoden unterstellt. Doch hat Bashir Lady Di tatsächlich mit gefälschten Dokumenten unter Druck gesetzt? Während sich der einzige, der wirklich eine Antwort geben könnte, derzeit von einer Herzoperation und einer schweren Covid-19-Erkrankung erholt, hat die BBC eine „umfassende unabhängige Untersuchung“ angekündigt darüber, wie der Reporter sich das Interview sicherte. Das hatte man vor 24 Jahren schon einmal getan, damals wies der Sender jede Schuld von sich.

Earl Spencer jedenfalls belastet Bashir. So habe dieser ihm damals erklärt, die Prinzessin werde von ihrem Bodyguard ausspioniert und Freunde wie Angestellte der Royals würden gegen Geld Informationen an die Medien weiterleiten. Als Beweis habe Bashir dem Earl Kontoauszüge gezeigt, die den vermeintlichen Transfer von Bestechungsgeldern offenbaren sollten. Der Bruder wie auch Diana, angesichts der Streitereien mit dem Palast ohnehin argwöhnisch, glaubten dem Reporter.

Es war eine Traumhochzeit 1981, doch ein wirkliches Traumpaar waren Prinz Charles und Lady Di nie.
Es war eine Traumhochzeit 1981, doch ein wirkliches Traumpaar waren Prinz Charles und Lady Di nie. | Bild: AFP

Prinz William begrüßt Untersuchung

Nur waren diese nicht echt, wie der ehemals für die BBC tätige Grafikdesigner Matt Wiessler jetzt in der ITV-Dokumentation bestätigte. Er selbst habe die Papiere auf Anweisung von Bashir gefälscht. Wiessler beklagt zudem, er habe als „Sündenbock“ fungiert und als einziger die BBC verlassen müssen. Bei der wiederaufgenommenen Untersuchung, so die Forderung von Kritikern, müssten endlich die Fakten rauskommen.

Es handele sich um „einen Schritt in die richtige Richtung“, begrüßte auch Prinz William die Entwicklung. Mit ihrer Hilfe könne die „Wahrheit“ über das Zustandekommen des Gesprächs und anschließende Entscheidungen des Senders ans Licht kommen. Gleichwohl weisen Beobachter darauf hin, dass Diana während des Interviews kaum wirkte als wäre sie in eine Falle gelockt worden. Vielmehr präsentierte sie sich als Frau, die wohlkalkuliert und mit direktem Blick in die Kameras das britische Königshaus in die Krise stürzte.

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