Mehr als 420.000 Euro in drei Tagen – als der Wiener Journalist Florian Klenk im Internet zu Spenden für den steirischen Bergbauern Christian Bachler aufrief, ließ sich die österreichische Bevölkerung nicht lumpen. Ohne zu zögern, retteten 9000 Spender den von der Raiffeisenbank mit Versteigerung bedrohten Bergbauernhof in der Obersteiermark. Nach einer professionellen Solidaritäts-Kampagne im Netz ist der höchstgelegene Hof der Steiermark schuldenfrei.

Aufregung über Klenks Lob der Justiz

Doch wie kam es überhaupt zu dieser wundersamen Geschichte? Und wie kam diese ungewöhnliche Freundschaft der ungleichen Männer Florian Klenk, 47, und Christian Bachler, 38, überhaupt zustande? Klenk ist ein bekannter österreichischer Journalist. Als Chefredakteur der kritischen Wochenzeitung „Falter“ wird er häufig vom Fernsehen zu aktuellen Fragen um seine Meinung gebeten, so auch nach dem sogenannten „Kuhurteil“.

Im Frühjahr 2019 hatte ein Innsbrucker Richter einen Tiroler Almbauern zu Schadensersatz und Schmerzensgeld an Ehemann und Kind verurteilt, weil seine Kuh im Stubaital eine Touristin beim Überqueren einer Almwiese tot getrampelt hatte. Klenk lobte die Justiz für das Urteil und empörte so den Almbauern Christian Bachler.

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Bachler nahm, wie so oft, auf seinem Hof ein Video auf und stellte es auf Facebook. Darin warf er Klenk Arroganz vor. Er forderte: „Herr Klenk, steigen Sie oba vom hohen Ross in der Bobo-Bubble in Wien„ (Mit Bobo sind in Österreich bürgerlich-alternative Stadtbürger gemeint) und lud Klenk schließlich ein, das Bauernleben während eines Praktikums auf seinem 1450 Meter hoch gelegenen Hof kennenzulernen. 250.000 Klicks bekam das Video auf Facebook.

Seit der Journalist Florian Klenk auf dem Hof von Christian Bachler war, verbindet die beiden eine Freundschaft.
Seit der Journalist Florian Klenk auf dem Hof von Christian Bachler war, verbindet die beiden eine Freundschaft. | Bild: Helmut Fohringer, dpa

Klenk nahm die Herausforderung an und schrieb im Sommer ein Porträt des Hofes in Krakauhintermühlen bei Murau in der Obersteiermark. Klenk resümierte über den Bergbauer: „Bachler geht es um mehr als um das Urteil, er will aufklären, seine Welt zeigen. Er führt Beschwerde über die Agrarpolitik.“ Zwischen den beiden ungleichen Männern ist seitdem eine echte Freundschaft entstanden.

Kurz vor der Zwangsversteigerung

Damals dachte Bachler noch, er stehe wirtschaftlich auf der halbwegs sicheren Seite. Schon als 20-Jähriger hatte er den Hof von seinem Vater übernommen. Damals investierte er mit Hilfe der Raiffeisenbank, kaufte eine Melkmaschine und baute einen Stall. 2006 hatte er siebzig Kühe, doch 2009 halbierte sich der Milchpreis und die Almflächenförderung wurde umgestellt. Fördergelder, die zur Schuldentilgung gedacht waren, fielen ersatzlos weg.

Bachler entschied sich für die Kehrtwende. 2015 stellte er seinen Hof um und wurde vom Milchbauern zum Ökobauern. Heute züchtet er alte Rassen, wie das schwarze Mangalitzaschwein und die österreichische Landgans. Auf seinem Hof leben Yaks, almtaugliche Kuhrassen, die nur Grünfutter fressen, Puten und Hühner.

Neben der Rinderrasse Yaks züchtet Christian Bachler auf seinem Hof in der Steiermark auch schwarze Mangalitzaschweine.
Neben der Rinderrasse Yaks züchtet Christian Bachler auf seinem Hof in der Steiermark auch schwarze Mangalitzaschweine. | Bild: Christian Bachler

Er produziert Öl aus Alpenkräutern, verarbeitet Fleisch, vermarktet es selbst und vermietet fünf Zimmer. Er verweigert sich der Massentierhaltung und dem Billigfleisch und kritisiert Behörden ebenso wie die EU-Förderpolitik, die Großbetriebe bevorzugt. Muss er seinem Ärger Luft machen, lädt er ein Video mit einer Wutrede auf Facebook hoch.

Eine Spendenkampagne rettet Bachlers Existenz

Doch die Schulden für ein Stallgebäude, das er 2009 gebaut hatte, müssen noch immer bedient werden. Als Bachlers Einnahmen dazu nicht mehr reichen und er mehr als 400.000 Euro Schulden hat, fordert die Hausbank die sofortige Rückgabe von 150.000 Euro und schreibt seinen Hof zur Zwangsversteigerung aus. Der Gemeindesaal von Murau sollte Schauplatz der Aktion werden. Doch PR-Profi Florian Klenk hatte seinen Bergbauern-Freund nicht vergessen.

Den Bergerhof in der Steiermark hat Christian Bachler bereits als 20-Jähriger von seinem Vater übernommen und baute ich nach und nach von einem reinen Milchviehbetrieb in einen Ökohof mit Gästezimmern um.
Den Bergerhof in der Steiermark hat Christian Bachler bereits als 20-Jähriger von seinem Vater übernommen und baute ich nach und nach von einem reinen Milchviehbetrieb in einen Ökohof mit Gästezimmern um. | Bild: Christian Bachler

Als er davon erfährt, startet er kurzerhand eine Solidaritätskampagne auf Twitter: „Wir brauchen Hilfe. Bauer und Bobo: ihr erinnert Euch an mein Praktikum beim Bergbauern Bachler? Er klärte auf, wie Bio-Almwirtschaft funktioniert, übte harte Kritik am System der Fleischwirtschaft. Und jetzt: Raiffeisen lässt seinen Hof versteigern.“ Mit 150.000 Euro könne der Hof gerettet werden, schrieb Klenk auf Twitter. Seit er an der Veröffentlichung des Ibiza-Videos beteiligt war, folgen ihm auf Twitter 279.800 Menschen.

Sogar Schlagersänger Andreas Gabalier warb für Bachler

Außerdem mobilisiert Klenk unter anderem den Schlagersänger Andreas Gabalier und den Fernsehmoderator Armin Wolf für seine „Advent-Aktion“, ebenfalls Leute mit Hunderttausenden von Anhängern in den Sozialen Medien. Innerhalb von drei Tagen gingen auf Paypal 302.727 Euro an Spenden ein, zusammen mit dem Spendenkonto wurden es mehr als 420.000 Euro. Auf Twitter wird der Fall laufend diskutiert. „BabsfromVienna“ schreibt, die Aktion zeige, dass „Österreich zusammenhält, wenn‘s drauf ankommt. Ich finde es schön, ein Teil davon zu sein.“

Christian Bachler teilt in Facebook-Videos leidenschaftlich seine Meinung mit, kritisiert die Massentierhaltung, vermeintliche Landwirtschaftsexperten und poltert gegen die EU-Agrarförderpolitik.
Christian Bachler teilt in Facebook-Videos leidenschaftlich seine Meinung mit, kritisiert die Massentierhaltung, vermeintliche Landwirtschaftsexperten und poltert gegen die EU-Agrarförderpolitik. | Bild: Christian Bachler

Ohne die Spendenaktion von seinem Freund Klenk könnte Bachler die Schulden nicht zahlen, auch wenn er einige Almen verkauft. „Dann gewinnt Raiffeisen. Dann kauft ein reicher Deutscher die Gründe zur Eigenjagd, und eine holländische Kette macht aus dem Hof ein Chalet Dorf“, sagt Bachler auf der Wutbauer-Website, die 22.699 Abonnenten zählt. Das haben die Spender verhindert, ein kleines „Adventswunder“, meint Klenk dazu.