Zum Muttertag stehen die Mamas im Mittelpunkt – sonst leisten sie aber viel Arbeit, über die niemand spricht. Wie ist es, in den heutigen Zeiten Mutter zu sein? Vier Mütter aus der Region sprechen darüber, was sie beschäftigt und was sie trotzdem immer wieder motiviert.

„Bei uns ist immer was los“

Ivonne Hermann, 40, St. Georgen: „Bei uns ist immer was los. Dafür sorgen der neunjährige Sammy und sein fünfjähriger Bruder Max. Und auch der kleine Tim mit seinen zwei Jahren eifert seinen großen Brüdern eifrig nach, wenn es ums Toben geht.

Bei uns ist es immer laut. Es ist schön, wenn man sieht, wie sie groß werden und wie sie miteinander spielen. Ich kenne es auch nicht anders. Ich stamme ebenso wie mein Mann Andreas selbst aus einer kinderreichen Familie.

Freilich, manchmal ist es auch anstrengend. Beispielsweise dann, wenn es darum geht, die Interessen der beiden Ältesten unter einen Hut zu bringen. Die Großen haben unterschiedliche Hobbys. Der eine muss zum Fußball-, der andere zum Handballtraining in die entgegengesetzte Richtung gefahren und wieder abgeholt werden. Dazu kommen teilweise Schultage bis spätnachmittags.

Da erfordert es eine gute Logistik, die genau geplant sein will. Da wird selbstverständlich auch Papa Andreas zur Unterstützung mit eingebunden. Immer sonntagabends steht der Wochenplan. Und, noch etwas: Urlaub im Hotel geht nicht. Deshalb mieten wir uns lieber ein Ferienhaus, wo genügend Platz ist.

Neben unterschiedlichen Interessen haben wir auch ein gemeinsames Hobby. „Wir sind allesamt an der Fasnet bei den ‚Nesthexen‘ aktiv.

In der Pandemie haben wir die viele gemeinsame Zeit zuhause und in unserem Garten genossen. Lediglich auf den Heimunterricht hätte ich verzichten können.

Den Muttertag werden wir nicht alleine verbringen. Am Muttertag sind wir immer bei unseren Müttern.“ (Protokoll: Roland Sprich)

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„Nur eine glückliche Mama ist eine gute Mama“

Melanie Emmerich aus Waldshut ist fünffache Mama: Clara (10), Marlena (8), Jonathan (6), Paula (5) und Fridolin (3) halten die Powerfrau ...
Melanie Emmerich aus Waldshut ist fünffache Mama: Clara (10), Marlena (8), Jonathan (6), Paula (5) und Fridolin (3) halten die Powerfrau ganz schön auf Trab. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Melanie Emmerich, 36, Waldshut: „Mama von fünf Kindern? Hätte mir das jemand mit Anfang 20 erzählt, hätte ich es selbst nicht geglaubt. Aber Clara, 10, Marlena 8, Jonathan, 6, Paula, 5, und Fridolin, 3, machen mich jeden Tag glücklich – ihre Kindheit ist mein Leben!

Die schönsten Momente: Wenn ich sehe, dass meine Erziehung Früchte trägt. Und damit meine ich nicht nur Mithelfen im Haushalt.

Viel wichtiger ist mir, dass meine Kinder starke und selbstbewusste Menschen werden und das versuche ich ihnen jeden Tag vorzuleben und mitzugeben, zum Beispiel mit Mutmach-Botschaften in der Vesperdose: ‚Du bist stark‘ oder ‚Du schaffst das‘!

Natürlich ist es auch mal anstrengend, wenn sie streiten oder wir um Laptop-Zeit diskutieren. Und: Bei fünf ist es als Mama auch nicht immer leicht, allen gleich gerecht zu werden – und auch noch Paarzeit mit meinem Ehemann zu haben.

Aber ich liebe es, dass immer Trubel herrscht und es nie langweilig wird. Und die Kinder haben immer jemanden zum Spielen! Ich denke, im Vergleich zu früheren Generationen hat sich vor allem die Bereitschaft der Papas, an der Erziehung aktiv teilzunehmen, verbessert.

Aber ich glaube auch, dass das Muttersein heute anspruchsvoller ist, weil wir uns auch beruflich selbst verwirklichen wollen – und es in diesem Punkt keinem Recht machen können. Mütter, die nicht arbeiten, werden belächelt, Mütter, die arbeiten, müssen sich rechtfertigen. Egal wie man es macht: Es gibt immer andere Mütter, die die Nase rümpfen! Das setzt Mamas neben der Doppelbelastung zusätzlich unter Druck.

Ich denke: Nur eine glückliche Mama ist eine gute Mama – und deshalb sollte jede Mutter auf die Außenmeinungen pfeifen und auf ihr Herz hören. Ich war zehn Jahre lang zu Hause. Letztes Jahr habe ich mich als freie Rednerin selbstständig gemacht, um Beruf und Familie flexibel unter einen Hut zu bekommen. Für mich ist das die ideale Lösung. Menschen in so wichtigen Momenten wie Hochzeiten und Beerdigungen zu begleiten, erfüllt mich sehr.

Und die Kinder müssen kaum auf mich verzichten, weil die Termine meistens abends oder am Wochenende sind. Dann habe ich das große Glück, einen Mann und eine Familie zu haben, die mich unterstützen und mir mit Geduld und Liebe auch mal alle fünf abnehmen.“ (Protokoll: Sira Huwiler-Flamm)

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„Wir leben den Kindern etwas Stabiles vor, das sie übernehmen können“

Verena Dockenfuß arbeitet im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Wahlwies. Das Bild zeigt sie mit Jalen, Lisa und Max.
Verena Dockenfuß arbeitet im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Wahlwies. Das Bild zeigt sie mit Jalen, Lisa und Max. | Bild: Claudia Ladwig

Verena Dockenfuß, 33, Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies: „Ich habe eine neun Monate alte Tochter und bin Hausleiterin im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies. Ich bin Heilerziehungspflegerin, arbeite seit zehn Jahren dort und betreue gemeinsam mit meinem Partner sechs Jungen im Alter von neun, zehn und elf, 16, 18 und 22 Jahren.

Angefangen habe ich als unterstützende Mitarbeiterin. Ich fand schon damals das Konzept des familienanalogen Wohnens gut. Dann wurde ich Teamleiterin, übernahm eine Leitungsposition, wohnte aber weiter extern. Inzwischen ist mein Zuhause auch mein Arbeitsplatz.

Als Hausleiterin erlebe ich schöne Momente, Streit, Krisen und Alltagssituationen wie andere Mütter auch. Aufgrund der unterschiedlichen Herkunftssituationen kommen aber viele Herausforderungen hinzu.

Wenn ich nicht weiterweiß, steht mir ein Helfernetzwerk zur Seite. Die Erziehungsleitung, das Therapeutikum, bei dem alle Kinder irgendwie andocken, externe Fachkräfte – es ist immer jemand zum Fragen da.

Die Kinder sprechen mich mit meinem Vornamen an. Auch wenn sie hier eine Art Familienleben führen, bleiben die leiblichen Eltern sehr wichtig. Die meisten Kinder haben regelmäßig Kontakt zu ihnen. Wir versuchen, allen neutral gegenüber zu stehen.

Den Kindern vermitteln wir, dass es Dinge gibt, die nicht ihre Baustelle sind. Mit gemeinsamen Mahlzeiten und Ausflügen, dem Helfen im Haushalt oder der Sitzordnung am Tisch schaffen wir klare Strukturen. Daneben gibt es individuelle Regeln für jedes Kind.

Wir haben trotz des Altersunterschieds eine harmonische Gruppe. Tagsüber kümmern wir uns um die Kleinen, abends liegt der Fokus auf den Großen. Neulich waren wir sogar mit fünf der sechs Kinder im Urlaub. Die Kinder erleben uns als Paar und auch das übrige Team im respektvollen Umgang miteinander.

Wir leben ihnen etwas Stabiles vor, das sie übernehmen können. Wir sind da, wenn die Jungs Trost und Zuwendung brauchen. Wenn ‚meine‘ Kinder irgendwann die Gruppe verlassen, bin ich nicht traurig, sondern freue mich für sie. Eine gelungene Rückführung zu den Eltern ist genauso schön, wie zu wissen, dass sie selbstständig durchs Leben gehen können.“ (Protokoll: Claudia Ladwig)

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„Mutter-Sein ist ein Vollzeit-Job“

Katrin Klaiber und ihr Mann Patrick sowie die Kinder Lotta und Moritz.
Katrin Klaiber und ihr Mann Patrick sowie die Kinder Lotta und Moritz. | Bild: Katrin Klaiber

Katrin Klaiber, 46, Pfullendorf: „Ich bin Mutter von zwei Kindern, Moritz ist 12, Lotta zehn Jahre alt. Das ist ein sehr schönes Alter, denn wir können unsere gemeinsamen Leidenschaften teilen: Wandern, Skifahren, Radfahren. Das ist toll.

Beide probieren gerade aus, wie weit sie beim Kräftemessen mit mir kommen. Sie sind Alphatiere und können einen Dickschädel haben. Klar ist es manchmal nervenaufreibend, wenn sie schlecht gelaunt und motzig sind. Aber das muss man als Mutter aushalten.

Ein Streitthema ist der Umgang mit digitalen Medien. Wir haben klare Online-Zeiten für Handy, Laptop und Nintendo. Wenn das Pensum aufgebraucht ist, gibt es keine Diskussionen. Nachzugeben wäre der einfachere Weg, aber da bin ich streng. Einmal in der Woche ist Zimmeraufräumen angesagt, damit ich mit dem Staubsauger durchkomme.

Mein Mann und ich haben uns bewusst für zwei Kinder entschieden, damit die Geschwister zusammen aufwachsen können. Um so schöner, dass wir einen Jungen und ein Mädchen haben. Ich habe während der Schwangerschaft gearbeitet und nach jeweils 12 Monaten Elternzeit halbtags.

In den Ferien jobben Moritz und Lotta bei uns im Unternehmen, kleben Etiketten, entsorgen Verpackungsmaterial, machen Botengänge. Damit bessern sie ihr Taschengeld auf, über das sie frei verfügen können. Wir haben ein Abkommen: Bei Geldgeschenken kommt ein Drittel aufs Sparbuch.

Die Kinder haben ihrem Alter entsprechend ein gewisses Mitspracherecht, was zum Beispiel Urlaub und Freizeitaktivitäten angeht. Sie dürfen sich Anschaffungen wie ihren Rucksack oder Turnschuhe selbst heraussuchen, und wenn Lotta gerade auf durchlöcherte Jeans steht, dann sperre ich mich nicht dagegen.

Doch nicht jeder Wunsch wird erfüllt. Jeder leistet in der Familie seinen Beitrag, damit sich alle wohlfühlen. Das heißt, die Kinder helfen auch im Haushalt mit, das finde ich wichtig, auch ich bin so aufgewachsen.

Mutter zu sein, ist ein Vollzeit-Job, die Kinder wollen betreut, die Wäsche gewaschen und der Kühlschrank gefüllt sein. Doch ich habe mich dafür entschieden und es macht mir Spaß. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranwachsen.“ (Protokoll: Kirsten Johanson)