Showmaster Thomas Gottschalk hat nach der „Wetten, dass..?“-Show jetzt klargestellt, dass er nicht lispelt. „In den sozialen Medien rauscht es andauernd“, schrieb der 72-Jährige in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung. Die Verwunderung über das Lispeln war nicht die einzige Kritik am Moderator. Und doch fällt einem auf die Frage, wer seine Fußstapfen ausfüllen könnte, spontan keiner ein.

Wettkandidat Marten Reiß (l) und Moderator Thomas Gottschalk stehen in Friedrichshafen auf der Bühne. Bild: dpa
Wettkandidat Marten Reiß (l) und Moderator Thomas Gottschalk stehen in Friedrichshafen auf der Bühne. Bild: dpa | Bild: Philipp von Ditfurth

Es gibt nur einen Thomas Gottschalk

Eigentlich sollte er dringend ans Aufhören denken: Thomas Gottschalk, Supernase, Superlocke, Moderatoren-Legende, ist in die Jahre gekommen. Bei der „Wetten, dass...“-Sendung in Friedrichshafen wirkte er vergesslich, nuschelte und posierte bei seinem Spruch „Topp, die Wette gilt“ wie ein Denkmal seiner selbst. Und dennoch: Wer sollte ihm nachfolgen? Markus Lanz hat bereits bewiesen, dass er es nicht kann. Michelle Hunziker ist zwar eine belebende Co-Moderatorin, aber kein Ersatz für Gottschalk.

Bei aller Kritik, die sich Gottschalk seit Jahrzehnten anhören muss (zu recht), es sind schon verdammt große Fußstapfen, die er hinterlässt: Mit seinem nonchalanten Stil, den Sprüchen, die aus einer anderen Epoche zu stammen scheinen, seiner weltläufigen Art hat er die Sendung mehr geprägt als ihr Erfinder Frank Elstner.

Die Leute lieben die Sendung

Die ganze Sendung wirkt wie ein einziges Zitat, eine Erinnerung an die gloriose Vergangenheit. Die Gästeliste könnte aus den 90er-Jahren übernommen sein. Und doch: Die Leute gucken es. Und sie reden drüber. Und sei es nur, um über Gottschalk abzulästern. Die Einschaltquote lag bei 39,5 Prozent. 10,09 Millionen Menschen schauten die ZDF-Sendung am Samstagabend. Das muss erstmal einer nachmachen.

Das könnte Sie auch interessieren

Andere beliebte Shows, wie die von Joko und Klaas (zuletzt um die 1 Million), DSDS (3,2 Mio.) oder Stefan Raabs Wok-WM (1,59 Mio.), können da nicht im Ansatz mithalten. Kann man auch schwer vergleichen, aber trotzdem. Angesichts dieser immensen Zuschauerresonanz kann das ZDF die Sendungs-Legende gar nicht aufgeben. Es wäre auch nicht im Sinne der Zuschauer. Die können dem Lagerfeuer-Fernsehen nämlich durchaus etwas abgewinnen. Einmal im Jahr allemal.

Die Gäste bringen die Welt nach Deutschland

Manche Gäste mögen aus der Vergangenheit aufgestiegen sein – aber sie sind immer noch Stars von Weltrang. John Malkovich und Robbie Williams an einem Abend auf die Bühne zu zaubern, ist ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Fernsehen. Die Gäste bei Maischberger, Lanz und Will haben vielleicht mehr zu sagen, aber sie sind längst nicht so exklusiv.

Und das Sendekonzept führt dazu, dass sich die Gäste als Wettpaten immer wieder in seltsame Situationen begeben müssen, sei es wenn US-Schauspieler Malkovich Wackelpudding löffelt oder sich der Brite Williams auf der Gästebank mit Anspielungen zu seinem Koks-Konsum konfrontiert wird. So hat man diese Leute noch nicht gesehen. Das macht „Wetten, dass...?“ tatsächlich einzigartig.

Die Wetten sind immer noch klasse

Wer hätte gedacht, dass man so schielen kann, dass man Fotos von Fingerabdrücken, die anderthalb Meter auseinanderliegen, gleichzeitig sieht? Wie kommen zwei 15-Jährige drauf, identischen Kuscheltieren Namen zu geben und diese dann auch noch auseinanderzuhalten? Und was um alles in der Welt bringt eine Österreicherin dazu, mit einem echten Bagger in Schräglage rohe Eier aufzupiksen?

Das könnte Sie auch interessieren

Die Wetten sind kurios und spektakulär in einem, sie sind live und echt und sie entwürdigen die Kandidaten nicht, wie das manch andere Show heute so macht. Immer noch unerreicht.

Wir leben in der Vergangenheit. Finden wir uns damit ab

Was sagt das alles eigentlich über unsere Gesellschaft aus? Wir müssen auf dem absteigenden Ast sein, wenn wir uns derart an die Vergangenheit klammern. Ist das die natürliche Folge einer alternden Gesellschaft? Vielleicht. Oder sehnen wir uns angesichts von Krieg und Krisen nach ein wenig heiler Welt? Auch das wäre verständlich. Freuen wir uns aufs nächste „Wetten, dass...?“.