Berlin/Überlingen/Konstanz – Es soll frühlingshaft warm werden in der Karwoche und viele Menschen haben frei: Die Einhaltung der strengen Kontaktverbote im Kampf gegen das Coronavirus dürfte für die Bürger mit Blick auf Ostern eine besondere Herausforderung werden.

„Eine ganz andere Osterzeit“

Die Bundesregierung appellierte am Wochenende eindringlich an die Menschen, sich an die Leitlinien für das reduzierte öffentliche Leben zu halten. Außenminister Heiko Maas forderte zum Durchhalten auf. „Wir müssen weiter alles tun, um eine zu schnelle Ausbreitung in Deutschland zu vermeiden. Das gilt leider auch für die Ostertage – so bitter das für viele Familien und Freundeskreise ist“, sagte der SPD-Politiker. Er fügte mahnend hinzu, ein Blick über unsere Grenzen zeige noch viel dramatischer als bei uns, wie tödlich das Coronavirus sei.

Zahlreiche Menschen genießen das sonnige Wetter auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Ausreichend Platz zum Abstandhalten gibt es dort.
Zahlreiche Menschen genießen das sonnige Wetter auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Ausreichend Platz zum Abstandhalten gibt es dort. | Bild: Christoph Soeder

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte in ihrem wöchentlichen Podcast an die Bürger, die Beschränkungen einzuhalten. „Wir alle werden eine ganz andere Osterzeit erleben als je zuvor“, sagte sie.

Der Zaun zwischen Konstanz und Kreuzlingen ist nun doppelt, aber zum Schwätzchen kann man sich trotzdem treffen.
Der Zaun zwischen Konstanz und Kreuzlingen ist nun doppelt, aber zum Schwätzchen kann man sich trotzdem treffen. | Bild: Gian Ehrenzeller

Fast überall im Land werden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes Frühlingstemperaturen jenseits der 20-Grad-Marke erwartet. Mut macht das positive Wochenendfazit der Polizei in mehreren Bundesländern: So seien etwa die Menschen in Brandenburg „ganz pragmatisch und nüchtern mit den Regeln der Landesregierung“ umgegangen, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Beamten in Rheinland-Pfalz registrierten nur vereinzelt Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen – etwa durch unerlaubte Ansammlungen.

Jugendliche treffen sich zu zehnt

In Thüringen erwartet mehrere Jugendliche ein Bußgeld von jeweils 200 Euro, weil sie sich verbotenerweise zu zehnt getroffen hatten. In München registrierte die Polizei zwischen Samstag- und Sonntagmorgen bei gut 9000 Kontrollen etwas mehr als 370 Verstöße. In Hessen wurden Beamte beleidigt und angegriffen, als sie eine verbotene Zusammenkunft auflösten. In Berlin waren zur Überwachung der Verbote rund 500 Polizisten stadtweit im Einsatz. Sie schrieben 23 Strafanzeigen und meldeten 87 Ordnungswidrigkeiten.

Auf der Uferpromenade in Friedrichshafen ist Verweilen unerwünscht.
Auf der Uferpromenade in Friedrichshafen ist Verweilen unerwünscht. | Bild: Lena Reiner

Rund um den Bodensee, wohin es bei schönem Wetter besonders viele Ausflügler zieht, fiel die erste Bilanz des Wochenendes positiv aus:

  • In Konstanz nahm die Polizei am Samstag und Sonntag fünf Ordnungswidrigkeiten auf. Am Montag will soll das weitere Vorgehen mit dem Krisenstab ausgewertet werden.
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  • In Bodman-Ludwigshafen konnte die Polizei am Wochenende keine Verstöße gegen die Sperrungen der Uferanlagen feststellen.
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  • In Radolfzell waren am Samstag zwei Beamte der Polizeireiterstaffel unterwegs. Auf SÜDKURIER-Nachfrage erklärte die Polizei am Sonntag, dass dort zwar wetterbedingt viele Leute am See waren, es aber keine Verstöße gegen die Corona-Verordnung gab.
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  • An den Hotspots im Bereich des Überlinger Sees war erkennbar, dass die vielen Passanten Rücksicht aufeinander nahmen. In Überlingen, wo die Promenade gesperrt war, hielten sich kaum Besucher auf. „Sonst wäre hier die Hölle los“, kommentierte ein Fahrradfahrer. Kritisch wurde es allerdings nach Beobachtungen an Engstellen entlang der Rad- und Fußwege am Bodenseeufer, wo im Begegnungsverkehr die Abstandsregel nicht eingehalten werden konnte. Dafür war an diesem sonnigen und frühlingshaften Palmsonntag einfach doch viel zu viel los.
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