Ganze Häuser wurden von den Wassermassen mitgerissen, Straßen und Brücken zerstört, Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten: Unwetter mit Überschwemmungen haben im Südosten Frankreichs und in Norditalien zu chaotischen Zuständen geführt. Es gab mehrere Tote. Auch in Österreich und der Schweiz richteten Wind und Regen am Wochenende große Schäden an, ein vierjähriges Mädchen starb.

Ein Feuerwehrhubschrauber überfliegt eine überschwemmte Stadt in der norditalienischen Region Piemont. Nach den heftigen Regen-Unwettern ...
Ein Feuerwehrhubschrauber überfliegt eine überschwemmte Stadt in der norditalienischen Region Piemont. Nach den heftigen Regen-Unwettern mit Überschwemmungen in Norditalien laufen vielerorts die Aufräumarbeiten. | Bild: -/Vigili del Fuoco/dpa

Mindestens acht Tote in Italien

In Italien kamen nach Medienberichten vermutlich mindestens acht Menschen ums Leben, darunter vermutlich mehrere Franzosen. In Orten an der Mittelmeerküste in Ligurien, etwa in Sanremo, wurden laut Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag fünf Leichen entdeckt. Sie könnten von Flüssen ins Meer gespült worden sein. Im bergigen Hinterland von Nizza wurde in Saint-Martin-Vésubie ein Mann tot in seinem Auto gefunden, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens acht Menschen vermisst, darunter zwei Feuerwehrleute. Von anderen fehlten Nachrichten.

In Italien starb ein 53-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal, der bei einer Rettungsaktion von einem umgestürzten Baum getroffen wurde. Ein 36-jähriger Autofahrer aus Vercelli wurde auf einer kaputten Straße vom Flusswasser weggerissen. Sein jüngerer Bruder konnte sich hingegen aus dem Auto befreien und überlebte. Vercelli liegt zwischen Turin und Mailand.

Ein Gebäude rutscht im italienischen Biella in den Fluss Cervo.
Ein Gebäude rutscht im italienischen Biella in den Fluss Cervo. | Bild: -/Vigili del Fuoco/dpa

Es gebe große Sorge hinsichtlich der endgültigen Opfer-Bilanz, wie Regierungschef Jean Castex bei einem Besuch in der Krisenregion sagte.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, nach den vorliegenden Informationen gebe es aktuell keine Hinweise, dass sich Deutsche unter den Vermissten oder Opfern der Unwetter befänden. Die deutsche Botschaft in Rom und das Generalkonsulat in Marseille standen demnach mit den lokalen Behörden in Kontakt.

Umgestürzte Bäume liegen nach dem Sturm auf einer Brücke im österreichischen Göstling. Eine Vierjährige starb am Samstag bei einer ...
Umgestürzte Bäume liegen nach dem Sturm auf einer Brücke im österreichischen Göstling. Eine Vierjährige starb am Samstag bei einer Wanderung mit ihrer Großmutter, als ein Baum in einer Orkanböe umstürzte und auf sie fiel. | Bild: Unbekannt/LPD NÖ/dpa

Vierjähriges Mädchen in Österreich von Baum erschlagen

In Österreich mussten Rettungskräfte am Freitagabend und Samstag zu zahlreichen Einsätzen wegen umgestürzter Bäume und kleinerer Überflutungen ausrücken. Ein vierjähriges Mädchen wurde bei einer Wanderung von einem Baum erschlagen. In der Schweiz brachte das Tief am Samstag enorme Mengen Regen mit sich, die Autobahn A2 war stundenlang wegen Überflutung gesperrt.

Ein Überblick der überschwemmten Autobahn A-2 zwischen Beckenried und Erstfeld in der Schweiz, die auf Grund von Hochwasser gesperrt wurde.
Ein Überblick der überschwemmten Autobahn A-2 zwischen Beckenried und Erstfeld in der Schweiz, die auf Grund von Hochwasser gesperrt wurde. | Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

Enorme Schäden in Frankreich: „Man hat den Eindruck, dass das Gebiet bombardiert wurde“

Im französischen Département Alpes-Maritimes und in Norditalien liefen am Sonntag und Montag die Aufräumarbeiten. In Frankreich wurden rund 1000 Feuerwehrleute und die Armee eingesetzt. In der italienischen Region Piemont waren Straßen und Brücken beschädigt und Städte überschwemmt, etwa in Limone Piemonte in der Provinz Cuneo. Der Bürgermeister dort sprach von einer „katastrophalen Lage“. Die Regionen Piemont und Ligurien beklagten Schäden in Millionenhöhe.

Diese Luftaufnahme zeigt die Schäden in Saint-Martin-Vesubie in Frankreich, die von schweren Regenfällen und Überschwemmungen verursacht ...
Diese Luftaufnahme zeigt die Schäden in Saint-Martin-Vesubie in Frankreich, die von schweren Regenfällen und Überschwemmungen verursacht wurden. | Bild: Valery Hache/AFP/dpa

In den Bergen nördlich der Ferienmetropole Nizza waren Dörfer zeitweise nicht mehr erreichbar. Das Telefonnetz war zusammengebrochen. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Retter brachten Wasser und Lebensmittel in die Region. Rémi Recio, Leiter des engsten Mitarbeiterstabes des örtlichen Präfekten, sprach von einer „meteorologischen Bombe“, die am Freitag über dem Département niedergegangen sei. Vom Hubschrauber aus habe er kriegsähnliche Szenen gesehen. „Man hat den Eindruck, dass das Gebiet bombardiert wurde.“ Häuser seien von den Wassermassen weggerissen worden.

21 Vermisste inzwischen gefunden

21 Menschen, die im Piemont als vermisst galten, wurden schließlich auf der anderen Seite der Grenze im Hinterland von Nizza gefunden, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch eine deutsche Trekkinggruppe mit fünf Männern und einer Frau, die im piemontesischen Tal Valle Gesso zunächst als vermisst galt, wurde auf einer Hütte entdeckt und in Sicherheit gebracht.

Ein Mann geht im französischen Ajacciozwischen Autos hindurch, die durch eine Überschwemmung in Folge starken Regens weggespült wurden.
Ein Mann geht im französischen Ajacciozwischen Autos hindurch, die durch eine Überschwemmung in Folge starken Regens weggespült wurden. | Bild: Pascal Pochard-Casabianca/AFP/dpa

So starker Regen wie seit 60 Jahren nicht mehr

Teilweise hatte es im Nordwesten Italiens von Freitag auf Samstag so stark geregnet wie seit rund 60 Jahren nicht mehr. Der Strom fiel für Tausende Menschen aus. Die Behörden warnten am Wochenende weiter vor Hochwasser-Gefahren. Das galt auch am Fluss Po, der von Westen quer durch Italien fließt und in die Adria mündet.

Der Markusplatz in Venedig wurde vom Schlimmsten verschont. Zur Bekämpfung des Hochwassers wurde erstmals der Moses-Staudamm eingesetzt.
Der Markusplatz in Venedig wurde vom Schlimmsten verschont. Zur Bekämpfung des Hochwassers wurde erstmals der Moses-Staudamm eingesetzt. | Bild: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa

In Venedig wurde am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage Mose erstmals in einer echten Gefahrenlage hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen an den Öffnungen der Lagune wurden aufgestellt. Am Sonntag hieß es in Berichten, Mose habe Wirkung gezeigt: Trotz erhöhter Wasserstände sei der Markusplatz im Zentrum trocken geblieben.

(dpa/afp)