Die „Sea-Watch 4“ hat nach dem sechsten Rettungseinsatz im südlichen Mittelmeer binnen drei Tagen 455 Flüchtlinge an Bord. In der Nacht auf Sonntag rettete die Besatzung weitere 51 Migranten, teilte „Sea-Watch“ auf Twitter mit. Das Schiff benötige dringend einen sicheren Hafen für die an Bord befindlichen Geretteten.

Die Besatzung wurde überdies Zeuge von Misshandlungen von Flüchtlingen durch die libysche Küstenwache. „Sea Watch“ veröffentlichte auf Twitter ein Video, auf dem Personen, die den von der EU geförderten libyschen Einheiten angehören sollen, von einem Motorboot aus auf Flüchtlinge in einem Schlauchboot einschlagen, um sie zur Umkehr zu zwingen. Derweil erreichten 532 Flüchtlinge auf vier Booten die Insel Lampedusa.

Die „Ocean Viking“ von der Organisation SOS Méditerranée brachte unterdessen 236 Geretteten in den Hafen von Augusta in Sizilien. Die Besatzung hatte die Menschen am Dienstag vor der libyschen Küste aus zwei überfüllten Schlauchbooten an Bord geholt. 114 von ihnen sind den Helfern zufolge unbegleitete Minderjährige.

Auf diesem Archivfoto vom 29. Dezember 2020 liegt das Rettungsschiff „Ocean Viking“ der NGO SOS Mediteranee im Hafen von Marseille, Südfrankreich, vertäut. – Das humanitäre Schiff „Ocean Viking“ wollte am 1. Mai 2021 mehr als 230 gerettete Migranten, mehr als die Hälfte davon unbegleitete Minderjährige, im italienischen Hafen Augusta auf der Insel Sizilien an Land bringen, teilte die Wohltätigkeitsorganisation, die es betreibt, mit. SOS Mediterranee richtete auch einen verzweifelten Appell an Europa, einzugreifen, um diejenigen zu retten, die versuchen, den Kontinent zu erreichen, nachdem die Ocean Viking am 22. April zu spät kam, um 130 Migranten aus einem kenternden Schlauchboot vor Libyen zu retten.
Auf diesem Archivfoto vom 29. Dezember 2020 liegt das Rettungsschiff „Ocean Viking“ der NGO SOS Mediteranee im Hafen von Marseille, Südfrankreich, vertäut. – Das humanitäre Schiff „Ocean Viking“ wollte am 1. Mai 2021 mehr als 230 gerettete Migranten, mehr als die Hälfte davon unbegleitete Minderjährige, im italienischen Hafen Augusta auf der Insel Sizilien an Land bringen, teilte die Wohltätigkeitsorganisation, die es betreibt, mit. SOS Mediterranee richtete auch einen verzweifelten Appell an Europa, einzugreifen, um diejenigen zu retten, die versuchen, den Kontinent zu erreichen, nachdem die Ocean Viking am 22. April zu spät kam, um 130 Migranten aus einem kenternden Schlauchboot vor Libyen zu retten. | Bild: NICOLAS TUCAT/AFP

„Die Überlebenden sind erleichtert, endlich an einen sicheren Ort zu kommen“, erklärte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland. Bei den Retterinnen und Rettern hinterlasse allerdings das Erlebnis des Schiffbruchs mit 130 Toten in der vergangenen Woche Trauer und Bitterkeit. „Sie haben das dringende Bedürfnis, Europas Öffentlichkeit über die schockierende Realität, die sie im Mittelmeer erlebt haben, aufzuklären“, sagt Verena Papke.

Innerhalb einer Woche sei SOS Méditerranée mehrfach „Zeugin der europäischen EU-Abschottungspolitik geworden“, hieß es weiter: „Ein Schiffbruch ohne Überlebende, die Rettung von 236 Menschen aus zwei seeuntauglichen Schlauchbooten und mehrere Rückführungen der libyschen Küstenwache, die Menschen auf der Flucht abfängt und rechtswidrig in das Bürgerkriegsland zurückschleppt.“

SOS Méditerranée erinnert EU an rechtsstaatliche Prinzipien

Europa dürfe angesichts immer wiederkehrender Schiffsunglücke nicht länger untätig bleiben, so Papke: „Die gezielte Unterstützung von illegalen Zwangsrückführungen nach Libyen muss beendet werden.“ Die EU müsse zu ihren eigenen rechtsstaatlichen Prinzipien stehen, um diese Katastrophe jetzt zu stoppen, fügte Papke hinzu.

SOS Méditerranée ist eine europäische Organisation mit Vereinen in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, die gemeinsam die „Ocean Viking“ betreiben. Das Schiff fährt unter norwegischer Flagge.

Die „Sea-Watch 4“ wurde im vergangenen Jahr mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt. Nach ihrer ersten Rettungsmission wurde sie im Hafen von Palermo festgesetzt und erst im März durch einen Gerichtsbeschluss wieder freigegeben. Betreiber ist der 2015 gegründete Berliner Verein Sea-Watch.

Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Seit Jahresbeginn kamen nach UN-Angaben bei dem Versuch, auf diesem Wege nach Europa zu gelangen, bereits 599 Menschen ums Leben. Im gleichen Zeitraum 2020 waren es 278.

(epd)