In den baden-württembergischen Waldgebieten sind wieder die Pilzsammler unterwegs. „Die Pilzsaison geht jetzt langsam los, weil es feuchter ist“, sagte Götz von Bülow, Leiter des Forstbezirks Schönbuch in Dettenhausen (Kreis Tübingen). Bei einer solchen Witterung entfalten die Pilze ihr Leben. Die Hauptsaison geht bis Mitte Oktober.

Die Behörden warnen vor zu großer Sammelleidenschaft. Aus Gründen des Natur- und Artenschutzes gelten für Pilzsammler Obergrenzen. Nach Angaben des Hauptzollamts Lörrach ist in der Regel maximal ein Kilogramm pro Tag und Person erlaubt.

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Im Wald darf jeder Pilze sammeln. Gesammelt werden sollten aber nur solche, die man auch bestimmen könne. Tabu sind Naturschutzgebiete, Bannwälder und umzäunte Schonungen, in denen junge Bäume angepflanzt sind. Wo Pilzesammler am besten suchen sollten und wo eher keine Pilze zu finden sind.

  • Gestapelte Baumstämme? Das wird nichts! Gibt es tatsächlich Waldstücke, in denen keine Pilze wachsen? „Ja“, sagt Peter Karasch, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). „Dort, wo Spuren von schwerem Forstgerät zu sehen sind oder viele gestapelte Baumstämme am Wegesrand.“ Bei forstwirtschaftlichen Aktivitäten sei es erstmal eine Weile vorbei mit den gewohnten Pilzen. „Und das meist für die nächsten 10 bis 20 Jahre. Denn wichtig für das Pilzwachstum ist das Klein-Klima. Wo durchforstet wird, ist es für einige Zeit gestört“, erklärt Karasch.
Baumstämme liegen auf einem Haufen in einer Waldlichtung.
Baumstämme liegen auf einem Haufen in einer Waldlichtung. | Bild: Friso Gentsch/dpa
  • Mais und Brennessel? Auch nicht! Es gibt sogar regelrechte Störungsanzeiger, die für wenig Pilzglück sprechen. „Befindet sich gleich neben dem Wald ein Maisacker, ist das wegen höherer Nährstoffeinträge ungünstig für die meisten Pilzarten.“ Auch wer meterhohe Brombeersträucher, Springkraut oder Brennnesseln sieht, könne meist gleich wieder kehrtmachen. Stattdessen sollte man nach Moosen und Flechten Ausschau halten. Die zeigen nährstoffarme und somit günstigere Verhältnisse an.
Maisfeld am Bodensee.
Maisfeld am Bodensee. | Bild: Jörg Büsche
  • Die richtigen Bäume: „Nadelwälder mit Fichten und Kiefern sind das richtige Terrain für Sammler, die auf die beliebtesten Pilzarten Pfifferlinge, Steinpilze und Maronen scharf sind“, weiß Karasch. Sommersteinpilze ließen sich bevorzugt in der Nähe von Buchen oder Eichen finden. Grund dafür sei, dass bestimmte Pflanzen in enger Symbiose mit Pilzen leben. So liefern die Pilze den Bäumen Wasser und Mineralstoffe und bekommen im Gegenzug Kohlenhydrate zurück – alles über die Wurzeln.
Auch auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an: 10 bis 14 Tage nach dem Regen sprießen die Pilze.
Auch auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an: 10 bis 14 Tage nach dem Regen sprießen die Pilze. | Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
  • Fliegenpilz? Dann ist der Steinpilz nicht weit: „Auch da ist was dran. Beide haben ähnliche Standortansprüche“, sagt Karasch. Allerdings müsse das nicht zeitgleich sein. Das trifft auch für folgende Regel zu: Wo steht einer, kommt noch einer. „Deshalb sollte man zu erfolgreichen Fundorten nach drei bis fünf Tagen noch mal einen Wiederholungsgang machen“, rät der Pilzkenner. Wer befürchtet, die Stelle nicht wiederzufinden, könne ein Schleifchen in der Nähe anbinden.
Drei prächtige Fliegenpilze.
Drei prächtige Fliegenpilze. | Bild: Stadt Schramberg
  • Alte Pilze: Manchmal ist die Freude nur kurz, wenn der Fund schon ein betagter Pilzopa ist. „Dann besser stehen lassen! So sorgt er durch seine Sporen für Vermehrung der Pilze in der nächsten Saison“, sagt Peter Karasch. Hilfreich sei dabei der Drucktest am Hut. „Ist der noch elastisch und zieht sich in seine Form zurück, ist er auch noch frisch“, so der Experte.
  • Pilz mit Gästen: Hat der Pilz schon Bewohner? Ebenfalls stehenlassen! Um das herauszufinden, müsse man den Pilz auch nicht gleich pflücken. Karasch nimmt dafür gern einen kleinen Spiegel mit in den Wald und kann so unter den Pilzhut schauen. Angeknabberte Exemplare sind dagegen kein Problem – einfach großzügig wegschneiden.
Wo Moos und Flechten gedeihen, wachsen auch gerne Pilze. Angeknabberte Exemplare sind kein Problem – die angeknabberte Stelle wird beim Putzen einfach weggeschnitten.
Wo Moos und Flechten gedeihen, wachsen auch gerne Pilze. Angeknabberte Exemplare sind kein Problem – die angeknabberte Stelle wird beim Putzen einfach weggeschnitten. | Bild: Andrea Warnecke/dpa
  • Das richtige Wetter: Der wahre Pilz-Fuchs achtet natürlich aufs Wetter und weiß: „Damit Pilze sprießen, muss der Boden eine Grundfeuchte haben. Aber man muss nicht gleich losschießen, während es noch regnet“, klärt Karasch auf. „Der ideale Zeitpunkt ist 10 bis 14 Tage nach dem Regen. Denn Pilze wachsen in Wellen.“
Die Pfanne zum Braten von Pilzen soll groß und richtig heiß sein. So kann das austretende Wasser verdampfen. So können die Pilze wirklich braten statt zu kochen.
Die Pfanne zum Braten von Pilzen soll groß und richtig heiß sein. So kann das austretende Wasser verdampfen. So können die Pilze wirklich braten statt zu kochen. | Bild: Zacharie Scheurer/dpa
  • Pilze in den Bergen: Wer in den Bergen in die Pilze geht, sollte je nach Witterung auch auf die Himmelsrichtung achten. „Wenn es viel geregnet hat, wird man auch an den trockenen Südseiten fündig, bei längerer Trockenzeit eher an den schattigen Nordseiten“, verrät Karasch. (dpa)

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