Es muss eine eigenartige Stimmung im Weißen Haus geherrscht haben, als um die Mittagszeit des 7. November der TV Sender CNN als erste namhafte amerikanische Medienorganisation den Wahlsieg von Joe Biden bekannt gab.

Donald Trump war noch auf dem Golfplatz und spielte seine Runde zu Ende, wohl auch, um seinen ersten Zorn abzureagieren. Melania wird im West Wing mit sphynxhaftem Stoizismus die Nachrichten betrachtet haben, ohne sich auch nur die geringste Gefühlsregung anmerken zu lassen.

Das Power-Paar Jared Kushner und Ivanka, oft auch scherzhaft Javanka genannt, werden nervös auf ihren Sesseln herum gerutscht sein, wohl ahnend, dass sich ihre Zukunft anders gestalten dürfte, als sie sich das vorgestellt hatten.

Noch Anfang November machte Ivanka Trump kräftig Wahlkampf für ihren Vater.
Noch Anfang November machte Ivanka Trump kräftig Wahlkampf für ihren Vater. | Bild: SCOTT OLSON/AFP

Die vornehme Version ihrer Eltern

Ihre Laune hob sich ganz gewiss auch nicht, als in den folgenden Stunden die Bilder vom New Yorker Times Square auf allen Kanälen in die ganze Welt ausgestrahlt wurden. Im Herz ihrer Heimat Manhattan hatten sich Zehntausende zu einer spontanen Party zusammen gefunden, um das Ende der Trump-Ära zu feiern.

Es ist kaum verwunderlich, dass Ivanka seither auf Instagram und Twitter an die Anhänger ihres Vaters eiserne Durchhalteparolen versendet, um deren Glauben an den Endsieg am Leben zu erhalten. Denn die Alternativen, die für Javanka nun plötzlich sehr real werden, sind nicht sehr attraktiv.

Nah an den Mächtigen: Ivanka Trump mit Angela Merkel beim G20-Gipfel 2017 in Berlin
Nah an den Mächtigen: Ivanka Trump mit Angela Merkel beim G20-Gipfel 2017 in Berlin | Bild: Michael Sohn/AFP

Noch im vergangenen Jahr, bevor der Kampf um Trumps Wiederwahl richtig ins Rollen gekommen war, hatte sich Ivanka einer Journalistin des Atlantic Magazins gegenüber absolut sicher gezeigt, dass ihr Leben aus der Zeit vor Washington noch auf sie wartet: Die New Yorker Bälle und Parties, die schicken Restaurants von Manhattan, die Kunstauktionen und die teuren Boutiquen der Madison Avenue. Doch die Bilder der Menschen auf dem Broadway, die angesichts der Abwahl ihres Vaters in einen Jubel ausbrachen, der an Berlin im Jahr 1989 erinnerte, wird ihr zu denken gegeben haben.

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Geld war ihr Ticket in die feine Gesellschaft

Bevor Iavanka mit Donald nach Washington ging, war das Paar in der New Yorker Gesellschaft wohl gelitten. „Es ist ja nicht so, dass diese Leute nachts um zwei Rosa Luxemburg lesen“, sagt der New Yorker Rechtsanwalt Rich Farley. Kurz, um Zugang zur New Yorker Gesellschaft zu finden, braucht man keine linke Gesinnung. Man braucht eigentlich nur eines: Geld. Davon brachten die beiden Milliardenerben reichlich mit. Sowohl Ivanka als auch Kushner sind Erben von Immobilienimperien, durch die Milliarden flossen.

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Alleine das sicherte ihnen Tickets zu den wichtigsten gesellschaftlichen Ereignissen der Stadt. Um diesen Status nicht zu gefährden hielten die beiden stets eine gebührende Distanz zu ihren Vätern. Ivanka zu Donald, der in der New Yorker Gesellschaft von Anfang an als ungehobelter Außenseiter galt; Jared von seinem Vater Charlie, der wegen dubioser Geschäftspraktiken und Zeugenerpressung gar 14 Monate im Gefängnis gesessen hatte.

Zu sehr mit Politik Trumps verbunden

Ivanka und Jared galten als die kultivierten, salonfähigen Versionen ihrer problematischen Eltern. Ivanka mit ihrem erfolgreichen Schmuck- und Modelabel und Jared als Verleger des New York Observer, einer soliden bürgerlichen, jüdischen Zeitung.

Ivanka Trump arbeitet offiziell als Beraterin ihres Vaters Donald Trump im Weißen Haus. Für den Posten gab sie sogar ihr New Yorker Schmuck-Unternehmen auf.
Ivanka Trump arbeitet offiziell als Beraterin ihres Vaters Donald Trump im Weißen Haus. Für den Posten gab sie sogar ihr New Yorker Schmuck-Unternehmen auf. | Bild: TIMOTHY A. CLARY/AFP

Doch als Donald Trump gewählt wurde, knüpften die beiden bedingungslos ihre Geschicke an den Patriarchen des Klans. Sie wurden, wie der Kolumnst Frank Bruni in der New York Times schrieb, „das faustische Poster-Paar der Trump Präsidentschaft.“ Jared Kushner spielte, wie man heute nur all zu gut weiß, bereits in Trumps erstem Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Seine Treffen mit russischen Oligarchen zum Informationsaustauch waren ein Kernbestandteil des „Mueller-Reports“, der zum Impeachment von Trump führte. Ivanka war hingegen vorerst zurückhaltend. Zu Beginn galt sie gar als mäßigende Stimme im Ohr ihres Vaters. Es wurde etwa behauptet, sie habe ihm davon abgeraten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten. Spätestens, als sie eine offizielle Beraterrolle im Weißen Haus antrat und ihre Modefirma aufgab, wurde sie jedoch fester Bestandteil der Trump-Mannschaft.

Ivanka Trumps Ehemann Jared Kushner soll maßgeblich, neben Präsident Trump selbst, an der katastrophalen Corona-Strategie der USA beteiligt gewesen sein.
Ivanka Trumps Ehemann Jared Kushner soll maßgeblich, neben Präsident Trump selbst, an der katastrophalen Corona-Strategie der USA beteiligt gewesen sein. | Bild: SAUL LOEB/AFP

Mit liberalem New York verscherzt

Nach ihrer flammenden Rede für ihren Vater beim republikanischen Wahlkonvent und ihrer Twitter Attacke auf die amerikanische Demokratie in den letzten Wochen kann sie nun endgültig nicht mehr behaupten, noch irgendwo im Hinterkopf Skrupel gehabt zu haben. Deshalb gibt es jetzt, so glauben die Beobachter, für beide keinen Weg mehr zurück.

Im liberalen New York dürften sie jedenfalls Personae Non Grata sein. „Niemand mit Respekt vor sich selbst, einer Karriere, mit Moral und einer Achtung vor der Demokratie wird sich noch mit ihnen blicken lassen wollen“, sagte eine ehemalige Vertraute gegenüber der Journalistin Emily Jane Fox.

Frank Bruni schlug daher vor, die beiden sollten sich eher in Richtung Nordkorea oder Saudi Arabien orientieren als nach New York. Schließlich hätten sie dorthin beste Kontakte aufgebaut.

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