Soll ich meinen schönen, fast druckfrischen 50-Euro-Schein wirklich gegen Bitcoin tauschen? Warum nicht gleich Glasperlen? Jeff Gallas, 34, lächelt. Er ist ein netter Kerl, macht was mit Krypto-Währungen und führt mich durch Deutschlands Bitcoin-Valley, den Graefe-Kiez in Berlin-Kreuzberg, eines dieser Hip-Nester wie in Prag oder Kopenhagen, wo Bargeld ein anderes Wort für „Rentner“ ist. Berlin hat den Hype fast wieder hinter sich. Denn mit den Mieterhöhungen flohen die Pioniere.

Bitcoin ist ein Versprechen für eine bessere Zukunft

Bitcoin ist wie 5G – zunächst mal das Versprechen einer besseren Zukunft. Weil die digitale Währung auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist, lässt sie sich nicht beliebig vermehren und wird daher auch als „digitales Gold“ bezeichnet, das nicht von Staaten und deren Zentralbanken ausgegeben wird, sondern gleichsam von Nutzern erschaffen und erhalten. Wie ein weltweites Computersystem Bitcoin schürft, wird auf http://www.netzentdecker.de erklärt.

Zwischen Ab- und Aufwertung

Nachteil: Die neue Währung fasziniert auch Kriminelle und Spekulanten. Mal war ein Bitcoin praktisch nichts wert, mal weit über 10 000 Euro. Derzeit erlebt die Finanzwelt eine Abwartephase: Lässt sich die zweifellose brillante Idee des Krypto-Geldes mit der Realität langsam versöhnen?

Währungen bestehen vor allem aus Vertrauen – und das geht irgendwann zu Ende

Soll ich nun ausgerechnet in die abkühlende Krypto-Euphorie 50 echte Euro in Bitcoin investieren? „Währungen sind Vertrauen“, sagt Jeff. Stimmt. Eine Zahl auf meinem Konto ist ja auch kein echter Wert, sondern nur die Abmachung zwischen mir und der Bank, dass wir alle diesen Zahlen vertrauen und sie gegen Waren oder Arbeit oder Zeit tauschen. Dieses Vertrauen aber hält nie ewig. Ob Sesterzen, Taler, Reichsmark, bei Währungen ist nur auf eines Verlass – ihr Ende. In der Türkei oder in Venezuela sollen wohlhabende Menschen ihr Vermögen in Bitcoin wechseln, weil sie dem Krypto-Geld mehr vertrauen als ihren wackeligen Landeswährungen.

Hajo Schumacher macht mit: 50 Euro gegen 0,011 Bitcoin

Also gut, her mit den Bitcoin. Jeff schickt mir gut 0,011 Bitcoin in die Geldbörsen-App auf meinem Handy. Der Kurs steht bei 4.444 Euro. Im Room 77, dem „Restaurant am Ende des Kapitalismus“, könnte ich jetzt unser Bier bezahlen, wenn, ja wenn die Bitcoin schon bei mir angekommen wären. Womit wir bei einem der größten Probleme aller Krypto-Währungen wären: Zeit und Energieaufwand.

Ein Währung mit gewaltigem Stromverbrauch

Jeder Bitcoin, jede Transaktion ist geschützt durch das aufwendige Blockchain-System, das immens viel Rechenleistung und Strom verschlingt. Würden sich Krypto-Währungen global durchsetzen, ginge 2024 der gesamte Weltverbrauch an Strom dafür drauf. Mit seiner Firma „Fulmo“ arbeitet Jeff Gallas an einer effizienteren Lösung.

Auf das Ende des Notenbank-Systems ist Schumacher bestens vorbereitet

Im Room 77 treffen sich Bitcoin-Fans wie Jeff, vorwiegend junge Männer mit Programmier-Hintergund, deren sanft-überlegener Silicon-Valley-Blick signalisiert, dass sie vielleicht schon jetzt, aber bestimmt sehr bald reich, berühmt oder beides sein werden. Jörg Platzer, 51, der den „Room 77“ betreibt, ist ein Krypto-Veteran aus der Hacker-Szene, der seit drei Jahrzehnten von einer basisdemokratischen Währung träumt, die auf sauberen mathematischen Grundlagen ruht. Dass sich der Bitcoin oder seine Geschwister eines Tages durchsetzen, ist für ihn ausgemacht, spätestens in zwei, drei Finanzkrisen, wenn das Vertrauen der Menschen in das Notenbanken-System endgültig ruiniert ist. Ich bin darauf übrigens bestens vorbereitet: Der Wert meines Bitcoin-Anteils ist in wenigen Wochen um drei Euro gestiegen.

Begleiten Sie Hajo Schumacher auf seiner Expedition in die digitale Gegenwart und Zukunft auf www.netzentdecker.de