Idyllische Bauernhäuser mit den typischen Schindeldächern, Heumännchen und weidende Kühe: Das Lesachtal gehört zu den schönsten Regionen in Kärnten und gilt als naturbelassenstes Tal Europas. Schon vor 30 Jahren wurde hier eine nachhaltige Strategie zum Umgang mit Tourismus festgelegt. Mehr Gästebetten als Einwohner sind nicht erlaubt. Zudem gehört das Lesachtal neben dem Gailtal zur weltweit ersten Slow-Food-Travel-Region. Dabei geht es um Speisen und Lebensmittel, die aus der Region kommen und keinen weiten Weg hinter sich haben, bis sie auf dem Teller landen. Das jüngste Projekt des Tals lebt dieses Motto: der Brot- und Morendenweg.

Die Morende – das ist hier im Lesachtal der deftige Nachmittagsimbiss, eine Zwischenmahlzeit sozusagen. Für Wanderer, die den ganzen Tag auf den Beinen sind, ideal. Vor etwa drei Jahren wurde der kulinarische Erlebnispfad ins Leben gerufen, ein gemeinsames Projekt der Höfe im Lesachtal, der Gemeinde und dem Tourismusverband.

Die dreieinhalbstündige Wanderung führt über verschiedene Almen und Höfe durch die traditionelle Küche des Lesachtals. Von Liesing aus beginnt der Rundweg hinauf zur Steineckenalm, die beschaulich zwischen weidenden Kühen liegt.

Gegenüber von der Steineckenalm grasen die Kühe – Wanderer sind für sie nichts Neues mehr.
Gegenüber von der Steineckenalm grasen die Kühe – Wanderer sind für sie nichts Neues mehr. | Bild: Moll, Mirjam

Zünftige Bretteljause

Hier wartet die klassische Bretteljause auf die Wanderer, mit typisch-würzigem Bergkäse, eingelegtem Gemüse, Graubrot und Wurst von heimischen Metzgern. Nichts, was auf der Platte liegt, ist weiter als wenige Kilometer weit entfernt produziert worden. Dazu gibt es erfrischende Hollerschorle – Mineralwasser mit Holunderblütensirup. Die gemütliche Alm, die mit bunten Blumen geschmückt ist, bietet zudem einen fantastischen Blick auf das Tal.

Die Bretteljause der Steineckenalm: Wurst und Käse von umliegenden Bauern, sauer eingelegtes Gemüse, dazu das typische Graubrot. Wer ...
Die Bretteljause der Steineckenalm: Wurst und Käse von umliegenden Bauern, sauer eingelegtes Gemüse, dazu das typische Graubrot. Wer mag, bekommt dazu auch eine Hollerschorle – Mineralwasser mit Holunderblütensirup. | Bild: Moll, Mirjam

Weiter führt der Rundweg in den Wald hinein, wo ein ganzer Bienenlehrpfad angelegt wurde. Bienen summen zwischen den Bäumen umher, fliegen ein und aus durch die kleinen Scharten der aufgereihten Bienenstöcke. Wer mag, kann hier auch Honig für zu Hause mitnehmen.

Winterliche Stockplatteln

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Mühlenstüberl, wo man die klassischen Stockplatteln kosten kann. Eigentlich sind sie ein Wintergericht, das typischerweise am Weihnachtsmorgen serviert wird. Für jedes Familienmitglied wird eines der flachen Hefeküchlein ausgebacken, dazwischen kommt eine Paste aus speziellen getrockneten Birnen – sogenannte Kletzen – Mohn, Preiselbeeren. Jede Familie hat dazu ihr eigenes Rezept.

Stockplatteln sind eigentlich ein typisches Gericht am Weihnachtsmorgen – für jedes Familienmitglied gibt es einen der flachen ...
Stockplatteln sind eigentlich ein typisches Gericht am Weihnachtsmorgen – für jedes Familienmitglied gibt es einen der flachen Hefeküchlein, dazwischen wird eine Fruchtpaste aus getrockneten Kletsen (eine spezielle Sorte Birnen) und Beeren gestrichen. Jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Im Mühlenstüberl ist die Süßspeise so beliebt, dass selbst die Einheimischen dafür herkommen. | Bild: Moll, Mirjam

Im Stüberl bekommen wird das klassische Gericht mit Honigsoße serviert. Es schmeckt wunderbar – und ist auch im Herbst ein absoluter Genuss. Das Ehepaar Windbichler betreibt das Mühlenstüberl schon seit 16 Jahren. Die Idee, das klassische Wintergericht auf die Karte zu nehmen, ging auf: „Inzwischen kommen auch die Einheimischen deswegen her“, sagt Karin Windbichler. Pro Woche gehen gut 30 Portionen über die Theke.

Etwas unterhalb gelegen ist der Hof der Windbichlers, den sie aufwendig renoviert haben, um die Baustruktur zu erhalten. „Die Baukultur soll erhalten bleiben“, sagt Johann Windbichler, der auch der Bürgermeister des Lesachtals ist und einer der Mitinitiatoren des Brot- und Morendenwegs, den es erst seit wenigen Jahren gibt. „Wir leben hier das Motto ‚Weniger ist mehr‘“, sagt Windbichler über das Tourismuskonzept des Ortes.

Die Entscheidung schon vor Jahrzehnten, das Lesachtal so zu erhalten, wie es ist, ohne auf die Vorteile des Tourismus zu verzichten, zahlte sich aus: Das Tal wurde mit Auszeichnungen gelobt – und die Touristen kommen in Maßen. „Die alten Berufe bleiben erhalten, die so dringend gebraucht werden“, erklärt der 63-Jährige. Weil der Tourismus überschaubar bleibt, sind die meisten auch weiter in ihren eigentlichen Berufen – ob Milchbauer, Bäcker, Metzger oder Landwirt.

Deftige Schlipfkrapfen

Eines der größeren Gasthäuser ist der Lahnerhof. Hier bekommen Wanderer auf dem Brot- und Morendenweg eine ganz besondere Spezialität: die sogenannten Schlipfkrapfen. Sie waren früher eine nahrhafte Bauernmahlzeit und auch in schlechteren Zeiten erschwinglich. Denn sie wird mit nur wenigen Zutaten und ohne teures Fleisch zubereitet. Der Nudelteig wird aus Mehl, Wasser, Salz und Öl zubereitet, die Füllung besteht aus Kartoffeln, Zwiebeln und etwas Sahne.

Früher galten Schlipfkrapfen als Arme-Leute-Essen. Doch die Bauern liebten und lieben die nahrhaften Teigtaschen mit Kartoffelfüllung ...
Früher galten Schlipfkrapfen als Arme-Leute-Essen. Doch die Bauern liebten und lieben die nahrhaften Teigtaschen mit Kartoffelfüllung bis heute. Sie sind eine echte Spezialität des Lesachtals. | Bild: Moll, Mirjam

Sie herzustellen, ist ein aufwendiger Prozess, erklärt Koch Mattias vom Lahnerhof. Zu dritt braucht sein Team mehrere Stunden, um etwa 200 Stück der hübschen Teigtaschen zu formen, deren Rand kunstvoll mit einer speziellen Technik gefaltet wird. In einem heißen Wasserbad werden die Schlipfkrapfen dann gegart und mit frischem Butterschmalz und Schnittlauch serviert. Von den sättigenden Krapften braucht es nur wenige, um einen hungrigen Wandermagen zu füllen.

Gut, dass die Route noch weitergeht. Die Wanderroute lässt sich problemlos an einem Nachmittag schaffen – doch die vielen kulinarischen Stationen kaum. Die Route aufzuteilen, lohnt sich aber.

Kulturerbe Lesachtaler Brot

Denn beim Wanderniki kann man lernen, wie das typische Lesachtaler Sauerteigbrot gebacken wird. Wirtin Rosa Lanner zeigt ihren Gästen noch mit 83 Jahren mit flinken Händen, wie der Teig richtig geknetet wird und worauf es ankommt, damit das Brot richtig luftig und fluffig wird: „Man muss mit offenen Händen kneten“, verrät sie. Der Teig muss zwei Mal gehen, einmal in der Schüssel und schließlich in den typischen Brotkörben, die mit Küchentüchern abgedeckt werden. Schon nach wenigen Minuten bilden sich dann kleine Risse auf der Oberfläche des Brotes: „Dann muss es sofort in den Ofen“, erklärt die Wirtin.

Das Lesachtaler Brot ist ein Natursauerteigbrot, das zum UNESCO-Kulturerbe ernannt wurde. Wirtin Rosa backt mit über 80 Jahren täglich ...
Das Lesachtaler Brot ist ein Natursauerteigbrot, das zum UNESCO-Kulturerbe ernannt wurde. Wirtin Rosa backt mit über 80 Jahren täglich frisches Brot für ihre Gäste. | Bild: Moll, Mirjam

Nicht ohne Grund wurde das Lesachtaler Brot zum UNESCO-Kulturerbe erklärt. Das traditionell Brot hat eine lange Geschichte, wird seit Jahrzehnten so gebacken. Einst galt das Lesachtal zudem als Tal der hundert Mühlen. Heute sind nur noch wenige erhalten. Das Brot der Mühlen aber ist etwas Besonderes. Das Ergebnis aus Rosas Ofen ebenso: Kaum aus dem Ofen, schneidet sie behände ein paar Scheiben ab, die noch dampfen, als sie frische Butter darauf verteilt und hausgemachten Rohschinken darauf drapiert. Wenn ihre Gäste dann selig „mhmmm“ rufen, ist Rosa zufrieden. Ein duftendes Brot im Wanderrucksack gehen wir unseres Weges.

Rosa Lanner ist seit Jahrzehnten Wirtin, Bäckerin und Köchin – ihre Gäste verköstigt sie auch noch mit über 80 Jahren.
Rosa Lanner ist seit Jahrzehnten Wirtin, Bäckerin und Köchin – ihre Gäste verköstigt sie auch noch mit über 80 Jahren. | Bild: Moll, Mirjam

Frische Heumilch vom Hof

Den Abschluss bildet der Biohof Ederhias, wo Wanderer frische Milchprodukte kosten dürfen. Familie Guist empfängt ihre Gäste vor dem Haus auf einer gemütlichen Holzbank, tischt Milch, Buttermilch, Joghurt und Butter zum Probieren auf. Die Milch wird hier noch mit vollem Fettgehalt verwendet. Dickflüssig und gelblich sieht sie aus, im Geschmack ist sie leicht süßlich und wunderbar cremig. Auch die milde Buttermilch ist etwas Besonderes, ganz mild und fein im Geschmack. Der Joghurt schmeckt so frisch und natürlich, dass es gar nichts mehr dazu braucht.

Beim Biobauernhof Edel-Hias bekommen Wanderer ein frisches Glas Heumilch, je nach Saison auch Butter, Buttermilch und Joghurt – ...
Beim Biobauernhof Edel-Hias bekommen Wanderer ein frisches Glas Heumilch, je nach Saison auch Butter, Buttermilch und Joghurt – alles selbst gemacht am Hof. | Bild: Moll, Mirjam

Die Kühe der Familie leben im Sommer auf der Alm, nur zwei Kühe, die kurz vor dem Kalben stehen, sind am Hof. Auch die Guists haben nebenbei noch Gästezimmer, doch ihr Hauptgeschäft bleiben die Milchkühe. Das Konzept geht auf: Die Traditionen im Lesachtal werden erhalten, Familien geben sie von Generation zu Generation weiter. Und die Schönheit des Tals bleibt.