Liebe Schwimmmeister,

beinahe hätte ich euch als Bademeister angeredet. In bester Absicht freilich, aber doch falsch, wie mir ein Kollege gerade noch rechtzeitig zurief. Schwimmmeister seid ihr und nicht Bademeister und schon dieser verbreitete Namensirrtum zeigt: Die Deutschen und die Kümmerer am Ufer und Beckenrand, das ist ein schwieriges Verhältnis.

Die Schwimmmeister und Rettungswachtler sind dieser Tage besonders gefordert und wohl gar nicht so unglücklich darüber, wenn mal wieder ein kühleres Wochenende ohne tausende Badegäste ansteht. Schwimmchaoten, Abstandsignoranten und rettungsgassen blockierende Parkrüpel machen ihnen sonst das Leben schwer.
Die Schwimmmeister und Rettungswachtler sind dieser Tage besonders gefordert und wohl gar nicht so unglücklich darüber, wenn mal wieder ein kühleres Wochenende ohne tausende Badegäste ansteht. Schwimmchaoten, Abstandsignoranten und rettungsgassen blockierende Parkrüpel machen ihnen sonst das Leben schwer. | Bild: Frank May/dpa

Schwimmmeister finden die Deutschen vor allem im Ausland super. Die amerikanischen Baywatch-Nixen. Oder Italiens Strandwächter in ihrem ferrariroten Salvataggio-Dress. Das hat Stil, Charme, proseccobetüdelte Kegeldamen jubeln: „Na von dem würde ich mich gerne mal retten lassen“, kicher kicher.

Und ihr, die deutschen Gegenstücke? Oft als bräsige Badelatschen-Blockwarte verschrien. Körpergeruch: Hallenbad-Chlor, Figur: war früher mal besser, Laune: war früher auch nicht besser. Was für ein Zerrbild.

Das könnte Sie auch interessieren

Spätestens in der Corona-Krise, mit sich stapelnden Badegästen an Seen, sollte man euch mal den Respekt zukommen lassen, den ihr verdient. Während Gästen bei 35 Grad längst die Sicherungen durchgeschmort sind, müsst ihr ruhig bleiben, beobachten, schlichten und immer öfter auch Leben retten.

Deutschlands Jugend geht unter, erst sterben die Bäder, dann die Nichtschwimmer. Dazu pflügen mittlerweile Schwärme von Stehpaddlern unvorbereitet über den See, sodass man auf sie auch noch achten muss.

Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Euer Job ist also schwieriger geworden und reich wird damit keiner, festangestellte Schwimmmeister nicht und freiwillige DLRG-Rettungswachtler schon gar nicht. Eure Anerkennung? Pöbelnde Badegäste. Naja, nicht nur, man muss nicht immer alles dramatisieren. Aber eben doch Alltag für euch.

Dabei macht ihr einen Job, bei dem man bei Verunfallten durchaus mit Lebensgefahr und dem Tod konfrontiert werden kann, das vergessen viele.

Bei meinen Gesprächen mit Schwimmmeistern höre ich deswegen oft, dass die schönste Anerkennung für sie ist, einfach vernünftig zu sein und darauf zu achten, dass es andere auch sind. Also eigentlich rede ich selten mit Schwimmmeistern, aber es ist eine wunderschöne Politiker-Phrase, „bei meinen Gesprächen mit xy höre ich oft“, das wirkt immer gut, volksnah, verständnisvoll.

Das könnte Sie auch interessieren

Aber um solche Albernheiten soll es hier nicht gehen. Wobei es inhaltlich ja sogar stimmt: Wer euch einen Gefallen tun will, soll sich an und in Becken und Seen einfach anständig verhalten.

Bleibt also wie ihr seid und lasst euch von ein paar Spinnern und Leichtsinnigen nicht vergraulen. Macht Gästen ruhig deutlich, wie wichtig ihr seid und was oft passieren würde, wenn es euch nicht gebe. Wobei vielen Badegästen das durchaus bewusst ist, auch das darf man nicht vergessen. Im Namen von ihnen allen sei hier gesagt: Danke für euren Einsatz.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.