Wenn nicht alles täuscht, dann ist die deutsche Sprache bald um ein Wort ärmer: den Mohren. Da der Begriff häufig als Ausdruck von Rassismus interpretiert wird, wäre es am einfachsten, ihn verschwinden zu lassen – wenigstens aus dem öffentlichen Wortschatz. Im christlichen Bereich wird das jedoch kaum möglich sein: Dunkelhäutige Menschen sind dort Teil der Tradition. Ihr Auftreten und Handeln wird positiv bewertet und mit guten Erzählungen begleitet. Von Diskriminierung also keine Spur.

Erst die Sternsinger, dann die Mohrenbrauerei

Nicht erst die Diskussion um die Mohrenbrauerei in Vorarlberg oder den Mohrenkopf machen das Dilemma deutlich. Zu Beginn des Jahres ziehen die Sternsinger von Haus zu Haus. In immer weniger Gruppen geht ein Kind mit, das sein Gesicht dunkel färbt. Eltern oder Betreuer raten davon ab, ebenso das Kinderhilfswerk, das diese Aktion bundesweit betreut. Ein geschwärztes Gesicht könnte den Verdacht verstärken, dass nicht-weiße Menschen gedemütigt werden sollen.

Dieser Verdacht ist absurd, wie ein Blick auf die Malerei vieler Jahrhunderte zeigt. Der afrikanische König tritt immer auf Augenhöhe mit den anderen Königen auf. Er ist ebenso prächtig gekleidet wie seine Kollegen. Die Theorie, wonach Teint und das Wort einen Menschen mit dunklen Pigmenten abwertet, ist offensichtlich unsinnig. Sie lässt sie an jeder Weihnachtskrippe widerlegen.

Dem Meister von Meßkirch ins Handwerk gepfuscht

Wenn der Begriff Mohr tatsächlich verachtend sein sollte, was wäre dann mit den zahllosen Darstellungen des dritten und schwarzen Königs? Genau genommen müsste man sie dann entfernen und herausschneiden. Oder die Figur nachträglich bleichen. Doch damit würde man in Kunstwerke von größtem Wert eingreifen. Der Meister von Meßkirch beispielsweise stellt seinen dunklen König als jungen schönen Mann dar. Warum sich an ihm vergreifen?

Der Mohr leitet sich vom heiligen Mauritius ab – einem frühchristlichen Heiligen, der im Mittelalter eine große Rolle spielte. Die Mauritius-Rotunde im Konstanzer Münster zeugt bis heute davon. Mauritius wird gerne als dunkler Offizier mit Helm dargestellt. Seine Hautfarbe galt im Mittelalter als exotisch, nicht als minderwertig.

Die Nachgeborenen laden ihre Probleme im Mittelalter ab

Erst 1000 Jahre später wird dieser Darstellung rückwirkend eine böse Absicht unterschoben. Das mag taktisch oder politisch motiviert sein, historisch ist es jedoch falsch. Und es ist unredlich. Den radikalen Rassismus im neuzeitlichen Sinne kannte diese Zeit nicht. Die Rückprojektion moderner Probleme auf das Mittelalter hilft nicht weiter. Sie ist der verkorkste Versuch, heutige Aufgaben in der falschen Epoche abzuladen und Generationen in Haftung zu nehmen, die unsere Probleme nicht hatten.

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