Erst vor einer knappen Woche waren bei einem Felssturz in der Bärenschützklamm bei Graz in der Steiermark drei Menschen ums Leben gekommen. Offenbar waren mehrere Felsstücke aus den Steilwänden herausgebrochen und hatten Wanderer getroffen.

Rettungskräfte arbeiten an der Stelle eines Felssturzes in der Bärenklamm im österreichischen Pernegg. Bei dem Felssturz sind drei Menschen gestorben.
Rettungskräfte arbeiten an der Stelle eines Felssturzes in der Bärenklamm im österreichischen Pernegg. Bei dem Felssturz sind drei Menschen gestorben. | Bild: Heribert Oswald/BERGRETTUNG MIXNITZ/dpa

Am vergangenen Sonntag wurde im salzburgischen Pongau ein vierzehnjähriger Junge von einem Stein erschlagen. 400 Meter über dem Eingang zur Eisriesenhöhle hatte sich ein riesiger Fels gelöst und war in viele Steine zersprungen. Ein 30 Zentimeter großer Brocken traf den irakischen Jungen an der Brust. Er war mit seinen Eltern auf dem Fußweg von der Seilbahnstation zur Schauhöhle unterwegs. Der Weg war zwar großteils durch Steinschlaggalerien geschützt, einige Teile sprangen jedoch darüber hinweg.

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200 Menschen befanden sich zum Unglückszeitpunkt in der Höhle. Bei beiden Unfällen kam es zu weiteren Verletzten. Beide beliebte Ausflugsziele sind jetzt geschlossen, bis die Untersuchung der Ursachen und notwendige weitere Schutzmaßnahmen abgeschlossen sind.

Ein Schild mit der Aufschrift „Klamm gesperrt. Durchgang verboten“ hängt vor einer Unfallstelle in der Bärenklamm, in der es zu einem tödlichen Felssturz kam.
Ein Schild mit der Aufschrift „Klamm gesperrt. Durchgang verboten“ hängt vor einer Unfallstelle in der Bärenklamm, in der es zu einem tödlichen Felssturz kam. | Bild: Erwin Scheriau/APA/dpa

Mehr Besucherverkehr in den Alpen

Waren die beiden Unfälle innerhalb so kurzer Zeit Zufall oder haben sie eine gemeinsame Ursache? Sind sie vielleicht eine Folge des Klimawandels?

Bei Wanderern beliebt: Die Bärenklamm in der Steiermark.
Bei Wanderern beliebt: Die Bärenklamm in der Steiermark. | Bild: Heimo Suznevic, dpa

Der Salzburger Landesgeologe Gerald Valentin untersucht den Unfall in der Eisriesenhöhle und geht davon aus, dass starker Regen an den vorhergehenden Tagen den Fels zum Rutschen gebracht haben dürfte. Der Boden unter dem Felsbrocken sei aufgeweicht gewesen, deshalb habe der Fels dem Druck des Wassers nicht standgehalten, erklärt er.

Das Land Salzburg führt seit Jahrzehnten Buch über fast alle Steinschläge an Landesstraßen. Dort zeichne sich kein Trend zur Zunahme ab, erklärte er. Seiner Ansicht nach spielt die intensivere Nutzung der Alpen und die höhere Frequenz auf Straßen und Wegen eine Rolle dafür, dass in der Bevölkerung häufiger Steinschlag registriert wird. Durch mehr Autos und Wanderer steige auch die Wahrscheinlichkeit bei Steinschlag getroffen zu werden.

Die Eishöhle wurde nach dem tödlichen Unglück bis auf Weiteres geschlossen. In Hochzeiten besuchten sie bis zu 2500 Menschen am Tag.
Die Eishöhle wurde nach dem tödlichen Unglück bis auf Weiteres geschlossen. In Hochzeiten besuchten sie bis zu 2500 Menschen am Tag. | Bild: Barbara Gindl, dpa

Der Leiter des Instituts für alpine Naturgefahren an der Universität für Bodenkultur in Wien Johannes Hübel sieht ebenfalls keinen direkten Zusammenhang mit der Klimaveränderung. „Natürlich können gewisse Faktoren, die mit dem Klimawandel einhergehen, die Auslösebedingungen für den Steinschlag verbessern,“ gibt er zu. Dazu gehörten große Temperaturschwankungen, viel Wasser und Niederschläge in kurzer Zeit, sodass große Spannungen im Gestein entstehen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Felsen lösen, wird höher werden“, meint er. Im Hochgebirge zeichnet sich bereits eine deutliche Kausalität mit dem Klimawandel ab, in tieferen Lagen sei kein Zusammenhang erkennbar.

Eis wirkt wie Klebstoff für Gestein

Ausschlaggebend ist die Permafrostgrenze, die bei etwa 2500 Meter liegt. Ab dieser Grenze ist der Boden dauerhaft gefroren. Eis wirkt wie ein Klebstoff für Gestein, wenn es schmilzt, bröckelt der Fels. Klammen und Felswände sind generell gefährlich.

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In Österreich wird im Hochgebirge bei Bergstationen von Liften und bei Schutzhütten vor Steinschlag gewarnt. Viele Wege sind gesperrt, weil sie wegen Steinschlaggefahr nicht mehr begehbar sind. Aus Sicht der Experten steigt jedoch auch das Sicherheitsbedürfnis der Touristen ständig. Es werde versucht, durch Sprengungen die Riskien solcher Felsstürze zu minimieren und Wege möglichst gefahrenfrei zu halten.

Ein Kamerateam steht vor dem Eingang zur Eisriesenwelt. Nach dem Unglück wurden rund 250 bis 300 Besucher seien ins Tal gebracht
Ein Kamerateam steht vor dem Eingang zur Eisriesenwelt. Nach dem Unglück wurden rund 250 bis 300 Besucher seien ins Tal gebracht | Bild: Franz Neumayr, dpa

In der Eisriesenwelt soll jetzt nach weiteren Gefahrenstellen gesucht werden. Der Bürgermeister der Stadt Werfen fordert ein Schutzkonzept von dem Betreiber der Eishöhle. Zwar würden ständig Felswände geräumt und Steinschlaggalerien und Schutzwände verbessert. Doch es müsse geprüft werden, welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen sinnvoll seien. Eine externe Expertenkommission soll mithilfe von Steinschlagsimulationen ein Gutachten erstellen. Bis dahin bleibt die Schauhöhle für Besucher geschlossen.

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