Dichter, Dichter, kommt herbei – im Bundestag wird ‚ne Stelle frei

Der Deutsche Bundestag im Reichstagsgebäude mit der gläsernen Kuppel.
Der Deutsche Bundestag im Reichstagsgebäude mit der gläsernen Kuppel. | Bild: Michael Kappeler/dpa

Ihr sollt euch machen einen Reim auf das, was hier beschlossen sei. Gut, die Autorin dieser Zeilen rechnet nicht ernsthaft damit, dafür infrage zu kommen.

Gesucht werden echte Poeten, Staatsdichter von Format, wenn es tatsächlich so kommen sollte, wie von der grünen Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt gefordert. Als Vorbild könnte Kanada dienen, dort wurde der Posten des Parlamentspoeten 2001 geschaffen.

Die Poetin oder der Poet schreibt Texte für besondere parlamentarische Veranstaltungen, hält Dichterlesungen ab und berät die Parlamentsbibliothek bei der Anschaffung von Kulturmaterial. Das klingt allerdings nicht ganz so poetisch wie erwartet. Dichter, oh bedenke, auf was du dich da einlässt!

Alles muss, nichts soll. Oder so.

Eine richtig schöne FFP2-Musspflicht, keine Sollpflicht mehr, haben wir jetzt.
Eine richtig schöne FFP2-Musspflicht, keine Sollpflicht mehr, haben wir jetzt. | Bild: Bernd Weißbrod/dpa

Schon bisher sollte man in Baden-Württemberg ja FFP2-Masken tragen, besagte die Verordnung. Gemeint war das aber im Sinne von „man musste“, so erklärte das Land vor Weihnachten. Außer man konnte nicht. Jetzt gibt es eine neue Verordnung. Und jetzt muss man. Also wirklich. Man sollte es auch, aber man muss es ja eh.

Außer im vollbesetzten Bus, da darf man es, soll es aber nicht mal und muss es erst recht nicht. Außer der Bund sagt, dass man muss, sagt das Land – und das solle er ruhig mal. Wobei in Bayern das Land schon lange sagt, dass man muss, im Bus. Beim Söder Markus gibt‘s halt kein Sollen, da gibt‘s nur Müssen.

Na ja, noch da oder tanzen die Aerosole schon Tango vor Ihren Augen? Fazit: Machen Sie doch einfach, was Sie wollen, äh, sollen.

Auch ein Name kann virenverseucht sein.

Muss sich erklären: Kovid Kapoor mit indischer Flagge in einem Stadion.
Muss sich erklären: Kovid Kapoor mit indischer Flagge in einem Stadion. | Bild: Kovid Kapoor/dpa

Der Mann heißt Kovid Kapoor und ist Inder. Wie man sich denken kann, hat er seit Corona ein Problem. Das verschärft sich durch die Tatsache, dass Kapoor Geschäftsmann ist.

Es gibt also viele Leute, die sich nach dem Wie und Warum seines Vornamens erkundigen. Das ist für Kapoor nervig, weil er etwa auf Twitter immer wieder betonen muss, kein Virus zu sein. Aber ihm widerfährt zum Ausgleich auch Spaßiges. Freunde bestellten ihm zum 30. Geburtstag einen Kuchen, und der Konditor schrieb dazu: „Happy Birthday, #covid-30.“ Zur Entschuldigung gab es dann ein Tiramisu mit dem richtig geschriebenen Namen.

Kapoors Eltern haben bei der Namensgebung übrigens nicht an eine Seuche gedacht. Im Sanskrit bedeutet Kovid nämlich Gelehrter.

In einer menschlichen Brust kann auch ein Tierherz schlagen

Diese Ärzte operieren an einem genetisch modifizierten Schweineherzen.
Diese Ärzte operieren an einem genetisch modifizierten Schweineherzen. | Bild: Tom Jemski/University of Maryland School of Medicine/dpa

Rückblickend wird der Tag, an dem David Bennett aus seiner Narkose erwacht ist, womöglich als historisch gelten. Dem 57-Jährigen wurde in einer achtstündigen Operation ein genetisch verändertes Schweineherz implantiert.

Für den US-Amerikaner war das riskante Unterfangen die Rettung vor einem baldigen Tod. Bennett litt zuvor an einer lebensgefährlichen Herzkrankheit, die Transplantation war seine letzte Chance. „Ich weiß, es ist ein Schuss ins Dunkel“, sagte er noch vor dem Eingriff.

Umso größer war die Freude bei seiner Familie und auch den Ärzten, als das ungewöhnliche Spenderherz seine Arbeit aufnahm. Die Methode könnte mittelfristig Abhilfe bei chronisch knappen Spenderorganen schaffen.

Es wird wieder gekärchert in Frankreich

Valérie Pécresse will die Problemviertel der Metropole Paris säubern.
Valérie Pécresse will die Problemviertel der Metropole Paris säubern. | Bild: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/AFP

Und ausgerechnet dem Namensgeber der säubernden Tätigkeit ist das gar nicht recht! Wie das? Valérie Pécresse, konservative französische Präsidentschaftskandidatin, will „den Kärcher rausholen“.

Sie meint damit aber nicht etwa, dass die Terrasse dringend vom Moos befreit werden müsste. Wegfegen will die Politikerin vielmehr Kriminelle aus den Pariser Problemvierteln. Fremdwörter finden selten Eingang in die französische Sprache, aber der Kärcher hat‘s geschafft: „nettoyer au Karcher“, reinigen mit dem Kärcher.

Gar nicht recht ist diese Aneignung dem schwäbischen Reinigungs- und Gartengerätehersteller aus Winnenden. Kärcher verwehrt sich gegen die Verbindung zu Gewalt. Ob das ausreicht? Mal mit dem Kärcher durchgehen, Kärcher?

Niemand steht über dem Gesetz

Prinz Andrew, dem zweitältesten Sohn der Queen, droht ein Prozess.
Prinz Andrew, dem zweitältesten Sohn der Queen, droht ein Prozess. | Bild: Steve Parsons/AFP

Zugegeben, die Erkenntnis ist nicht neu – es ist jedoch beruhigend, sich ihrer immer mal wieder zu versichern. Und gut zu wissen ist es noch dazu, dass weder blaues Blut noch teure Anwälte davor schützen, für Fehler zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Natürlich gilt umgekehrt, dass auch Prominente nicht vorverurteilt werden dürfen. So weit, so gut. Dass ein Richter in New York nun die Anträge von Prinz Andrews Anwälten abgelehnt hat, das Verfahren gegen ihn, in dem es um Missbrauchsvorwürfe geht, zu stoppen, ist richtig und wichtig.

Es geht hier um keine Lappalie. Virginia Roberts Giuffre, die sagt, sie sei als 17-Jährige mehrfach von ihm sexuell missbraucht worden, will, dass er dazu steht – und falls er schuldig ist, dann wäre das wohl das Mindeste.