Was ist das? Ein Aquarell? Und was sehe ich da? Abstrakte Kunst? Bei Gerhard Reuschs Fotografien muss man schon genauer hinsehen. Der Journalist und Fotograf aus Aschaffenburg wirft einen ganz anderen Blick auf Bäume und ihre Rinde. Die Fotos überraschen mit Formen und Farben, die man überhaupt nicht erwarten würde.

Grün, braun und blau: Eine Wiese mit Schneeflecken? Ein See mit Bergen drumherum? Oder einfach ein Spiel von Farben und Formen?
Grün, braun und blau: Eine Wiese mit Schneeflecken? Ein See mit Bergen drumherum? Oder einfach ein Spiel von Farben und Formen? | Bild: Gerhard Reusch

Da gibt es Bilder in Orange- und Ockertönen, andere in Schwarz-Weiß, wieder andere ähneln einem zarten Pastellgemälde. Wieder woanders meint man, eine Figur zu erkennen. Die meisten Bilder entziehen sich aber der Suche nach dem porträtierten Subjekt.

Was fliegt denn da? Ein urtümliches Dinosaurierskelett? Und was ist das Objekt dahinter? Einladung, die Fantasie schweifen zu lassen.
Was fliegt denn da? Ein urtümliches Dinosaurierskelett? Und was ist das Objekt dahinter? Einladung, die Fantasie schweifen zu lassen. | Bild: Gerhard Reusch

„Der botanische Ursprung der Fotos ist nicht zu identizifieren“, sagt Reusch, 72, dessen Bilder schon in großen Sonntagszeitungen zu sehen waren. Man wundert sich, dass es noch keinen Bildband gibt. Um das Jahr 2000 begannen Baumrinden und Altholz mit ihren Strukturen Reusch zu faszinieren.

Ganz in Pastell: Regenbogenfarben und leuchtende Blautöne, die schon fast an Marc Chagall erinnern. Rinde einer toten Kiefer.
Ganz in Pastell: Regenbogenfarben und leuchtende Blautöne, die schon fast an Marc Chagall erinnern. Rinde einer toten Kiefer. | Bild: Gerhard Reusch

In einem Gestrüpp fand er ein verwittertes Stück Holz, dessen Form ihn an einen Paviankopf erinnerte. Er fotografierte, damals noch mit Diafilm. Inzwischen nutzt er eine digitale Spiegelreflexkamera, mit leichtem Weitwinkel und Brennweiten von 50 Millimeter – kein Makro.

Kunst in Schwarz-Weiß: Ein gefrorener See? Um 90 Grad gedreht ergeben sich neue Blickwinkel.
Kunst in Schwarz-Weiß: Ein gefrorener See? Um 90 Grad gedreht ergeben sich neue Blickwinkel. | Bild: Gerhard Reusch

Nachbearbeitet werde so wenig wie möglich: „Manchmal drehe ich vorsichtig an der Farbschraube“, gibt er zu. Ein homogenes Ganzes müsse entstehen, und das Licht ist ihm wichtig.

Geheimnisvolles Fabelwesen mit Speer: Diese Figur ist noch recht leicht zu erkennen. Birkenrinde.
Geheimnisvolles Fabelwesen mit Speer: Diese Figur ist noch recht leicht zu erkennen. Birkenrinde. | Bild: Gerhard Reusch

„Ich möchte, dass die Menschen genau hinschauen und hängenbleiben“, sagt er. Je nachdem, ob man das Bild um 90 oder 180 Grad drehe, entstünden ganz andere Effekte.

Weinrot, zartes Blau und Ocker: Farbstudie aus der Natur. Rinde einer Eibe.
Weinrot, zartes Blau und Ocker: Farbstudie aus der Natur. Rinde einer Eibe. | Bild: Gerhard Reusch

Die Bilder sollen die Fantasie anregen: „Jeder sieht etwas anderes“, so Reusch, der als Vorbilder Maler wie Max Ernst, Emil Nolde und Hans Arp nennt. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, ist ein häufiger Satz seiner Zuschauer. Es ist eine Einladung zum Schönen, die er da bietet.

Blaugrün und ocker: Eine Frau mit großem Hut, die mit einem Huhn schimpft? Rinde einer Platane.
Blaugrün und ocker: Eine Frau mit großem Hut, die mit einem Huhn schimpft? Rinde einer Platane. | Bild: Gerhard Reusch