Lila Blüten, raue, blassgrüne Blätter, die zu Saltimbocca schmecken und als Tee oder Lutschbonbon gegen Halsschmerzen helfen – das war für mich bisher Salbei. Aber zu Besuch bei Frank Fischer (51) in Umkirch bei Freiburg wird schnell klar: Salbei ist bunt und vielseitig, quasi der Weltenbummler unter den Pflanzen.

Der Klassiker: Der Salvia officinalis wird in Deutschland in der Regel als Küchensalbei verkauft und stammt aus dem Mittelmeerraum.
Der Klassiker: Der Salvia officinalis wird in Deutschland in der Regel als Küchensalbei verkauft und stammt aus dem Mittelmeerraum. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

„Von den Alpen bis in die Tropen, von den trockensten Wüsten bis in die sumpfigsten Gegenden dieses Planeten – Salbeiarten gibt es überall auf der Erde – außer in der Antarktis und Australien“, sagt Frank Fischer mit leuchtenden Augen, „deshalb habe ich mich so sehr in diese Gattung verliebt.“

Kam einst vom Mittelmeer: Muskateller-Salbei erinnert optisch an Lupinen aus dem Schwarzwald.
Kam einst vom Mittelmeer: Muskateller-Salbei erinnert optisch an Lupinen aus dem Schwarzwald. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

In seinem 2000 Quadratmeter großen Schaugarten „Franks Salvias“ stehen riesige Muskateller-Salbei-Rispen mit zartrosa Blüten, die an Lupinen im Schwarzwald erinnern. Daneben wachsen buschige Sorten mit dunkellila oder knallroten Blüten, die fein wie Veilchen wirken. Überall summt und brummt es. Hummeln, Wildbienen und die buntesten Schmetterlinge flattern von einer Blüte zur anderen.

Aus Mexiko: „Hot Lips“ heißt diese Ausprägung des Salvia microphylla.
Aus Mexiko: „Hot Lips“ heißt diese Ausprägung des Salvia microphylla. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

An einer sumpfigen Stelle am Teichrand steht ein Strauch, den ich für eine Hortensie halte. „Das ist ein argentinischer Salbei, der Wasser liebt“, sagt der Gärtner, „bald trägt er riesige lila Blüten.“ Auf einem Hügel aus Steinen und Sand entdecke ich auf unserem Rundgang Bodendecker, zwischen Ritzen auf dem Weg winzige Pflänzchen, die man für Unkraut halten könnte – aber auch das ist Salbei.

Kaum zu glauben: Die Blätter des Salvia elegans duften eins zu eins wie eine frische Ananas, deshalb wird die Pflanze aus Mexiko auch ...
Kaum zu glauben: Die Blätter des Salvia elegans duften eins zu eins wie eine frische Ananas, deshalb wird die Pflanze aus Mexiko auch Ananassalbei genannt. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Aber was alle Arten gemein haben: einen betörenden Duft! Alle paar Sekunden streckt mir Frank Fischer ein neues Blatt entgegen, zerreibt es zwischen Daumen und Zeigefinder und lässt mich schnuppern: Faszinierend! Manche haben den typischen Salbei-Geruch, eines riecht ein wenig nach Thymian, ein anderes nach Rosmarin, Zitrone, feinherbem Moschus – oder sogar nach Marzipan. Ich bin verzückt und staune nicht schlecht, als ein großes, spitzes Blatt plötzlich nach Ananas riecht. Frank Fischer grinst und fragt: „Diese Vielfalt ist der Wahnsinn, oder?“

Fischer pflückt eine große Blüte und zerteilt sie vorsichtig, um mir die ganz spezielle Blütenanatomie zu erklären: „Die Blüte zeigt mir, ob es sich um Salbei handelt“, erklärt er. Salvia – so der lateinische Name – seien Lippenblütler. „Während alle anderen Lippenblütler vier Staubbeutel besitzen, hat Salbei zwei“, so Frank Fischer, „darin versteckt sich ein aktives Gelenk, das aufklappt, sobald eine Biene oder ein Kolibri an die süßen Pollen heran möchte.“

Aus Kalifornien: Der Kolibri-Salbei (Salvia spathacea) ist fast verblüht.
Aus Kalifornien: Der Kolibri-Salbei (Salvia spathacea) ist fast verblüht. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Um dieses Detail auch bei den kleinsten Blüten zu erkennen, hat er auf seinen Reisen immer eine Lupe dabei. Weltreisender möchte der im Kaiserstuhl aufgewachsene Gärtner nicht genannt werden. Aber in jungen Jahren ist Frank Fischer viel herumgekommen, hat sich lange in Indien und Kalifornien aufgehalten, Südafrika, Südostasien und ganz Europa bereist.

„Violas Darling“ mit seinen knallvioletten Blüten ist einer der vielen Hybriden des Salvia microphylla. Ursprünglich wächst ...
„Violas Darling“ mit seinen knallvioletten Blüten ist einer der vielen Hybriden des Salvia microphylla. Ursprünglich wächst er in Mexico und im Süden der USA. Der Strauch hat eine lange Blütezeit – quasi den ganzen Sommer durch bis in den Herbst. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

„Mir war es stets wichtig, mich auf Land, Leute und Vegetation einzulassen“, sagt er, „deshalb habe ich auf Bauernhöfen, in botanischen Gärten und in Gärtnereien gejobbt, war oft mehrere Monate vor Ort.“ Einen ganz besonderen Moment erlebte er in Kalifornien: „Ich stand mitten in einem rosa Blütenmeer zwischen Kolibri-Salbei – um mich herum flatterten Hunderte Kolibris und schlürften den süßen Nektar“, sagt er, „das war atemberaubend.“

Der Schopfsalbei ist einjährig und säht sich aus. An sonnigen Standorten gedeiht er gut, denn eigentlich wächst er im Mittelmeerraum bis ...
Der Schopfsalbei ist einjährig und säht sich aus. An sonnigen Standorten gedeiht er gut, denn eigentlich wächst er im Mittelmeerraum bis in den Iran. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Auf Streifzügen durch die Natur seiner Wohnorte auf Zeit entdeckte er immer mehr Pflanzen, begann Sorten aus der ganzen Welt zu sammeln und mit anderen Salbei-Begeisterten zu tauschen. „Irgendwann war meine private Salbeisammlung so groß, dass ich ein Zuhause für mich und meine Pflanzen finden musste“, sagt Fischer. Vor sechs Jahren fand er dieses Fleckchen am Ortsrand von Umkirch.

Dieser sehr seltene Salvia lavandulifolia ssp. vallerea stammt aus Südspanien und lockt mit seinem süßen Duft zahlreiche Hummeln an.
Dieser sehr seltene Salvia lavandulifolia ssp. vallerea stammt aus Südspanien und lockt mit seinem süßen Duft zahlreiche Hummeln an. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Aus dem Stück Brachland hat er einen kunstvollen Garten geschaffen, der heute Salbei-Fans aus der ganzen Welt anlockt. „Auf gewisse Raritäten, die man sonst nur in botanischen Fachbüchern findet, bin ich besonders stolz“, sagt er, „ich biete auch Garten-Workshops, Vorträge und Gruppenführungen an, etwa für Landfrauenvereine.“ Wer Glück hat und aufmerksam ist, kann Blattschneiderbienen, Holzbienen oder Taubenschwänzchen beobachten. Die Blüte ist zwischen April und September.

Frank Fischers ganzer Stolz: Der Salvia russellii aus der Türkei und dem Iran, ist eine der Raritäten, die selbst Salbeiexperten oft nur ...
Frank Fischers ganzer Stolz: Der Salvia russellii aus der Türkei und dem Iran, ist eine der Raritäten, die selbst Salbeiexperten oft nur aus Fachbüchern kennen. Im Schaugarten bei Freiburg gedeiht er prächtig. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Mittlerweile hat er auch die angrenzende Gärtnerei gepachtet. Hyperregional ist dabei das Stichwort. „Jede Pflanze habe ich hier selbst vermehrt, und einige Kreuzungen auch selbst bestäubt und gezüchtet“, sagt er, „bei mir gibt es nur regionale, naturnah angebaute Pflanzen, die tatsächlich Saison haben – keinen Basilikum im März.“

Diese rund einen Meter hohe Staude nennt man Jerusalem-Salbei. Aber Achtung: Hier handelt es sich nicht wirklich um eine Salbeiart.
Diese rund einen Meter hohe Staude nennt man Jerusalem-Salbei. Aber Achtung: Hier handelt es sich nicht wirklich um eine Salbeiart. | Bild: Sira Huwiler-Flamm

Mit der Arbeit in der Gärtnerei sind seine Reisen weniger geworden. „Ich kann natürlich nicht mehr so lange weg“, sagt er, „aber Südafrika und Kalifornien stehen ganz sicher auf meiner Wunschliste.“ Ein Höhepunkt, der unregelmäßig in Kalifornien stattfindet, ist der „Salvia Summit“: „Eine Konferenz, auf der rund 70 Salbei-Experten aus der ganzen Welt zusammenkommen“, strahlt Fischer, „da freue ich mich immer riesig drauf: Endlich wieder fachsimpeln und Pflanzen tauschen, damit mein Garten noch bunter wird!“