Wieso ist Fessenheim so umstritten?

Die beiden 900-Megawatt-Reaktoren in Fessenheim wurden 1977 in Betrieb genommen und sind die ältesten Frankreichs. In dem elsässischen Atomkraftwerk rund 30 Kilometer südwestlich von Freiburg kam es immer wieder zu Störfällen. Zuletzt kam es am Freitag zu einer Schnellabschaltung nach einem Gewitter.

Kritiker verweisen zudem auf das Erdbebenrisiko am Oberrhein, wo die Reaktoren stehen. Nach jahrelangen Protesten von Atomkraftgegnern in Frankreich, Deutschland und der Schweiz wurde Reaktor eins in Fessenheim im Februar abgeschaltet, Block zwei ist nun gefolgt.

Warum hat es so lange gedauert?

Ursprünglich sollte Fessenheim bereits Ende 2016 vom Netz gehen. Doch der damalige französische Präsident François Hollande hielt sein Versprechen nicht ein. Paris begründete dies mit Verzögerungen beim Bau eines neuen Druckwasserreaktors im nordfranzösischen Flamanville.

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Als Signal an die Nachbarländer sagte Hollandes Nachfolger Emmanuel Macron die Abschaltung dann für 2020 zu – zuletzt unabhängig von Flamanville. Denn der neue Reaktor kann wegen Bedenken der französischen Atomaufsicht frühestens Ende 2022 ans Netz gehen. Das frühere Vorzeigeprojekt gilt inzwischen als Debakel.

Wie reagieren die Fessenheim-Kritiker?

Die Bundesregierung und Baden-Württemberg begrüßen die Abschaltung. Von „Erleichterung“ spricht der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Frankreich habe seit Inbetriebnahme des Atomkraftwerks vor 43 Jahren „mit dem Risiko gelebt, eine ganze Region unbewohnbar zu machen“, sagte er AFP. Nun brauche es „eine Perspektive für Europa insgesamt, auf Atomstrom und fossilen Strom zu verzichten“.

Wie argumentieren die Gegner einer Schließung von Fessenheim?

Gewerkschaften und Politiker aus dem Elsass fürchten um hunderte Arbeitsplätze, die direkt und indirekt mit dem Akw zusammenhängen. Auch Präsident Macron preist die Atomkraft als „kohlenstofffreie und günstige Energie“, die den Franzosen europaweit die niedrigsten Strompreise garantiere. Kritiker entgegen, die Milliarden-Kosten für die bisher ungelöste Endlagerung würden dabei ignoriert.

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Wie geht es nach der Abschaltung weiter?

Die französische Atomaufsicht ASN dringt auf einen „möglichst schnellen Rückbau“ des Atomkraftwerks Fessenheim, „um die Risiken zu mindern“. Denn solange die Brennelemente nicht abtransportiert sind, besteht ein Restrisiko. Der Abtransport ist bis Ende 2023 geplant. Das eigentliche Kraftwerk soll dann bis 2040 zurückgebaut werden.

Was passiert danach in Fessenheim?

Auf dem Akw-Gelände soll nach dem Willen von Deutschland und Frankreich ein Modellprojekt entstehen. Im Gespräch waren zuletzt unter anderem eine Solaranlage oder ein Industriepark. Die Gemeinde Fessenheim bedauert, dass es „keine kurzfristige Perspektive für die Arbeitsplätze gibt“.

(AFP)

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