Die Deutschen, so kann man lesen, sparen in der Corona-Krise immer mehr. Wie und auf welche Weise soll man derzeit auch bitte Geld ausgeben? Außer Supermarkt is‘ ja nix. An der Kasse mit beschlagener Brille die falsche Geheimnummer eingeben, ist jetzt nicht so der Brüller.

In Urlaub fahren kann man nicht, ins Theater oder Konzert gehen auch nicht, Schlitten fahren ist schon halb illegal und essen gehen ist auch nicht erlaubt. Alles, was Spaß macht, ist verboten. Seufz.

Mal wieder: Essen holen

Das Einzige, was noch bleibt, ist Essen holen vom Lieblings-Restaurant. Idealerweise hat man mehrere zur Auswahl, dann spart man sich die Kocherei im Homeoffice zumindest ein paar Mal in der Woche.

Schmerzlich vermisst: Essen gehen im Restaurant.
Schmerzlich vermisst: Essen gehen im Restaurant. | Bild: Drazen - stock.adobe.com

Viele sind in den letzten Monaten zu Meistern rasanter Essenstransporte und des zügigen Anrichtens zu Hause geworden. Die Logistik ist ausgefeilt, aber störanfällig. Wie weit ist das Lokal weg? Schaffe ich es denn, zu Hause anzukommen, ohne dass der Hauptgang erst mal eine Stunde in den Ofen muss? Und wenn nein, bei wie viel Grad?

Schneller, der Hummer wird kalt!

Während man früher bei korrekter Fahrweise (sprich: im Ort nicht schneller als 50) beim Blick in den Rückspiegel eher kleine Pizza-Flitzer sah, denen es nicht schnell genug ging, kleben einem heute auch repräsentative Limousinen am Kofferraum. Fahr zu, da vorne, unser Hummer wird kalt! Ich kann aber nicht schneller um den Kreisel, die Suppe schwappt sonst über! Alles schon erlebt.

Die Ökos kommen mit eigenen Glasboxen und großen Wäschekörben, die Unbedarften nehmen alles in Alu- und Styropor-Schalen in Plastiktüten mit und hauen die Schweinerei anschließend in den Gelben Sack.

„Schon leer?“ Fühle mich ertappt...

Umweltbewegte Gastronomen überraschen neuerdings mit Mehrweg-Geschirr, auf dessen Schüsselboden steht: „Schon leer?“ oder „Lecker! Pappsatt.“ Man kommt sich ein bisschen ertappt vor.

Schick: Mehrweg-Geschirr der Schweizer Firma Recircle. Es gibt auch andere Systeme, etwa Rebowl. Man leiht das Geschirr gegen Pfand aus und erspart der Umwelt so jede Menge Müll.
Schick: Mehrweg-Geschirr der Schweizer Firma Recircle. Es gibt auch andere Systeme, etwa Rebowl. Man leiht das Geschirr gegen Pfand aus und erspart der Umwelt so jede Menge Müll. | Bild: Schierle, Beate

Zu Hause dann das Drama: Wie bekomme ich als Mikrowellen-Verächter das Essen erstens wieder warm, und zweitens so angerichtet, dass es nicht so aussieht, als hätte man einen extrem schlechten Tag in der Kantine erwischt? Drei Berge nebeneinander, zack. Einfach draufklatschen und halbkalt, das ist ja auch nicht gerade schön.

Feen und Zauberer

Jetzt wird einem klar, was die Feen und Zauberer im Lieblingslokal bisher alles für einen getan haben: Nicht nur wunderbar gekocht, sondern auch noch alles schön auf vorgewärmten Tellern angerichtet und mit einem Lächeln serviert.

Dabei auch im Blick behalten, wann die hungrige Familien-Meute oder das verliebte Pärchen von der Vorspeise zum Hauptgang übergehen möchte, ob noch jemand Dessert will, und freundlich-unaufdringlich parat gestanden, wenn eine Wasserflasche leer war oder noch ein Viertel Rotwein nachgeordert
wurde.

Erlesene Gesellschaft

All das werden wir noch lange vermissen, liebe Leserinnen und Leser. Nur eine Sache gibt es, die im Home-Restaurant eindeutig angenehmer ist als im Restaurant: die Gesellschaft an den umliegenden Tischen. Nicht immer sind die Menschen an den Nebentischen ähnlich sozialisiert.

Nicht jedes Pärchen hört beim abendlichen Dinner gern Tischgespräche vom Nebentisch, deren Themen einen a) nicht im Geringsten interessieren und b) dafür mit umso größerer Lautstärke vorgetragen werden.

„Unbedingt kaufen!“

Was da alles diskutiert wird: Ehestreitigkeiten, die berufliche Entwicklung, die Situation an den Finanzmärkten („Franz hat gesagt: Unbedingt kaufen!“) und gern auch diverse Krankheiten. Man möchte kein Doktor sein.

Auch schön ist, wenn im Sommer draußen gerade der eigene Hauptgang serviert wird und am Nebentisch irgendein Wichtig eine Zigarre ansteckt, die das gesamte Freiluft-Restaurant verpestet. Nein, das muss man in der aktuellen Situation nicht vermissen.

Gemeinsam ist‘s oft lustig

Okay, es gibt auch immer wieder unterhaltsame Erlebnisse. Gemeinsames Fußball-Gucken, eine richtig gute Rede bei einer Familienfeier oder der „Wurstsalat-Effekt“. Den kennen Sie nicht? Bestellt einer in der Kneipe einen Wurstsalat, schauen alle hungrig auf seinen Teller, und dann gehen die Folgebestellungen los. „Hier auch noch einen!“

Unvergessen auch: der Beatles-Chor. Wir sitzen nett im „Hirschen“ in Schwörstadt bei Bier und Wurstsalat (siehe oben) und im Radio läuft „Yellow Submarine“ von den Beatles. Moment, da summt doch einer! Und plötzlich singen alle aus voller Kehle: „We all live in a yellow Submarine“. War das schön! So etwas fehlt in Corona-Zeiten extrem.

Es ist viel zu ruhig!

Nun sitzt einem der Gatte beim Essen freundlich gegenüber, idealerweise liegt nebenan die Katze in ihrem Körbchen und schläft, die Musik ist nach Wunsch, und das dilettantische Anrichten des Essens und die schräge Tisch-Deko müssen einfach hingenommen werden. Ansonsten: himmlische Ruhe. Fast ein bisschen zu ruhig.

Was uns Corona also lehrt: Ein großartiges, heißes und appetitlich angerichtetes Essen, idealerweise mit netten Nachbarn am Nebentisch, das bleibt auch in Zukunft unserem Lieblingslokal vorbehalten.

Denn das alles zusammen, das kriegen wir nicht auf die Reihe. Wir warten schon sehnlichst, bis die Lokale wieder öffnen. Und drücken auch ein Auge zu bei den Tischnachbarn. Ehrlich.