„Man muss ein bisschen sterben, bevor man leben kann. Es bricht das Eis in Scherben, dann bricht der Frühling an.“ Siegfried Rauch hat dieses Lied geliebt – und er wollte immer noch eine Platte machen. Mit eigenen Liedern und Texten wie diesem. Jetzt ist der Frühling angebrochen – und Siegfried Rauch gestorben. Plötzlich und unerwartet.

Der Schauspieler ist nach Angaben seines Managers Michael Jodl am Sonntag im Alter von 85 Jahren an Herzversagen gestorben. Das habe die Obduktion des Leichnams ergeben. Rauch sei am Sonntag in seinem Wohnort Obersöchering südlich von München zusammengesackt und anschließend eine Treppe hinabgefallen. Der Sturz sei nicht todesursächlich gewesen. Der Schauspieler hatte am Abend die Feuerwehr in seinem Heimatort besucht, wie Bürgermeister Rainald Huber sagte. Beim Verlassen der Wache sei er die Treppe hinabgefallen. Sein Tod ist unbegreiflich für alle, denn Siegfried Rauch sprühte vor Elan und Lebenslust – und die 85 sah man ihm gewiss nicht an. Über Siegfried Rauch zu schreiben, ist schwer. Ja, Siegfried Rauch war der Kapitän des Traumschiffes in der ZDF-Serie. Ja, er spielte auch beim „Bergdoktor“ mit. Und der Vater in „Ich heirate eine Familie“ an der Seite von Maria Schell. Doch Siegfried Rauch war so viel mehr. Ein grandioser Schauspieler, ein talentierter Sänger, Maler, Geschichtenerzähler. Schauspielerin Heide Keller (78), langjährige Chefhostess Beatrice auf dem „Traumschiff“, behält die Zeit mit ihrem Kollegen Siegfried Rauch nach dessen Tod in bester Erinnerung. „Er war ein Kapitän, bei dem jeder Passagier, der Angst vor Wind und Wellen hat, sagt: Bei dem Mann gehe ich an Bord. Der weiß, was er zu tun hat“, sagte Keller. „Er hat dem „Traumschiff“ Glanz und Quote verliehen.“ Die Nachricht von seinem Tod habe sie „umgehauen“.

 

 

 

Wenn Siegfried Rauch über sein Leben sprach, klang das meist pragmatisch: Als er sein Studium der Architektur in München abbrechen wollte, hielt ihn das gute und günstige Mensaessen an der Uni, erzählte er kurz vor seinem 85. Geburtstag. Also studierte er einfach etwas anderes und kam so über Umwege zur Schauspielerei. Nicht zuletzt die 14 Jahre auf der Kommandobrücke des ZDF-„Traumschiffs“ machten ihn dann zu einem der beliebtesten deutschen Schauspieler. Mit dem Hollywoodfilm „Le Mans“ hatte er 1971 seinen internationalen Durchbruch. Doch statt auf den Kinoleinwänden war Rauch immer öfter im Fernsehen zu sehen. So jagte er etwa in der Familienserie „Es muss nicht immer Kaviar sein“ ab 1977 als Spion Thomas Lieven über den Fernsehschirm. Im einem seiner letzten Interviews mit dieser Redaktion vor wenigen Wochen erzählte Rauch auch von seiner Frau Karin. Karin, die Frau seines Lebens, die das Familienleben mit den beiden Söhnen und seine Karriere auch in den Phasen längerer drehbedingter Trennungen zusammenhielt. „Ein Teufelsweib. Immer noch so sexy“, schwärmte Rauch.

Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek und ihr Kollege Siegfried Rauch während ihrer Theatertournee quer durch Deutschland und Österreich 1985.
Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek und ihr Kollege Siegfried Rauch während ihrer Theatertournee quer durch Deutschland und Österreich 1985. | Bild: dpa

Bis ins hohe Alter stand er noch als Dr. Roman Melchinger in „Der Bergdoktor“ vor der Kamera, 2015 veröffentlichte er ein Album mit Liebesliedern und gab noch einige kleine Konzerte. Die Rolle des „Traumschiff“-Kapitäns Jakob Paulsen hat das Leben des Bayern besonders geprägt und wohl auch am besten zu ihm gepasst. Kapitän Paulsen hatte eigentlich nie schlechte Laune, unfreundlich war er auch nie, hilfsbereit und herzlich dagegen immer. Dass die Rolle des Kapitäns auf dem „Traumschiff MS Deutschland“ bei seinem deutschen Publikum am stärksten nachhallt, war für Rauch immer nachvollziehbar. „Das war ja auch eine tolle Rolle! Und ich wollte als Kind schon Kapitän werden, da ging also buchstäblich ein Traum in Erfüllung!“ Nun ist der Kapitän von Bord gegangen. Was bleibt, ist Siegfried Rauch als Kapitän der Herzen.

Verzicht auf Hollywood

1971 spielte Siegfried Rauch im Klassiker „Le Mans“ an der Seite seines guten Freundes Steve McQueen den Rennfahrer Erich Stahler. Der Sprung nach Hollywood wäre möglich gewesen, doch die bayerische Heimat war Rauch wichtiger als das große Geld in Amerika. „Wenn ich arbeite, muss ich glücklich sein, und das kann ich nur in meinem Bauernhaus in Bayern und mit meiner Familie“, sagte er einmal in einem Interview.