Mit einem Hammer und einem Messer hatte der Mann am 18. September 2018 seine Ex-Frau in einer Flüchtlingsunterkunft in Berg bei Ravensburg lebensgefährlich verletzt. Richter Stefan Maier zum Motiv: „Die Tat erweist sich als Bestrafungsaktion der untreuen Ehefrau. Da ging es nicht um Ehre“.

Schon am ersten Prozesstag hatte der Angeklagte die Tat gestanden. „Ja der Vorwurf stimmt“, übersetzte die Dolmetscherin. Und dann der Nachsatz: „Hätte man mir die Kinder nicht weggenommen, wäre das nicht passiert.“ Entscheidend für die Gewalttat – so das Gericht – sei jedoch gewesen, dass sich die Frau und vierfache Mutter 2015 nach der Ankunft in Deutschland einem Landsmann zuwandte und auch nichts mehr von ihrem Mann wissen wollte, als der 2017 im Rahmen der Familienzusammenführung nachkam. Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl hatte in seinem Plädoyer von der Eifersucht und dem Besitzdenken des Angeklagten gesprochen und elf Jahre und sechs Monate Haft für die brutale Attacke auf die wehrlose Frau gefordert.

Pflichtverteidiger Richard Glaubach bezeichnete seinen Mandanten als einen in der Denkweise seiner Heimat verhafteten Menschen, der von den Entscheidungen deutscher Behörden im Sorgerechtsstreit überfordert gewesen sei. Die Flüchtlingsbetreuerin der Gemeinde berichtete, man habe bei ihm „wie gegen eine Wand geredet“.

Unklar blieb, welchen Einfluss Verwandte in der Heimat auf den Angeklagten hatten. Er, der weder lesen noch schreiben kann und kein Deutsch versteht, sagte einmal, er sei vom Bruder zu der Gewalttat angestachelt worden. „Du hast keine Ehre mehr. Die hat dir die Frau weggenommen“, soll der am Telefon gesagt und ihm empfohlen haben, seine Ex-Frau umzubringen. In Syrien würde das mit sechs Monaten Haft bestraft.