Dorothee Bär weiß genau, wie man sich auch abseits beruflicher Erfolge oder Misserfolge in den Schlagzeilen platziert. Deshalb – so viel Berechnung darf man der 40-Jährigen wohl unterstellen – trägt sie so gern auffällige Outfits.

Mal ist es die knallige Farbe einer ansonsten schlichten Kombination aus Hose und Bluse, die sie aus der Masse heraushebt, mal ist es der vielleicht provokative Aufdruck auf dem T-Shirt, mal die Kürze des Rocks. An Fasnacht zeigt sie sich auch gern mal jenseits von Gut und Böse – so wie 2017 als böse Fee Maleficent, die auf der Kinoleinwand von Angelina Jolie verkörpert wurde.

Dirndl auf Berlinerisch

Nun tauchte die Digitalstaatsministerin im Dienste der CSU bei der Gala zum Deutschen Computerspielpreis in einem mit Gürtelschnallen besetzten Latex-Outfit auf – bestehend aus einem hellblau-rosa Rock, designt von der Österreicherin Marina Hoermanseder, und einem pinken Oberteil. Es sei die „Berliner Variante für das Dirndl“, so Bär.

Die modische Entscheidung („Mega-Outfit“, lobt Model Franziska Knuppe) sorgt unabhängig davon, dass Bär es durchaus tragen kann und es wunderbar zum bunten Anlass passt, nach wie vor für Diskussionen. Darf eine Politikerin sich so sexy zeigen? Ja – und nein.

Rockstars dürfen alles

Wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist das Thema Kleiderwahl elementar. Für einen Rockstar mag es ja vielleicht okay sein, wenn er mit zerrissenen Jeans und fleckigem T-Shirt vor einer Kneipe fotografiert wird – und bei einem Reality-TV-Sternchen ist das tiefe De­kolle­té auf dem roten Teppich quasi Berufskleidung. In der Unterhaltungsbranche sind die Grenzen zwischen Job und Privatleben fließend, allzu hoch sind die Mode-Ansprüche oft nicht.

Wer eine offizielle Funktion hat, braucht Fingerspitzengefühl – je hochrangiger, desto mehr. Bär, katholische Mutter von drei Kindern, lässt das manchmal vermissen. Für ihre Wähler hat sie das Latex-Outfit kaum getragen – sie testet wohl eher aus, wie weit sie gehen kann, und übersieht dabei, dass das schulterfreie Oberteil den Bikiniabdruck vom letzten Sonnenbad zeigt.

Die Modepolizei sieht alles

Ein wenig darf Bär einem leid tun. Denn wir leben zwar im Jahr 2019, aber es ist immer noch so: Wenn eine Frau zeigt, was sie hat, kommt die Modepolizei. Bei Männern ist das Phänomen selten – wohl deshalb, weil ihnen Bärs Mut fehlt. Den muss man ihr anrechnen, aber dennoch wird von Politikern zu Recht seriöses Auftreten erwartet.

Egal, ob ein Minister sein Kind in die Schule bringt oder eine Ministerin über den roten Teppich spaziert: Löchrige Jogginghose oder bauchfreies Top – nein, danke. Man mag einwenden, dass es ja wohl drauf ankommt, ob jemand privat oder dienstlich unterwegs ist. Aber: Nein, das tut es nicht.

Definitiv ein Hingucker: Angela Merkel 2008 vor der Eröffnung der Nationaloper in Oslo (mit dem damaligen norwegischen Premierminister Jens Stoltenberg).
Definitiv ein Hingucker: Angela Merkel 2008 vor der Eröffnung der Nationaloper in Oslo (mit dem damaligen norwegischen Premierminister Jens Stoltenberg). | Bild: Björn Igurdson / dpa

Angela Merkel bleibt Kanzlerin, auch wenn sie privat zu den Bayreuther Festspielen fährt. Wer erinnert sich nicht an die Aufregung um ihr durchaus beeindruckendes De­kolle­té bei der Eröffnung der Nationaloper in Oslo? Augen auf bei der Berufswahl, sollte man da wohl raten.