Konstanz/ Stuttgart - Seit zwei Wochen beobacht man, was sonst im Sommer zu sehen ist: Eis wird im Flanieren geschleckt, Grillgeruch zieht über Schrebergärnten auf und Gesichter werden zur Sonne gestreckt. Und das im März. Ist das normal? War der März sonst nicht kälter? Sind die hohen Temperaturen Beweis für den Klimawandel?

Normal sind die Temperaturen jedenfalls nicht, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). Der diesjährige März erreichte seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 die höchste Mitteltemperatur mit 7,2 Grad Celsius. Damit ist er der wärmste Märzmonat nach 1938 und 1989 mit jeweils 7,0 Grad Celsius. Der Frühlingsmonat lag um etwa 3,7 Grad über der international gültigen Referenzperiode. Konstanz erreichte sogar einen Mittelwert von 8,7 Grad Celsius. In Villingen-Schwenningen betrug er 6,2 Grad Celsius.

Auch die Sonnenscheindauer lag im März bei 148 Stunden in Deutschland. Der Sollwert beträgt 111 Stunden. Im südlichen Baden-Württemberg verzeichnete der DWD satte 200 Sonnenstunden. Allerdings lagen die Niederschlagswerte des Südwesten 20 Prozent unter dem Soll, wie die Höhe des Bodensees zeigt. Seit einer Woche ist der Wassersspiegel um knappe 20 Zentimeter gefallen. In Deutschland wurde der Sollwert jedoch mit rund 57 Litern pro Quadratmeter erreicht. Auch Schnee liegt nicht mehr viel. Selbst auf dem Feldberg liegen nur noch kleine Schneestellen, denen auch keine Schneemaschine mehr zur Piste verhelfen kann.

Angst vor einem plötzlichen Klimawandel muss man aber keine haben. Klaus Riedel, Meteorologe des Deutschen Wetterdiensts in Stuttgart, mahnt vor verfrühten Klimawandel-Prognosen. „Der diesjährige Märzmonat sticht trotz den hohen Temperaturen nicht bedeutend heraus. Die Mittelwerte sind nur knapp übertroffen worden“, so Riedel. „Wetterwechsel sind in den Monaten März und April normal. Warme Luft aus dem Süden versucht nach Norden zu kommen, und kalte Nordluft nach Süden. Diese Ausgleichsbewegungen führen zu kurzfristigen Extremen.“ In Höhenlagen könnte laut Riedel ab 400 Höhenmeter im April auch wieder kurzzeitig Schnee fallen.

Auf der Insel Mainau, die bekannt ist für ihre Pflanzenpracht, ist das Wetter ebenfalls deutlich spürbar. „Die Vegetation auf der Insel ist zwei Wochen weiter als in manchem Vorjahr“, sagt der Gartendirektor der Insel, Markus Zeiler. „Hierbei hat es allerdings immer wieder Variationen gegeben. Auffallend ist die geringe Niederschlagsmenge der letzten Monate.“

Über das Osterwetter kann auch der Meteorologe Klaus Riedel bisher nur mutmaßen. Allerdings geht er davon aus, dass auch die Karwoche freundlich wird.

Der März kann auch kalt

Der kälteste Märzmonat in Konstanz war 1971. Die Temperatur betrug damals im Schnitt 1,1 Grad Celsius. Dieses Jahr liegt der Schnitt bei 8,7 Grad Celsius. (avo)