Welche Gewalt die Natur entfalten kann und welche Gefahr dabei entsteht, mussten die Bewohner des Bondasca-Tals im Schweizer Kanton Graubünden Mitte der Woche feststellen. Durch einen Bergsturz wurden riesige Massen Gestein und Schlamm in das Tal getrieben und haben große Verwüstungen angerichtet – acht Personen werden seit dem Bergsturz vermisst.

Erdrutschgefahr: Dass nicht mehr Menschen einer unmittelbaren Gefahr ausgesetzt waren, ist wohl einem Warnsystem zu verdanken, das die Bewohner des nahegelegenen Dorfs Bondo rechtzeitig über eine mögliche Schlamm- und Gerölllawine, ein sogenannter Murgang, informierte. Seit Anfang 2013 ist dort ein Murgang-Warnsystem installiert, sagt Christop Graf von der  Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) . Mit Radarsensoren und Drahtseilen messe das System die Gewässerpegel am Berg. Steigen die Pegel stark an, schlägt das System Alarm. Entlang der Durchfahrtsstraße in Bondo und "an neuralgischen Stellen" im Dorf sind laut dem Unternehmen Geopraevent Ampeln angebracht, die per Lichtsignal vor einem möglichen Murgang warnen. Das Unternehmen hat da s Warnsystem in Bondo installiert. "Zudem werden die mobilen Einsatzkräfte durch das Warnsystem alarm iert", sagt Graf, der sich bei der WSL als Geomorphologe speziell mit Murgängen beschäftigt. Polizei und Feuerwehr seien dann für die Warnung der Bevölkerung zuständig.

Eine Sirene beinhalte das Murgang-Warnsystem in Bondo seines Wissens nach nicht. Doch Graf sagt auch: "Wenn ein Murgang droht, hört und spürt man das." Das Warnsystem in Bondo sei infolge eines ähnlich großen Bergsturzes im Jahr 2011 wie nun der Ende August beschlossen worden. Eine zentrale Stelle zur Überprüfung und Zertifizierung von Murgang-Warnsystemen in der Schweiz gebe es nicht. "So weit sind wir noch nicht", sagt Graf. Die Verbreitung der Systeme sei noch sehr gering und die Gemeinden, die ein solches Warnsystem installieren möchten, tauschten sich meist untereinander aus.

Unwettergefahr: Auslöser für Bergstürze wie nun in Graubünden sind oft Starkregen und Schmelzwasser, die Schlamm- und Geröllmassen in Bewegung setzen. Doch auch die unmittelbare Wirkung von Starkregen sowie Blitzeinschläge infolge von Gewitter können Menschen in den Bergen gefährlich werden. Der Blick in die nationalen Wetterdienste ist deshalb unerlässlich, genauso wie sich über deren Smartphone-Apps im Gelände vor Unwetter warnen zu lassen. Doch da in den Bergen oftmals nur unzureichender Mobilfunkempfang vorherrscht, hilft nur, sich rechtzeitig zu erkundigen und bei potentiell gefährlichen Wetterlagen, die Berge zu meiden.

Lawinengefahr: Auch im Winter, wenn die Wassermassen in den Bergen gefroren sind, droht durch sie Gefahr. Lawinen treten im Winter regelmäßig auf und bergen eine ebenso große Gefahr wie Erdrutsche. Auch hier wird für Warnsysteme auf Radarsensoren, Kameras und Bewegungssensoren zurückgegriffen, die eventuell gefährliche Schneebewegungen an Warnsysteme an bewohnten Gebieten und auch Wintersportgebiete melden.