Ferienzeit ist Badezeit – zumindest, wenn das Wetter mitspielt. Jedes Jahr kommen spätestens zu Beginn der Freibadsaison gefühlte Wahrheiten und viele Ratschläge zum Thema Baden auf. Aber was davon stimmt wirklich?

Ist es gefährlich, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen?

Teilweise. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) rät in ihren Baderegeln, nicht mit vollem Magen baden zu gehen. Grund dafür ist, dass der Körper Energie zum Verdauen benötigt. Notfälle, die durch Baden mit vollem Magen entstanden sind, lassen sich jedoch nicht nachweisen. Als noch gefährlicher gilt allerdings ein ganz leerer Magen. Damit fehlt dem Körper erst recht die nötige Energie, die er braucht, um sich über Wasser zu halten. Laut DLRG führt Baden mit leerem Magen regelmäßig zu Notarzteinsätzen.

Ist es im Bad besonders sauber, wenn es stark nach Chlor riecht, da die Chemikalie Keime abtötet?

Nein. Chlor dient tatsächlich dazu, Krankheitserreger sicher und schnell abzutöten. Freies Chlor riecht laut Umweltbundesamt aber kaum. Der typische Geruch entsteht erst, wenn Chlor sich mit einem anderen Stoff verbindet: Harnstoff. Erst aus Chlor plus Harnstoff wird eine Chlorverbindung mit dem beißenden Geruch. Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt, bringt es auf den Punkt: „Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde.“ Er rechnet vor: „Wenn circa 40 Leute nicht duschen, ist das so, als wenn einer ins Becken pinkelt.“ Ein Teil des Harnstoffs im Wasser stammt tatsächlich aus Urin. Eine nicht zu vernachlässigende Menge kommt aber nicht aus der Blase, sondern von der Körperoberfläche: Harnstoff ist ein natürlicher Bestandteil gesunder Haut.

Riskiert man einen Herzschlag, wenn man stark erhitzt ins kalte Wasser springt?

Ja, dieser kann drohen. Deswegen sollte man sich zur Sicherheit immer erst abduschen, bevor man ins Wasser geht. Aus hygienischen Gründen sollte das ohnehin selbstverständlich sein.

Rudern Ertrinkende wild mit den Armen und schreien?

Nein. „Das ist wirklich ein Mythos. Ein Ertrinken, wie man es aus Hollywoodfilmen kennt, gibt es nicht“, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese. Wer ertrinkt, wird in der Regel vorher bewusstlos. Dabei gerät häufig der Kopf unter Wasser und die Stimmbänder verkrampfen sich. Der Bewusstlose bekommt keine Luft mehr, sodass die eigentliche Todesursache Ersticken und nicht Ertrinken ist. Alternativ kann Wasser in die Lunge gelangen, was auch zum Tode führen kann. Aber: „Beides passiert leise“, so der DLRG-Sprecher.

Gibt es die meisten Todesfälle durch Ertrinken im Meer?

Nein. In Seen, Teichen oder Flüssen kommen in Deutschland deutlich mehr Menschen ums Leben als im offenen Meer – im vergangenen Jahr waren es fast 16-mal so viele. Während 2018 laut der Ertrinkungsstatistik 233 Menschen in Seen und Teichen und 161 in Flüssen starben, waren es im Meer gerade einmal 25.

Kann man im Wasser Sonnenbrand bekommen?

Ja. Ein Teil der UV-Strahlen dringt in das Wasser ein. Zudem: Der Kopf etwa bleibe die meiste Zeit über der Wasseroberfläche, sagt DLRG-Sprecher Wiese. Auch medizinische Institute wie der britische National Health Service (NHS) warnen vor der gefährlichen Kombination von Sonne und Wasser: Durch die kühlende Wirkung des Wassers merke man oft gar nicht, wenn die Haut verbrenne. Außerdem reflektiere das Wasser auch UV-Strahlen, was sie für die Körperstellen außerhalb des Wassers noch gefährlicher mache.

Können viele Menschen in Deutschland nicht schwimmen?

Stimmt teilweise. Seit Jahren warnt die DLRG davor, dass sich durch die Schließung von Schwimmbädern Deutschland zum „Land der Nichtschwimmer“ entwickeln könnte. Die letzten beiden Forsa-Umfragen aus den Jahren 2010 und 2017 zeigen jedoch: Zumindest der Anteil der Nichtschwimmer hat sich nicht vergrößert. Während sich 2010 rund zehn Prozent der Befragten ab 14 Jahren als Nichtschwimmer einstuften, waren es 2017 nur noch drei Prozent. Bei den Kindern sieht die Bilanz etwas negativer aus: Der Anteil an Kindern von sechs bis zehn Jahren, die als Nichtschwimmer eingestuft wurden, blieb konstant bei zehn Prozent. Der Anteil der unsicheren Schwimmer stieg bei den Kindern leicht auf ein knappes Drittel (31 Prozent).

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