Vor ein paar Wochen war ich mal im Kino. An den Film erinnere ich mich nicht so genau, aber an das, was zuvor geschah. Offenbar hat sich was im Kinogänger-Verhalten geändert. Die Leute haben alle schrecklichen Hunger. Sie gehen nicht vor oder nach dem Film schön essen und reden dann ausgiebig über den Film. Nein. Sie speisen im Kino.

Schatten ihrer selbst

Ein Großteil der Besucher hat offenbar wochenlang nichts gegessen. Es sind Schatten ihrer selbst, die sich an den Wochenenden in deutsche Kinos schleppen, und mit letzter Kraft Junkfood in sich reinschaufeln, als gäbe es kein Morgen.

Wie auf dem Jahrmarkt

An der Getränkebar holten sich die Leute große Becher mit Cola oder Sprite, – ein halber Liter war die kleinste Größe – , dazu kamen große Eimer mit Nachos und Popcorn. Es roch wie auf dem Jahrmarkt. Mein Mann und ich verzichteten, da wir uns als Retro-Kinogänger allenfalls eine Schachtel Eiskonfekt teilen.

Aber wir tranken zuvor eine Bionade – das Highlight des Getränkeangebots. Ich weiß es wohl, die Kinobetreiber brauchen die Einnahmen aus Essen und Getränken, weil sie nur so Gewinn machen. Schon klar. Aber Leute mit feinen Nasen müssen da schon richtig, richtig tapfer sein.

Fußballgroße Eimer

Im Kino begannen dann erst mal die Vorfilme. Vorschauen, Werbefilme und die Bitte, den Hauptfilm doch bitte nicht mitzuschneiden und ins Internet zu stellen. Und, auch interessant: Man möge doch seinen Müll wieder mitnehmen. Was das sollte, erfuhr ich dann später.

Auf allen Sitzen wurde fleißig gemampft und getrunken. Am besten waren die Essgeräusche der Leute, die Popcorn und Nachos dabei hatten, plus die zugehörigen Gerüche. Ich hoffte, dass die Vorräte bis zum Hauptfilm erschöpft seien. Waren sie aber nicht. In die Popcorn-Eimer hätte ein Fußball locker reingepasst.

Beim Liebeskuss ein lautes „Krmpf“

Im Hauptfilm gab es dann irgendwann eine Szene, in der der Held endlich die Heldin kriegt. Die beiden küssen sich und dann: Krach! Krmpf, krmpf, krmpf, krmpf. Man hätte sich aufregen können, das hätte die Stimmung aber auch nicht verbessert. Es gibt also Leute, die herzzerreißenden Szenen im Kino, wenn Menschen sich finden, gleichmütig bis gefräßig gegenüber stehen. Gib mir doch mal den Eimer rüber.

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Ganz offenbar hat aber die Nahrungsaufnahme auch mit dem Inhalt des Filmes zu tun. Ist er sozusagen Nebenschauplatz und der Kino-Abend Randaspekt des Wochenendes, wird auch mehr gegessen.

Will man aber keine Minute verpassen, schrumpft der Hunger. In der ersten Nachmittagsvorstellung zum Filmstart von „Bohemian Rhapsody“ saßen zwölf aufrechte Queen-Fans, die gesittet ihre Biere tranken und sich sichtlich freuten, als bei „We will rock you“ die Wände bebten.

Action-Filme sind am besten

Eigentlich spricht das Ganze dafür, im Kino bevorzugt Action-Filme anzuschauen. Denn da ist auf der Leinwand immer ein derartiger Krach durch explodierende Autos und regen Schusswaffengebrauch, dass die Fressgeräusche der Sitz-Nachbarn gar nicht auffallen.

Plus die Kommentare. Manche gehen offenbar nur ins Kino, um sich endlich mal ungestört unterhalten zu können. Merkst du bei Action-Filmen überhaupt nicht. Bei Arthaus-Kino oder Filmen mit guten Dialogen kann das schon schwieriger werden.

Kreischen beim Horror-Film – einwandfrei!

Nichts gegen ein Publikum, das gut mit dem Film mitgeht. Wenn Sandra Bullock in „Gravity“ heldinnenmäßig allein im Weltraum ums Überleben kämpft und man im Kino eine Stecknadel fallen hört oder die Leute sich in Horrorfilmen ordentlich erschrecken und kreischen, passt das ja. Aber ein bisschen Konzentration auf die Kunst wäre schon schön.

Aber zurück zum Popcorn-Kino, ja, das ist tatsächlich der Fachbegriff. Als der Film zu Ende war und das Licht anging, wurde mir klar, warum die Kinobetreiber darum bitten, den Müll mitzunehmen.

Auf dem Autobahn-Rastplatz

Der Boden war bedeckt mit Popcorn, Eimern und Bechern. Es sah aus wie auf einem Autobahn-Rastplatz, wenn die Mülleimer voll sind. Das Kino-Personal, das mit Abfallsäcken bewaffnet Ordnung schaffen musste, tat mir leid.

Da ist dann ein gemütlicher Fernseh-, Netflix- oder DVD-Abend zu Hause wieder direkt verlockend. Das Programm der Fernsehsender ist zwar nicht immer so aufregend. Dafür ist das Publikum ganz nach den eigenen Wünschen.