Liegt es an den überlangen Sitzungen, am immensen Arbeitspensum der Politiker oder etwa an ihrer mangelnden Kondition, dass Abgeordnete im Bundestag umkippen? Für Anke Domscheit-Berg, die seit dieser Legislatur für die Linke im Bundestag sitzt, ist ein Zusammenhang mit dem Trinkverbot im Bundestag naheliegend. In der Tat darf im Plenarsaal nicht getrunken werden – nicht einmal Wasser. Wen der Durst quält, der muss die laufende Debatte und den Saal verlassen.

Das steht zwar nicht wörtlich in der Hausordnung, ist aber langjährige Parlamentspraxis. Mit nur wenigen Ausnahmen: So bekommen Redner ein Glas Wasser am Pult gereicht, das sie anschließend mit an ihren Platz nehmen dürfen. Die Hausordnung bleibt da sehr allgemein: Sie betont lediglich, dass in den Gebäuden des Deutschen Bundestags Ruhe und Ordnung zu herrschen habe und die Würde des Hauses zu achten sei. Coladosen, Kaffeeflecken oder gar Brotkrümel auf den Tischen der Abgeordneten sind da nicht erwünscht.

Aber, wer weiß, ob das so bleibt? Das Verständnis dessen, was „Würde des Hauses“ bedeutet, hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte schon ein paar Mal verändert: Als die SPD-Frau Lenelotte von Bothmer es 1970 wagte, in Hose und Jackett aufzukreuzen, war das ein Skandal. Heute sieht man die Kanzlerin selten in etwas anderem.