Orientteppiche mit ihren feinen Knüpfungen und filigranen Mustern werden in Deutschland seit jeher hoch geschätzt und meist mit dem Gütesiegel des „Perserteppichs“ versehen. Im Grunde ist er auch eine Art Möbelstück wie er so ihm Wohnzimmer liegt, teils besiedelt mit gediegenem Mobiliar, eine riesige, mit wundersamen Symbolen verzierte handgewebte Luxusfläche.

Bei orthodoxen Muslimen indes trägt der Teppich auch eine rituelle Bedeutung, denn sie knien auf ihm, wenn sie fünfmal täglich gen Mekka beten. Das kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass der Prophet bestimmt: Wer sich an Allah wendet, muss rein sein und den Schmutz und Staub der Arbeit entfernen. Daher stehen in den Moscheen Waschbecken, wo man sich Gesicht, Hände, Unterarme und Füße reinigt. Die Schuhe werden vor dem Gebet ordentlich in eine Reihe gestellt.

Soll der Muslim, so gereinigt, nun auf schmutzigem Grund sein Gebet verrichten? Nein! Früher rollten die Anhänger Mohammeds einen kleinen Gebetsteppich aus, nicht viel größer als ein Handtuch, um auf ihm vor Allah zu knien. Heute, etwa in Deutschland, muss es kein Mini-Teppich mehr sein, aber man sorgt für eine saubere Unterlage als Trennschicht zum Hausboden. Das kann ein Handtuch sein, eine Badematte, und sogar eine Pappe reicht aus. Hauptsache, sie ist sauber – und damit auch in rituellem Sinne rein. Übrigens: Im Freien braucht es keinen Teppich. Denn die Berührung mit Mutter Erde und ihrem Staub gilt als reinigend.