Am Wetter kann es schon mal nicht liegen. Auf Mallorca herrschen derzeit Temperaturen um die 30 Grad, dazu viel Sonnenschein, kaum Wolken. Trotzdem kommen derzeit viele Menschen aus dem Zittern nicht heraus. Den Hoteliers, Reiseveranstaltern, Restaurantbesitzern und auch den Chefs der Tourismusbehörden wird immer wieder angst und bange, wenn sie auf die aktuellen Buchungszahlen blicken. „Wir hatten für diese Saison zwar einen Rückgang erwartet, aber niemals den Einbruch, den wir zurzeit erleben“, sagte ein Sprecher der Mallorca-Hoteliers der Zeitung „Última Hora“.

Vor allem die Deutschen machen derzeit einen großen Bogen um ihre eigentlich liebste Urlaubsinsel. Sogar auf dem „Ballermann“, der Partymeile an der Playa de Palma, wo man oft praktisch nur auf Deutsch reden hört, ist das zu spüren. Der sogenannte Sauftourismus sorge zwar an Wochenenden weiterhin für volle Häuser, sagte ein Sprecher der Hoteliers der Playa. Aber andere, „ruhigere“ Touristen, die länger bleiben und oft mehr Geld auf der Insel ausgeben, fahren inzwischen offensichtlich woanders hin. „Im Juni wird die Auslastung nur bei 50 bis 60 Prozent liegen“, sagt der Sprecher. 15 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Doch wieso bleiben die Touristen nach einer Serie von Rekordjahren plötzlich weg? Schuld sind der Brexit und auch und vor allem das Erstarken der Tourismusregionen im östlichen Mittelmeer, etwa in der Türkei. Selbst Rabatte von bis zu 40 Prozent konnten die Tendenz bisher nicht umkehren. Länder wie die Türkei, Ägypten und Tunesien haben noch bessere Angebote. Die Lage ist so kritisch, dass man sogar auf die Wettervorhersage in Deutschland schaut. Eine Wiederholung des „Supersommers“ 2018 könnte für viele diesmal schon fatal sein.

Strenge Regeln als ein Grund?

Die 2016 eingeführte Touristenabgabe „Ökotaxe“ fordere inzwischen ihren Tribut, meinte unter anderem der Hoteliersverband FEHM jüngst. Gerade jene weniger zahlungskräftigen Touristen stören sich daran, dass im Zuge der immer strengeren Benimmregeln in Palma der Spaß immer weniger wird, wie viele Experten und Beobachter meinen. Unter anderem dürfen seit April Getränke nicht mehr auf die Straße mitgenommen werden.

Auf der anderen Seite aber geht das „Aufräumen“ an der Playa den betuchteren Besuchern noch nicht weit genug. Die linke Regierung setzt auf „höherwertigen“ Tourismus, förderte den Bau von Luxusherbergen. Aber die Betreiber dieser Häuser berichten von Gästen, die sich über betrunkene Touristen und illegale Straßenhändler beschweren. Sie fordern von den Behörden ein härteres Eingreifen. Es scheint so, als ob beide Touristengruppen derzeit von Mallorca enttäuscht sind. Den einen ist es zu unsicher, den anderen zu langweilig. (dpa)