Das Licht in Málaga – wie eine Legende rankt es sich um die Stadt. Die Wirklichkeit übertrifft jedoch jegliche Vorstellung. Die malerische Hafenstadt im Süden Andalusiens an der Costa del Sol zieht auch im Spätherbst und Winter noch viele Touristen an. Die Stadt wird jetzt, wenn die Sonne nicht mehr so hoch steht, in ein besonders warmes Licht getaucht. Im Hintergrund erheben sich die Berge, auf den sanften Hügeln unmittelbar hinter der Altstadt trotzen die beiden maurischen Hügelfestungen – Alcazaba und die Ruinen des Castillo de Gibralfaro, die man über einen steilen Fußweg erreichen kann. Zum Sonnenuntergang werden die alten Mauern in gelb-orangenes Licht getaucht, während sich am Horizont der Fuß der Berge in sanfte Nebelschwaden hüllt. Es ist immer noch mild in der Stadt, die knapp 140 Kilometer nordöstlich von Gibraltar liegt. Nur wenn der eisige Wind von den Bergen durch die Stadt pfeift, frösteln ihre Besucher.

<strong>Mediterran-südlich:</strong> Mauer an der arabischen Festung von Alcazaba.
Mediterran-südlich: Mauer an der arabischen Festung von Alcazaba. | Bild: Moll, Mirjam

Hartgesottene Touristen wagen sich zumindest in den wärmsten Stunden des Tages ins Meer – doch nach einer längeren Regenperiode im Herbst ist die See merklich abgekühlt. Ohne Neoprenanzug hält es kaum jemand länger als ein paar Minuten im Wasser aus. Einige wenige Menschen spazieren am Strand entlang, blicken hinaus aufs Meer, dessen kühles Blau seine Temperatur erahnen lässt. Die Einwohner schütteln den Kopf über wagemutige Touristen, die dennoch im Sommerkleid die Hafenpromenade entlanggehen, an der die kleineren Exemplare der Kreuzfahrtschiffe anlegen. Auch jetzt laufen noch täglich zwei der Ozeanriesen ein, der ganz große Ansturm auf Málaga aber ist vorbei. Wer in dieser Jahreszeit die Küstenstadt besucht, verlegt sich auf eine der vielen Sehenswürdigkeiten.

<strong>Hingucker:</strong> Streetart in Málaga.
Hingucker: Streetart in Málaga. | Bild: Moll, Mirjam

Pablo Picassos Geburtshaus steht hier, ein Museum zeigt die Werke des berühmten Künstlers. Auf dem Platz de la Merced sitzt er als Bronzefigur verewigt auf einer Bank, direkt gegenüber von seinem früheren Haus, das nun die Picasso-Stiftung beherbergt. Besucher lassen sich gerne mit seinem Konterfei ablichten. In dem Viertel hinter dem Platz, an dem einige Cafés in der Nachmittagssonne zum Verweilen einladen, ist noch mehr Kunst versteckt. Ein Spaziergang abseits der Hauptverkehrsstraßen lohnt sich. Das Viertel, das abgerissen werden und Neubauten weichen soll, ist übersät mit Streetart: Kunstvolle Graffiti von Tieren, detailreichen und ausdrucksstarken Gesichtern bis hin zu Aufrufen, diesen Teil der Stadt nicht den Investoren zu überlassen, übersäen die zum Teil bröckeligen Mauern und Hauswände. Picasso hätten die Werke sicher gefallen – in einer der Straßen hat sich ein Streetart-Künstler an einer Nachbildung der Guernica, einer der bekanntesten Werke Picassos, versucht.

<strong>Hat nur einen Turm:</strong> die Kathedrale von Málaga.
Hat nur einen Turm: die Kathedrale von Málaga. | Bild: Moll, Mirjam

Im Herzen der Stadt ragt die von der Renaissance geprägte Kathedrale, die Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación, die von den Bürgern Málagas nur liebevoll "La Manquita" – die Einarmige – genannt wird, über den Dächern empor: Der zweite Turm des beeindruckenden Bauwerks wurde nie fertiggestellt. Doch jüngst beginnen Debatten, ob man das Bauwerk heute, Jahrhunderte später, nicht doch vollenden solle. Damals, im 18. Jahrhundert, fehlte das Geld, um den rechten Turm des 84 Meter hohen Bauwerks zu vollenden. Den linken Turm können Besucher ersteigen – zu fast jeder vollen Stunde. Der Aufstieg lohnt sich. Das Dach der Kathedrale, deren Kuppeln hier und da Risse zeigen, gibt den Blick über die Altstadt frei mit ihren kleinen Gassen, der prunkvollen Calle Larios, der Haupteinkaufsmeile, die vom Hafen aus direkt ins Herz der Stadt führt.

<strong>Lightshow mit Musik:</strong> Sie lockt Tausende an.
Lightshow mit Musik: Sie lockt Tausende an. | Bild: Moll, Mirjam

In diesen Tagen ist sie besonders auffällig geschmückt: Pünktlich zum Advent wirft sich Málaga in ein besonders festliches Gewand. Tagelang installieren Techniker mit Kränen unzählige Lichterketten an den aufwendigen Konstruktionen, die auf den Plätzen und entlang der Straßen aufgebaut wurden. Dann, am Abend vor dem ersten Advent, wird die festliche Beleuchtung offiziell eröffnet. Auf der Calle Larios und dem davorliegenden Platz drängen sich die Menschen an einem Weihnachtsbaum, der nur aus einem Kegel voller Lichter besteht. Straßenmusiker heizen die Stimmung an. Die Calle Larios wird von einem Lichterbogen gesäumt, der wie der Kreuzgang der Kathedrale anmutet. An den Kreuzungen säumen Kuppeln die Lichterinstallation. Dann wird es plötzlich dunkel und still. Untermalt von festlicher Musik beginnt die atemberaubende Lichtershow, die die Blicke der Zuschauer auf sich zieht. Minutenlang wirbeln die Lichter die Straße hinauf und hinunter, zeichnen Muster und Strukturen. Als die Musik verstummt, brechen die Menschen in Jubel aus. Der Advent ist eingeläutet. Und Málaga wird in den kommenden Wochen in ein ganz besonderes Licht getaucht. Jeden Abend, wenn es dunkel wird, erstrahlt das Herz der Stadt im Schein der prachtvollen Kathedrale aus Abertausenden von Lichtern. Schöner kann die Vorweihnachtszeit kaum sein.

Video: Mirjam Moll