Frau Dahm, wie wird man zur Cosplay-Darstellerin?

Das ist schon ein paar Jahre her, da war ich 14. Ich hab mir damals ein Animé angeschaut und fand einen der Charaktere besonders cool und dachte mir: „So will ich auch ausschauen und so sein wie er.“ Bei meinen Recherchen bin ich dann auf Cosplay gestoßen.

Wie lange dauert es, sich so in Schale zu werfen?

Das kommt darauf an, als was man sich verkleidet. Es gibt Kostüme mit Kontaktlinsen, Perrücken und aufwendigem Makeup. Je nach Figur dauert das schon mal mehr als eine Stunde.

Was genau passiert bei den Szenetreffen? Gibt es spezielle Treffepunkte oder findet das privat statt?

Es tauchen natürlich alle in Cosplay-Verkleidung auf, tauschen sich untereinander aus, machen Fotos. Das ist ein Sehen und Gesehen werden.

Wie groß ist die Szene im Konstanzer Raum?

Es gab mal eine recht große Szene mit einem großen Treffen in Kreuzlingen, aber inzwischen machen die Veranstalter das nicht mehr. Momentan sind wir eine kleine Gruppe, etwa zehn Leute.

Wie viele Charaktere stellen Sie dar?

Da bin ich nicht festgelegt. Ich probiere immer wieder etwas Neues, sortiere aber auch alte Kostüme aus, die ich nicht mehr trage.

Stellen Sie Ihre Kostüme selbst her oder kann man sie kaufen?

Viele machen die Kostüme selbst, davor habe ich großen Respekt. Ich selbst kann nicht nähen und bestelle meine Kostüme entweder online aus Asien oder kaufe Selbstgemachte von anderen.

Laufen Sie auch privat so herum?

Nein, privat laufe ich ganz normal herum. Man läuft ja auch nicht immer in Fastnachtsklamotten rum.

Wie reagieren die Leute normalerweise auf Sie, wenn Sie so verkleidet sind?

Also ich werde schon angestarrt. Es gibt immer unverständnisvolle Gesichter, aber auch Leute, die sich daran freuen. Manche fragen auch, warum wir so herumlaufen. Wenn wir es ihnen erklären, gibt es manche, die es nicht verstehen. Aber man fällt schon auf. Einmal hatte ich ein Kostüm aus dem 19. Jahrhundert an, da haben sich die Leute vor mir gefürchtet, als wäre ich ein Geist.

Fragen: Mirjam Moll