Wenige Fußminuten vom Kölner Dom entfernt peitschen Schüsse durch eine Straße. Stunden später geht ein wahrer Kugelregen auf eine Spielhalle nieder: Das sind aktuelle Szenen aus Köln. Mancher Einwohner fragt sich seitdem: Ist das jetzt Wilder Westen hier? Jetzt gab Polizeipräsident Uwe Jacob die Antwort: Ja, das ist Wilder Westen. „Mitten auf Kölner Straßen wird mit hochkarätigen Waffen geschossen“, sagte er bei einer Pressekonferenz. „Als wären wir hier im Wilden Westen wird hier rumgeballert.“

Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob.
Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob. | Bild: Henning Kaiser/dpa

Hintergrund der Schießereien ist ein sich immer weiter hochschaukelnder Konflikt zwischen den Rockerbanden Bandidos und Hells Angels. Die Bandidos dominieren in Nordrhein-Westfalen seit Langem das Ruhrgebiet, im Rheinland hatten eher die Hells Angels das Sagen. In letzter Zeit aber, so erläutert Klaus-Stephan Becker, Leiter Direktion Kriminalität, hätten die Hells Angels in Köln zunehmend ihre Durchsetzungskraft und Reputation in der Szene eingebüßt. In dieses Machtvakuum wolle jetzt der Bandidos-Chef vorstoßen. Auf Außenstehende wird dabei keine Rücksicht genommen. „Hier ist ein offener Konflikt auf der Straße entstanden, wo Unbeteiligte extrem gefährdet werden“, stellt Jacob klar. Wer gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist, hat eben Pech. Es sei nur ein „glücklicher Zufall, dass bisher noch niemand zu Tode gekommen“ sei, räumt Becker ein.

Nicht mehr die klassischen Rocker von früher

Wer sind diese Leute, denen das Leben unschuldiger Menschen demnach gleichgültig ist? Die Polizei zeigt Fotos, die die Bandidos und die Hells Angels bei Treffen vor der Kölner Lanxess-Arena jeweils von sich gemacht haben. Man sieht junge dunkelhaarige, muskelbepackte Männer. „Das sind ganz überwiegend Migranten unterschiedlicher Nationalitäten“, erläutert Becker. Junge Männer aus der Türkei seien darunter, aus dem Kosovo und aus Nordafrika. Mit den klassischen Rockern von früher haben diese Gruppen nach Einschätzung der Polizei nicht mehr viel zu tun. Manche hätten noch nicht mal ein Motorrad. Es handele sich vielmehr ganz einfach um Kriminelle, die unter dem Nimbus der Rocker ihre wirtschaftliche Interessen verfolgten. Es geht um die Türsteher-Szene, um Shisha-Bars, Drogenhandel.

Die Antwort des Rechtsstaats

Und jetzt – was will die Polizei unternehmen? „Wir werden es nicht dulden, dass es in Köln so weitergeht wie bisher. Wer hier in Köln den Rechtsstaat so herausfordert, der wird Antwort bekommen“, gelobt Jacob. Erste Durchsuchungen habe es am Mittwoch schon gegeben. Zudem werde man verstärkt kontrollieren. „Wir handeln ununterbrochen“, betont Jacob. Aber er räumt auch ein: Man brauche einen „langen Atem“ dazu.