Die einen streichen ihn rot im Kalender an, für andere ist er eine Erfindung geschäftstüchtiger Floristen: Wie auch immer man zum 14. Februar steht – Blumen, Pralinen und Liebeserklärungen dominieren den Valentinstag.

Da liegt die Krönung nicht so fern: Warum seine Liebe nicht am Tag der Verliebten mit einem Heiratsantrag zelebrieren? Der Paartherapeut Eric Hegmann aus Hamburg hält das allerdings für eine fatale „Disneyfizierung“ der Liebe – und rät eher zum Spontan-Antrag auf dem Sofa.

"Der Mann kann nur verlieren"

Er sagt: „Meist ist es ja nach wie vor immer noch der Mann, der den Antrag macht, und der kann da fast nur verlieren. Wie soll denn der arme Kerl am Valentinstag, der ja an sich schon genug mit Klischees überfrachtet ist, die Erwartungen erfüllen? Nur für den Fall, dass ein Mann wirklich so romantisch veranlagt ist, ist der Antrag an dem Tag natürlich das i-Tüpfelchen.“

Im Allgemeinen rät Hegmann davon ab, den Antrag am Valentinstag zu machen. „Sowohl der Valentinstag als auch der Verlobungstag sind so überromantisiert, dass es schon etwas Kitschiges und Aufdringliches hat.“

Die Disneyfizierung der Liebe

In den letzten Jahren habe sich vor allem durch falsche Vorbilder in den sozialen Medien ein Trend rund um den Heiratsantrag entwickelt, den er als „Disneyfizierung der Liebe“ bezeichnet. Dazu gehören auch groß inszenierte Anträge in der Öffentlichkeit, vielleicht sogar noch verbunden mit einem Flashmob. „Damit wird nur die Angst kompensiert, dass man vom Partner ein Nein bekommen könnte.“

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Und was ist mit den Leuten, die den Valentinstag wählen, um das Datum der Verlobung nicht zu vergessen? „Wer so pragmatisch veranlagt ist, sollte sich fragen, ob das Heiraten nicht sogar in die falsche Richtung geht. Um das ganze Drumherum einer Hochzeit noch zusätzlich aufzupeppen, ist die Verlobung wieder unglaublich hipp geworden.“ Dabei sei doch die Beziehung selbst das wichtigste Gut.

Die Frage nach dem richtigen Moment

Wann aber ist dann der richtige Moment? Viele Männer quälen sich lange mit der Frage, wann und wie sie ihrer Freundin sagen sollen, dass sie es ernst meinen. Eric Hegmann meint: „Das kommt auf die Stimmung und die Situation an. Warum denn nicht beim Spazierengehen? Wenn es spontan im Alltag einen schönen Moment gibt, braucht es doch keinen speziellen Tag, auf den man warten muss. Der richtige Moment kann auch beim Kuscheln auf dem Sofa sein.“

Und wie erkennt man diesen berühmtem Moment? „Die perfekte Gelegenheit kann es natürlich nie geben“, sagt Hegmann. „Aber wenn ein Gespräch gerade mit etwas zu tun hat, wo es um die gemeinsame Lebensplanung geht, passt das doch sehr gut. Das passt sogar viel besser als der berühmte Ring im Champagnerglas, an dem sich dann vielleicht noch der Partner verschluckt. Grauenhaft!“

Der Aufwand ist nicht entscheidend

Hegmann schlägt also vor, eher nach einem besonderen Moment im Alltag zu suchen, statt einen besonders spektakulären Heiratsantrag auszuhecken. „Es ist doch Quatsch zu glauben, dass eine Ehe deshalb glücklicher wird, weil der Heiratsantrag sehr aufwendig war“, meint er.

„Meine Erfahrung als Paartherapeut bestätigt sich immer wieder: Je größer das Tam-Tam um den Antrag und je teurer und spektakulärer die Hochzeit, desto weniger glücklich gerät die Ehe.“ Konflikte gebe es bei Paaren um ganz andere Dinge. Zum Beispiel bei den Themen Achtsamkeit und Dankbarkeit.