David H. geht leicht gebückt und mit gesenktem Kopf auf das Gerichtsgebäude zu. Seine Hände stecken in der Hosentasche. Der Blick schwankt zwischen Boden und Rechtsanwalt Roman Schuler hin und her. David H. ist der Stress, die Existenzangst anzumerken.

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Denn in wenigen Minuten muss er sich vor dem Bezirksgericht in Winterthur verantworten, weil er im Februar dieses Jahres mit 249 Stundenkilometern über die Autobahn in der Schweiz fuhr – wo doch eigentlich ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde gilt. Nach kurzer Prüfung der Anklageschrift verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Ins Gefängnis muss David H. allerdings nicht. Die Strafe wird mit einer Frist von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt.

Deal im Hinterzimmer

Damit kommt David H. glimpflich davon. Vor Prozessbeginn hatten sich Staatsanwaltschaft und Strafverteidigung auf diese Strafe im Hinterzimmer geeinigt. Die Richterin stimmte diesem Vorschlag am Donnerstag zu. Das festgelegte Strafmaß sei verhältnismäßig. Sowohl der Angeklagte, als auch sein Rechtsanwalt Roman Schuler, wollten sich gegenüber dem SÜDKURIER zu dem Urteil und der Tat vor und nach der Verhandlung nicht äußern.

David H. bereut die Tat

Auch gegenüber der Richterin ist David H. während der Vernehmung sehr schweigsam. Auf mehrmalige Nachfrage lässt er sich nicht entlocken, warum er vor etwa fünf Monaten so schnell über die Autobahn fuhr. Nur so viel: „Ich weiß es nicht. Im Nachhinein war es dumm und ich bereue das.“

Alkoholfahrt in Deutschland

David H. war lange Berufssoldat. Während seiner Zeit beim Bund sei er viel unterwegs gewesen und hätte in seinem ganzen Leben bereits eine Million Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Ein erfahrener Autofahrer also, der trotzdem schon einmal als Verkehrssünder in die Fänge der Justiz geraten war. Vor zehn Jahren unterschätzte David H. mit überhöhter Geschwindigkeit, deutlich alkoholisiert, eine Linkskurve und schleuderte über die Fahrbahn hinaus. Dabei wurde er leicht verletzt. Der damals noch deutsche Führerschein wurde für mehrere Monate eingezogen.

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Damit gilt David H. als Wiederholungstäter. Trotzdem rechtfertigte das Gericht die Bewährungsstrafe. „Anders wäre es gewesen, wenn die Straßen nass und viele andere Autofahrer unterwegs gewesen wären. Es gab auch kein Motiv. Der Angeklagte hat anscheinend Spaß am schnell fahren“, so die Richterin.

Seat war getunt

Darauf weist auch der Seat Leon ST Cupra hin, den David H. damals leaste. Obwohl der Sportwagen bereits die höchst motorisierte Klasse ist, hat David H. seinen Seat zusätzlich getunet. Bis er sich wieder hinter ein Steuer setzen darf, werden wohl mindestens zwei Jahre vergehen. Darüber entscheidet das Straßenverkehrsamt. Fakt ist: in einem verkehrspsychologischen Gutachten muss er zuvor nachweisen, dass er dann tatsächlich keine Gefahr mehr für den Straßenverkehr ist.