Die dramatischen Bilder vom Unfallort auf für ihre Vulkanlandschaft und ihre Blütenpracht berühmten Insel lösten Erschütterung und Anteilnahme aus. Ein Wrack voller Beulen und Schrammen, mit eingedrücktem Dach und zerbrochenen Fenstern – mehr blieb von dem verunglückten weißen Reisebus nicht übrig.

Das könnte Sie auch interessieren

Er war am Abend gerade erst am Hotel Quinta Splendida im Dorf Caniço mit den deutschen Touristen an Bord losgefahren, als der Fahrer in einer engen Kurve die Kontrolle über den Bus verlor.

Das Fahrzeug stürzte eine Böschung hinab, überschlug sich und wurde erst von einem Haus gebremst. In einem Dauereinsatz kümmerten sich die Rettungskräfte um die Verletzten und die Bergung der Todesopfer. Manche Passagiere schafften es aus eigener Kraft die mit Gestrüpp bewachsene Böschung herauf, andere waren deutlich schwerer verletzt und mussten gestützt oder getragen werden.

Menschen sind durch Fenster geflogen

Der Unfall habe sich nur Sekunden nach Abfahrt des Busses ereignet, sagte eine deutsche Überlebende dem portugiesischen Fernsehsender TVI. Die Menschen seien „durch die Fenster geflogen“. Ihr Ehemann erzählte, der Bus habe bei hoher Geschwindigkeit eine Mauer gestreift und sich dann überschlagen. Die Hilfskräfte seien sehr schnell dagewesen.

Einige der mehr als 50 Businsassen trugen blutige Kopfverbände oder hatten Blutflecken auf ihrer Kleidung. Gemeinsam waren sie auf dem Weg zu einem Abendessen in der Inselhauptstadt Funchal gewesen. Der Busfahrer und die Reisebegleiterin, beides Portugiesen, wurden bei dem Unglück verletzt.

Rettungskräfte sind nach dem schweren Busunglück auf Madeira im Einsatz.
Rettungskräfte sind nach dem schweren Busunglück auf Madeira im Einsatz. | Bild: Rui Silva/Aspress/Global Imagens/AP

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa brachte nach dem tödlichen Unglück „die Trauer und Solidarität des gesamten portugiesischen Volkes“ zum Ausdruck, Regierungschef Antonio Costa sprach von „tiefer Trauer“ und sprach allen betroffenen Familien sein Beileid aus. Die Regierung in Lissabon rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Das könnte Sie auch interessieren

„Madeira ist Tradition“, so stand es auf dem verunglückten Bus. Tatsächlich kennen deutsche Reisende die Insel nicht zuletzt aus den „Sissi“-Filmen: Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Österreichs Kaiserin Elisabeth sich im milden Meeresklima Madeiras von ihrer Tuberkulose-Erkrankung erholt.

Später gehörte der britische Premierminister Winston Churchill zu den berühmtesten Besuchern der Blumeninsel, die er einmal als „schwimmenden Garten im Atlantik“ bezeichnete. Deutsche und Briten machen heute den Großteil der Touristen auf der Insel aus.

Ilse Everlien Berardo, Pfarrerin der evangelischen Kirche Deutschlands auf Madeira, half nach dem Unglück bei der Betreuung der Überlebenden. Dem Fernsehsender RTL sagte sie, viele von ihnen stünden unter Schock und litten unter der Erinnerung an die furchtbaren Bilder vom Unfallort.

Deutsche Politiker auf dem Weg auf die Insel

Gemeinsam mit Außenminister Heiko Maas sollten im Laufe des Donnerstag auch deutsche Ärzte auf Madeira eintreffen. Ein deutscher Beamter war am Mittag bereits vor Ort, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen.

Am Cristiano-Ronaldo-Flughafen in Funchal, benannt nach dem berühmtesten Sohn der Stadt, wurde eine provisorische Leichenhalle eingerichtet. Dort sollen die Unfallopfer obduziert werden. Die Ärzte vor Ort bekommen dabei Unterstützung von angereisten Kollegen aus der Hauptstadt Lissabon.

Am Unfallort in Caniço war das Wrack des verunglückten Busses am Mittag bereits verschwunden, die Bergungsmannschaften hatten es abtransportiert. (AFP)