Eine schrille Klingel, ein Ruckeln, und dann gehts los. Vogelzwitschern, das leise Mahlen des Seils, während sich die Oberweißbacher Bergbahn nach oben schiebt. Gemächlich, Meter um Meter. Da kommt die Gegenbahn entgegen – man winkt sich gegenseitig zu. Die gelben Sonnenschirme auf dem Cabriowagen leuchten in der Sonne. Es geht vorbei an duftenden Kräuterwiesen, eine Holzskulptur einer Kräuterfrau säumt den Weg. Auf der anderen Seite steht eine Männer-Skulptur mit Kiepe auf dem Rücken. Dann Anhalten oben an der Bergstation, wieder die schrille Klingel. So gemächlich sind wir schon lange nicht mehr Bahn gefahren!

Hallo, Ihr da drüben! Auf der Oberweißbacher Bergbahn kommt man sich auf halber Strecke entgegen. Bild: Schierle
Hallo, Ihr da drüben! Auf der Oberweißbacher Bergbahn kommt man sich auf halber Strecke entgegen. Bild: Schierle | Bild: Schierle, Beate

Katharina Eichhorn ist Kräuterfrau. Mit ihr zusammen gehen wir auf Kräuterwanderung. Sie kennt sich bestens aus, zeigt Färberginster und die lilafarbene Jakobsleiter. In früheren Jahrhunderten waren Kräuter die einzige Apotheke der Armen. Kundige Frauen ernteten die Kräuter und bereiteten Salben und Tinkturen daraus. Sie wurden von Buckelapothekern in viele Länder verkauft. Daran wird in Thüringen heute wieder erinnert.

In traditioneller Tracht: Kräuterfrau Katharina Eichhorn und „Buckelapotheker“ Gerd Eberhardt. Bild: Dörthe Hagenguth, Thüringer Tourismus GmbH
In traditioneller Tracht: Kräuterfrau Katharina Eichhorn und „Buckelapotheker“ Gerd Eberhardt. Bild: Dörthe Hagenguth, Thüringer Tourismus GmbH | Bild: Doerthe Hagenguth

Thüringen ist das Land der Kräuter. Wer heute auf dem Wochenmarkt einen guten Oregano sucht, wird wahrscheinlich einen aus Thüringen bekommen. Das Mikroklima ist für Kräuter ideal. Die Thüringer kochen gern mit Kräutern. Sie sind in der berühmten Bratwurst, natürlich auch in jeder Kräuterbutter und in jedem Kräuterquark. Hier einer mit blauen Borretschblüten.

Wandervesper: ein Kräuterquark mit blauen Borretschblüten.
Wandervesper: ein Kräuterquark mit blauen Borretschblüten. | Bild: Schierle, Beate

Noch mehr Bahnfahren! Aber klar doch! An der Bergstation der Oberweißbacher Bergbahn kann man umsteigen in den Olitätenwagen, das ist ein altes Wort für Naturheilmittel. Der mit Kräutern bemalte Wagen fährt nach Cursdorf, zu Porzellankünstlerin Kati Zorn. Sie fertigt witzige Frauenbüsten, erotische Figuren und eine Leda mit Schwan, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lässt; Porzellankunst für Erwachsene also.

Bild: Schierle, Beate

Der Name des kleinen Ortes Paulinzella erinnert ein wenig an Radolfzell, und tatsächlich war auch dieser Ort Sitz eines Klosters. Das ist längst verfallen, aber das nahe Museum lohnt einen Besuch. Ganz toll ist der Kräutergarten von Claudia Wallnischunterhalb. In ihrem Garten tanzen die Schmetterlinge, und sie hat 180 Kräuter- und 25 Minzarten in Pflege. Für Kräuterhexen unverzichtbar!

<strong>Herrin über 180 Kräuter- und 25 Minzsorten:</strong> Claudia Wallnisch kümmert sich um den Kräutergarten in Paulinzella. Bild: Schierle
Herrin über 180 Kräuter- und 25 Minzsorten: Claudia Wallnisch kümmert sich um den Kräutergarten in Paulinzella. Bild: Schierle | Bild: Schierle, Beate

Wer Erfurt noch nicht kennt: Diese Stadt lohnt eine kleine Kurzreise! Vom Ambiente erinnert sie ein wenig an Freiburg, es fehlen nur die Bächle. Mächtig steht der Dom über der Stadt, die Altadt ist fußläufig gut zu erkunden. Charmant ist die mit Fachwerkhäuschen bebaute Krämerbrücke, in der kleine Kunsthandwerksläden untergebracht sind. Zum Abendessen sollte man sich typische Kartoffelklöße (der Thüringer sagt Kloß, nicht Knödel!), gönnen, z.B. mit Rinderroulade oder Braten. Sie sind fluffig und leicht. Kulinarisches Fazit: Die Thüringer essen gern gut. Ab und zu auch ohne Kräuter. Aber meist mit.

Einmalig: Die Erfurter Krämerbrücke birgt viele Lädchen. Die Goldhelm-Schokolade ist legendär. Im Laden „Erfurter Blau“ wird an die frühere Färbetradition der Stadt und den Handel mit Waid erinnert.
Einmalig: Die Erfurter Krämerbrücke birgt viele Lädchen. Die Goldhelm-Schokolade ist legendär. Im Laden „Erfurter Blau“ wird an die frühere Färbetradition der Stadt und den Handel mit Waid erinnert. | Bild: Schierle, Beate