Wer wandernd unterwegs ist – zu Fuß, auf dem Fahrrad oder seinem Motorrad – staunt immer wieder nicht schlecht, wenn er Richung Himmel schaut und dort eine Gruppe Greifvögel erblickt, die sich im warmen Aufwind in die Höhe schrauben, so hoch, dass man ihnen mit bloßem Auge kaum noch folgen kann. Der Faszination, die Greifvögel auf den Menschen ausüben, kann man sich kaum entziehen.

Je nach Distanz ist es für laienhafte Beobachter oft schwer zu erkennen, um welche Vogelart es sich bei den Thermikfliegern handelt. Liegt die Flügelspannweite bei mehr als einem Meter, hat man rein statistisch betrachtet, ein paar Exemplare des Mäusebussards über sich. Denn dieser Vogel bringt es in Deutschland inzwischen wieder auf mehrere 10 000 Brutpaare. Man kann mit der Bussard-Vermutung aber auch falsch liegen, weil es sich etwa um einen Rotmilan handelt. Der ist sehr gut an seinem rostrot gefärbten, gegabelten Schwanz zu erkennen.

Für die Jagd weite und offene Landschaften

Mäusebussard und Rotmilan bevorzugen zur Jagd die weiten offenen Landschaften wie sie sich zwischen Schwarzwald und Bodensee etwa auf der Baar, im Hegau und im Linzgau finden, wo Felder und Wiesen ein breites Nahrungsangebot bereithalten. Die Thermiksegler suchen ihre Beute im gemächlichen oft stundenlangen Suchflug, wobei ihnen ihre breiten Flügel helfen, deren äußere Federn – die sogenannten Handschwingenspitzen – wie Finger abstehen.

Erstaunlich sind die Höhen, in denen diese Greifvögel unterwegs sind. So ist es für einen Segelflieger, der sich in seinem Flugzeug über 1500 Meter nach oben geschraubt hat, nicht ungewöhnlich, dort oben einem oder mehreren flugbegeisterten Bussarden oder Milanen zu begegnen und mit ihnen im Kreis zu fliegen. Denn dort, wo der Vogel ist, ist der Aufwind am stärksten.

Die Falkenarten haben dagegen ganz anders geformte Flügel als die Segler. Sie sind deutlich kürzer und an den Enden spitz zulaufend, was sie für den rasanten Sturzflug geeignet macht. Daher spricht man auch von Stoßfliegern. Sie jagen nicht nur in der Weite des Raums, sondern auch im Dickicht üppiger Vegetation. Wieder andere Greifvögel sowie die im Wald lebenden Eulen und Käuze (nicht mit den Greifern verwandt!) halten auf einem Ansitz nach Beute Ausschau oder sie spähen – wie der Turmfalke – im Rüttelflug nach Beute.

Doch trotz aller Jagdintelligenz sind auch die meisten Greifvögel heute nur noch Untermieter in einer von menschlicher Nutzung dominierten Natur. Daher sind etwa die Bestände des Rotmilans gefährdet. Auf diesen Seiten stellen wir neun Greifvogel- und eine Eulenart vor, die man kennen sollte.

Wer Greifvögel und Eulen einmal in natura sehen möchte, für den ist die Falknerei des Tier- und Freizeitparks Allensbach am Bodensee ein gutes Ziel. Hier zeigt Falkner Jörg Arendt zweimal täglich bei einer Vorführung seine Freunde. Für SÜDKURIER-Redakteur Alexander Michel hat der Falkner Deutschlands kleinste Eule, einen Steinkauz, auf seinen Lederhandschuh gesetzt. Und Arendt zeigt auch den Vogel, vor dem sich auch der Steinkauz in Acht nehmen muss: der Wanderfalke. Er ist mit Abstand Deutschlands schnellster Vogel und erreicht im Sturzflug 320 km/h.

Video: Michel

 

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