Besser kein Mann sein, denke ich bei der Lektüre. Maxim Leo und Jochen Gutsch haben eines der letzten Tabus in Deutschland gelüftet. In ihrem Buch „Es ist nur eine Phase, Hase“ beschreiben die beiden Männer den Besuch eines widerstrebenden Endvierzigers zu seiner ersten urologischen Untersuchung. Die beiden gehen so sehr ins Detail, dass man als Frau denkt: Die armen Jungs! Denen geht es ja auch nicht besser als uns!

Männliche Wechseljahre, dazu hat man bislang nichts gelesen, weil zumindest die Männer fanden, dass das Thema den Frauen zuzuordnen sei. Hitzewallungen, Haare an unerwünschten Stellen und tendenziell grantig – so ist bislang das Bild einer Frau, die ihre fruchtbare Phase hinter sich hat. Das las man meistens seriös bis langweilig, manchmal aber auch lustig wie bei Dauer-Ulknudel Susanne Fröhlich.

Die beiden Autoren haben nun das Kunststück fertiggebracht, in einem schmalen Büchlein den Abschied von der Jugend sowohl bei Männern als auch Frauen so lustig aufzuschreiben, dass man dem neuen Lebensabschnitt zumindest gut gelaunt entgegensieht. Plötzliche Anfälle von Marmelade-Kochen beim weiblichen Part, unmotivierte Gefühlsausbrüche bei traurigen Filmen bei Männern, das sind Schilderungen, die uns bislang neu waren.

Plötzlich in der Alterspubertät

Denn es tut sich was in Deutschland. Die Generation der geburtenstarken Jahrgänge, der Babyboomer, kommt allmählich in die Alterspubertät, so nennen das die beiden Autoren. Das ist die Zeit, in der man sich effektiv nicht mehr vormachen kann, man sei noch jung. Spätestens um den 50. Geburtstag herum stellt man fest, dass man auf jeder Ü30-Party nur noch als abholende Großmutter angesprochen wird, dass man nach einer ausgedehnten Party mehrere Tage in den Seilen hängt und dass schon der Gedanke an Essen zu rapider Gewichtszunahme führt. Der Waschbrettbauch wird zum fernen Traum.

Die Deutschen beschäftigt das Thema, das merkt man schon an der guten Platzierung des Buches in der Spiegel-Bestsellerliste. Zu möglichen Therapien gegen das Altern und die Endlichkeit des Lebens gibt es unterschiedliche Ansätze. Mancher kauft sich endlich einen Porsche, andere fahren wie wild Fahrrad, trainieren im Fitnesstudio oder lassen sich, falls weiblich, liften. Der neueste Trend bei Schönheits-OPs,so ergab unlängst ein Kantinengespräch, sei das Entfernen von Achselfett. Die meisten der Anwesenden wussten nicht mal, dass es so etwas überhaupt gibt. Und selbst wenn, was soll’s?

Werner Bartens, Gesundheitsredakteur der Süddeutschen, nahm sich das Buch ebenfalls vor und mahnte zu einer etwas ernsteren Beschäftigung mit dem Thema. Es sei nur noch peinlich, wenn Männer in einem gewissen Alter Extrembergsteigen entdeckten oder andere unvernünftige Sachen machten. Kann man seinen Geburtstag nicht einfach mit ein paar guten Freunden und einer guten Flasche Wein feiern, so seine Frage. Wo er recht hat, hat er recht!

Der Teenie-Fanclub bleibt aus

Die Kölner Psychologin Elisabeth Raff-auf berät meist Eltern, deren Kinder in der Pubertät stecken. Frauen in den Wechseljahren treffe diese besonders herb: Während die Mädchen erblühten, verwelkten die Mütter, schrieb sie vor kurzem in der „Süddeutschen Zeitung“. Man kann’s auch übertreiben mit der Blumen-Metaphorik, finde ich. Aber was sie meint, ist klar.

Und Bascha Mika, ehemals Chefredakteurin der „taz“, schrieb vor einigen Jahren, dass Frauen ab einem gewissen Alter für Männer unsichtbar würden. Das mag wohl sein. Aber umgekehrt muss man zugestehen, dass Männer um die 50 auch nicht mehr gerade einen Teenie-Fanclub um sich scharen. Es sei denn, sie haben große innere Werte und auf keinen Fall ein zu praktisches Auto.

Dazu kommen ebenfalls ein nachlassender Körper, dem man ansieht, dass er auch keine 20 mehr ist, der schleichende Abgang der Kopfhaare und Knochen, die morgens nach dem Aufstehen genauso krachen wie bei den Frauen.

Wir halten also fest: Auch die Männer müssen Federn lassen. Dem lässt sich am ehesten mit Humor begegnen. Da sind die Frauen eindeutig voraus. Die beiden Autoren fanden übrigens, dass Frauen im Alter anarchisch und Männer spießig werden. Das mag manchem zu klischeehaft sein. Aber das ist doch mal eine gute Ermutigung, und zwar für Betroffene beider Geschlechter.

Buchtipps:
Maxim Leo & Jochen Gutsch: Es ist nur eine Phase, Hase.

Ein Trostbuch für Alterspubertierende, Ullstein extra, 12 Euro.
Monika Bittle, Silke Neumayer: Ich hatte mich jünger in Erinnerung,
Knaur, 12,99 Euro.