1. Elefanten haben Angst vor Mäusen

    Elefanten sind die größten lebenden Landtiere. Dennoch haben sie panische Angst vor Mäusen, so lautet das gängige Vorurteil. Dass dies nicht stimmt, hat schon der bekannte Tierforscher Bernhard Grzimek bewiesen. Als er Elefanten mit Mäusen konfrontierte, beschnupperten sie diese nur – und zertrampelten sie. Tatsächlich sind es andere Kleintiere, vor denen die grauen Riesen Angst haben: Bienen. Vermutlich liegt es daran, dass die Stiche an der weichen Haut an Augen und Rüssel schmerzhaft sein können. Herausgefunden haben dies Forscher, indem sie Elefanten einem synthetischen Pheromon aussetzten, welches dem wichtigsten Alarmstoff der Bienen entspricht. Dem wichen die Dickhäuter immer aus. Auch in einem anderen Experiment, bei dem die Töne eines surrenden Bienenstocks abgespielt wurden, rannten die Elefanten weg.

     

  2. Elstern sind Diebe

    Bild: Manfred Delpho
    Vermisst man die Halskette oder das silberne Feuerzeug, das eben noch auf der Wiese lag, findet es sich bestimmt in einem Elsternnest wieder. Ihr Faible für glitzernde Dinge ist schließlich bekannt – und die diebische Elster sprichwörtlich. Dass daran absolut nichts wahr ist, hat eine englische Forschergruppe allerdings vor einigen Jahren bewiesen. Dazu hat sie freilebenden und in Gefangenschaft gehaltenen Tieren Körbe mit glänzenden und dunkel angestrichenen Gegenständen angeboten, nachdem sie mit Körnern angelockt worden waren. Alle Objekte wurden zum Großteil ignoriert. Warum aber hält sich dieser Mythos so hartnäckig? Elstern sind sehr intelligente, neugierige Tiere. Deshalb heben sie ab und zu fremde Gegenstände auf, auch glänzende Dinge können darunter sein. Wenn der Vogel dann tatsächlich etwas mitnimmt, bleibt das im Gedächtnis des Beobachters. Die unzähligen Male, die Elstern die Objekte wieder fallen lassen, jedoch nicht.

     

  3. Kamele speichern in ihren Höckern Wasser

    Bild: Stephan Scheuer
    Kamele haben Höcker auf dem Rücken, um darin Wasser zu speichern. Dieser Mythos ist natürlich ebenfalls falsch. Das Trampeltier – eine Art aus der Kamelfamilie – hat in seinen zwei Höckern nämlich kein Wasser, sondern seinen Fettspeicher. Wäre das Fett wie bei uns Menschen am ganzen Körper verteilt, würde es den Tieren in ihrer natürlichen Umgebung viel zu heiß werden. Es ist also auch keineswegs ein Anzeichen für starken Durst, wenn man ein Tier mit schlaffen Höckern sieht. Es zeigt nur, dass es lange nichts gefressen hat und seine Fettreserven erst wieder auffüllen muss. Dass ein Kamel 200 Liter in einer Viertelstunde trinken kann, ist hingegen richtig. Das Wasser wird aber statt in den Höckern in großen Speicherzellen in den drei Mägen des Kamels gelagert. Davon kann das Tier dann bis zu drei Wochen zehren.

     

  4. Jungvögel darf man nicht anfassen

    Bild: Valdrin Xhemaj
    Wenn ein Vogelküken aus dem Nest gefallen ist, sollte man es nicht berühren, sonst überdeckt der menschliche Geruch den Eigengeruch des kleinen Vogels und er wird nicht mehr von den Altvögeln akzeptiert. So hat es vermutlich jedes Kind einmal von seinen Eltern gehört – dennoch ist die Verhaltensregel absolut irreführend. Im Gegensatz zu einigen Säugetieren stören sich Vögel nämlich nicht an fremdem Geruch an ihrem Nachwuchs, da sie ihre Jungen nicht nur über den Geruchssinn erkennen. Aus dem Nest gefallene Küken sollte man also sehr wohl wieder vorsichtig hineinsetzen. Dennoch warnt der Nabu davor, vorschnell einzugreifen. Oft sind die auf dem Ast sitzenden Vogeljungen gar keine Nestlinge mehr und ihre Nestflucht gehört zu ihrer normalen Entwicklung dazu.

     

  5. Der Strauß steckt den Kopf in den Sand

    Bild: Bothma (EPA)
    Bei Gefahr steckt der Strauß erst mal den Kopf in den Sand. Aus dieser angeblichen Gegebenheit hat sich zwar ein sehr bekanntes Sprichwort entwickelt, dennoch ist es nichts, was die Tiere wirklich tun. Meistens flüchtet der Laufvogel, wobei er eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometern erreichen kann, oder verteidigt sich mit einem gezielten Tritt. Mit diesem kann er sowohl einen Löwen als auch einen Menschen töten. Nur brütende Strauße legen in einer Gefahrensituation statt zu fliehen den Kopf auf den Boden. Hals und Kopf sind dabei gerade ausgestreckt, wodurch die Strauße hoffen, aus der Ferne als Busch gesehen zu werden. Eingegraben wird der Kopf dabei aber nicht.

     

  6. Die Punkte eines Marienkäfers bezeichnen sein Alter

    Bild: Silke Heyer
    Als Kind haben viele gehört: Die Punkte auf dem Rücken eines Marienkäfers stehen für sein Alter, jeder Punkt für ein Lebensjahr. Das ist aber absolut falsch, die Punkte lassen keine Rückschlüsse über sein Alter zu. Die Anzahl verändert sich im Laufe eines Marienkäferlebens nämlich nicht. Stattdessen kann man an ihr die genaue Art erkennen, viele Arten sind sogar nach der Punktezahl benannt. So gibt es den Zweipunkt-, den Vierpunkt- oder den Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer. Etwa 4500 verschiedene Marienkäferarten gibt es auf der Welt, rund 80 sind in Deutschland ansässig. Je greller die Farbe einer Art, desto giftiger ist sie übrigens für ihre Fressfeinde.

     

  7. Lemminge sind kollektive Selbstmörder

    Zwei kleine Lemminge
    Bild: Horst Pfeiffer (dpa)
    „Wie die Lemminge“ handeln Menschen, die sich gemeinsam in großer Zahl in ein Unglück stürzen oder willen- und kritiklos alles mitmachen. So wie die Tiere, die sich zum gemeinschaftlichen Selbstmord in Massen über Klippen stürzen. Doch im Gegensatz zu dem menschlichen Herdenverhalten ist an der Lemming-Freitod-Legende nichts wahr. Bei den Tieren, die der Familie der Wühlmäuse angehören, gibt es immer wieder hohe Populationszahlen. Deshalb begeben sie sich, um dem kargen Nahrungsangebot in der arktischen Tundra zu entkommen, in Massen auf Wanderung und suchen nach neuen Lebensräumen. Viele Lemminge überleben das jedoch nicht. Daher kommt es bei den Nagern immer wieder zu stark fallenden Populationszahlen. Daraus hat sich vermutlich das Bild der in großen Massen zum Selbstmord aufbrechenden Lemminge entwickelt. Schuld an der weiten Verbreitung dieses Klischees hat wohl auch der dokumentarisch anmutende Disney-Film „Weiße Wildnis“ (1958), in welchem zu sehen ist, wie sich die Tiere in großen Zahlen von einer Klippe stürzen. Das bei den Wanderungen vermehrte Auftreten von nachtaktiven Raubtieren – Schnee-Eule, Polarfuchs und Hermelin – ist aber viel wahrscheinlicher schuld an den hohen Todeszahlen.

     

  8. Piranhas, die heimtückischen Killer

    Bild: SEA LIFE
    Ein Mensch wird in ein Piranha-Becken gestoßen. Hilflose Schreie ertönen, während er innerhalb von 30 Sekunden von den Fischen bis auf die Knochen abgenagt wird. Vor allem diese Szene im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ machte das Bild der heimtückischen Piranhas populär. Doch ganz im Gegensatz zu ihren filmischen Konterfeis stürzen sich die Fische generell nicht auf einen lebenden Menschen. Im Amazonas säubern sie den Fluss vor allem von kranken und toten Tieren, große Säugetiere machen ihnen eher Angst. Dennoch wird davor gewarnt, dort mit einer offenen Wunde im Fluss baden zu gehen. Denn nimmt der Piranha erst einmal das Blut wahr und verfällt in einen Blutrausch, ist wohl auch der Mensch vor seinen vielen scharfen Zähnen nicht sicher.

     

  9. Ferkel sind dreckig

    Bild: Jens Büttner
    Das Bild von schmutzigen Schweinen ist so verbreitet, dass es sich gleich in einer Vielzahl von Redewendungen wiederfindet. Drecksau, Dreckschwein, schmutziges Ferkel. Alles Begriffe, die eine extrem schlechte Hygiene der Säugetiere vermuten lassen. Wahr ist es dennoch nicht. Hausschweine sind sehr saubere Tiere, die ähnlich wie viele Nager und Katzen ihren Kot nur in eine bestimmte Ecke machen. Vermutlich haben die mittäglichen Bäder im Schlamm zu diesem falschen Bild beigetragen. Doch den Schweinen geht es dabei nicht darum, sich im Dreck zu suhlen. Die Schlammschicht bildet einen wichtigen Schutz vor Insekten wie Mücken und Zecken. Außerdem ist es eine wichtige Möglichkeit zur Abkühlung, da Schweine keine Schweißdrüsen besitzen.

     

  10. Mücken mögen süßes Blut

    Bild: Patrick Pleul
    Hat eine Person nach einem Aufenthalt im Freien besonders viele Mückenstiche abbekommen, hört man oft: Die- oder derjenige hat süßes Blut. Das ist natürlich Unsinn. Der Zuckergehalt des Blutes spielt für die Stechmücken bei der Wahl ihres Opfers keine Rolle. Gestochen wird man generell nur von den Weibchen, sie brauchen das Blut für die Eierproduktion. Dafür benötigen sie aber keinen Zucker, sondern die Proteine des Blutes. Warum Menschen verschieden häufig von den Insekten gestochen werden, liegt tatsächlich am Körpergeruch, der bei jedem ganz unterschiedlich zusammengesetzt ist. Angelockt werden die Insekten von der erhöhten CO2-Konzentration in der Nähe von Mensch und Tier. Das Gas wird beim Ausatmen und über die Haut freigesetzt. Außerdem werden Ammoniak, Milch- und Fettsäuren über die Haut ausgeschieden, was in einer ganz bestimmten Zusammensetzung für die Stechmücken besonders attraktiv wirkt. Diese versuchen Forscher herauszufinden, um zukünftig in Malariagebieten durch wirksame Mückenfallen besser vor der Krankheit schützen zu können.

     

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