Internet-Rankings, Mietkosten, Kneipendichte, oder doch die Nähe zur See oder den Bergen? Die Wahl der Hochschule fällt angehenden Studenten nie leicht. Meistens haben dabei auch die Eltern ein Wörtchen mitzureden. Sie zerbrechen sich in schlaflosen Nächten den Kopf darüber, wo ihr Kind am besten aufgehoben ist. Eine Frage steht immer an erster Stelle: Wer soll das alles bezahlen?

So erging es auch den Eltern von Tanja Rebmann, als die heute 26-Jährige nach ihrem Abitur den Wunsch äußerte, studieren zu gehen. Rebmann ist, neben ihrem Bruder, die Erste in ihrer Familie, die eine akademische Laufbahn einschlägt.

Nebenjob ermöglicht Studium

Den größten Teil ihres Studentenlebens finanziert sich Rebmann selbst. Dafür geht sie mehrmals in der Woche in einem Drogeriemarkt arbeiten. „Das ist oft anstrengend, aber ich will meinen Eltern nicht zur Last fallen“, erklärt sie. Ein Drittel aller Studenten finanzieren sich durch Nebenjobs etwas dazu.

Eine wahre Odyssee hat die Studentin an der Universität Konstanz in Sachen Wohnen hinter sich: Anfangs lebte sie im Studentenwohnheim. Danach zog sie mit Freunden in eine Wohngemeinschaft, bis sich die Miete erhöhte. „Viele Studierende lassen sich auf völlig unrealistische Mietangebote ein. Ihre Angst, keine Wohnung zu finden, wird schamlos ausgenutzt“, kritisiert Rebmann.

Tanja Rebman finanziert sich den größten Teil ihres Studentenlebens selbst. | Bild: Küster, Sebastian

Keine Unterstützung vom Staat

Jetzt lebt die Studentin allein – 380 Euro warm bezahlt sie für die Ein-Zimmer-Wohnung. „Das ist echt wahnsinnig günstig“, sagt die Studentin. Normalerweise sei es schwer, selbst ein einzelnes Zimmer in einer WG in dieser Preisklasse zu finden. Laut dem Immobilienportal immowelt.de werden Wohnungen in Konstanz für 12,40 Euro pro Quadratmeter angeboten. Für 30 Quadratmeter sind das 372 Euro „kalt“. Preise, die sich viele Eltern nicht leisten können.

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Unterstützung vom Staat bekommt Rebmann nicht, weil ihre Eltern nur knapp über der Erwerbsfreigrenze liegen. Diese gibt an, wie viel sie maximal verdienen dürfen, damit dem Kind Bafög zusteht. „Kein Studium sollte davon abhängen, ob man dafür bereit ist, die finanziellen Mittel bei seinen Eltern einzufordern.“ Ihre Eltern haben die akademischen Pläne ihrer Tochter nicht einberechnet und können der Studentin der Politik- und Verwaltungswissenschaften deshalb nur mit kleinen Beträgen monatlich unter die Arme greifen.

11 000 Euro für eineinhalb Jahre

Ohne das Geld von seinem Vater, könnte Markus Waldmann nicht studieren. Waldmann lebt gemeinsam mit vier anderen Studenten im Studentenwohnheim unter einem Dach. Sein Zimmer ist spartanisch eingerichtet: ein schmales Bett, ein Kleiderschrank und ein Schreibtisch – Luxus Fehlanzeige.

Sein Zimmer kostet 304 Euro inklusive Internet und Nebenkosten. Hinzu kommen monatlich 95 Euro für Versicherung und 17,50 Euro Rundfunkgebühren. Waldmann hat vor seinem Studium eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker absolviert. Dort hat er eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen, für die er weiter monatlich 27,50 Euro zahlt. Auch der IG Metall trat er bei. Die Gewerkschaft verlangt 2,50 Euro von Studenten. Diese monatlichen Fixkosten – zusammengerechnet 446,50 Euro – übernimmt sein Vater. Alle weiteren Kosten bezahlt Waldmann aus eigener Tasche.

Markus Waldmann hat gespart und kann zudem auf die Unterstützung seines Vaters zählen. | Bild: Küster, Sebastian

Knapp ein Fünftel der jungen Leute greift für das Studium auf angesparte Reserven zurück. Waldmann legte sich während seiner Ausbildung 11 000 Euro auf die Seite. Doch diese Summe muss eineinhalb Jahre für Lebensmittel und Freizeit reichen. Um den Überblick über seine Ausgaben nicht zu verlieren, führt der 27-Jährige eine Excel-Tabelle, in der er alle Ausgaben feinsäuberlich einträgt. „Ich komme wohl im Schnitt mit 200 Euro aus“, erklärt der Student für Auto-Informationstechnik.

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Hoffnung auf sinkende Bafög-Freigrenze

Um Geld zu sparen, verzichtet er auf das Mittagessen in der Kantine mit Kommilitonen. Abends kocht er – mal mit, mal ohne seine Mitbewohner. „Ich gehe aber eigentlich nur im Discounter einkaufen. Edeka ist viel zu teuer für mich“, gibt der gebürtige Hamburger offen zu. Auf jeden Euro zu achten sei dauerhaft frustrierend.

Seine Familie bekommt Markus Waldmann nur selten zu Gesicht. Ein Auto ist zu teuer – genau wie die Bahn. Für eine Zugfahrt in die Landeshauptstadt muss er 20 Euro berappen. „Ich war im letzten halben Jahr nur zwei Mal zu Hause“, sagt er. Wenn die Freigrenze für Eltern ab dem kommenden Wintersemster gesenkt wird, will Waldmann Unterstützung vom Staat beantragen. Beim letzten Versuch ist er noch am Bafög gescheitert.

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