Eine Studie des Max-Planck-Instituts zeigt: Männer lügen häufiger als Frauen und Jüngere öfter als Ältere. Aber Fakt ist: Wir tun es alle! Mindestens zwei Mal am Tag bleibt der Durchschnittsdeutsche nicht so ganz bei der Wahrheit – aus Höflichkeit, Bequemlichkeit oder um besser dazustehen. „Im Alltag kann das nützlich sein“, sagt Lügen-Expertin Andrea Haefely, Journalistin und Buchautorin in Zürich.

  • Die Höflichkeits-Lüge: Die Freundin war beim Friseur und sieht einfach schrecklich aus? „Bei einem engen Verhältnis darf ich durchaus auch mal ehrlich sein“, sagt Andrea Haefely, „allerdings sollten Sie sich fragen, ob die Frisur wirklich so schlimm ist, dass Sie ihr mit der Wahrheit weh tun müssen. Das wächst ja wieder nach.“

Was eine Studie dazu sagt: Ein Wissenschaftler-Team um Psychologe Robin Dunbar hat herausgefunden, dass nett gemeinte Lügen die Gemeinschaft zusammenhalten. „Für den Belogenen sind sie sogar oft wie ein freundlicher Klopfer auf die Schulter“, sagt Dunbar.

  • Die Schutz-Lüge im Vorstellungsgespräch: „Wollen Sie Kinder?“ – eine Frage, die Bewerber straucheln lassen kann. Aber: „Lügen ist da sinnvoll und sogar erlaubt“, weiß Andrea Haefely, „zu persönliche Fragen sind diskriminierend und nur zulässig, wenn sie für den Job relevant sind.“

Laut Gesetz sind Fragen nach Familienstand, Alter, Religionszugehörigkeit, Vermögensverhältnissen, Schwerbehinderungsgrad, politischer Überzeugung, sexueller Orientierung, Staatsangehörigkeit und Muttersprache nicht zulässig. Es darf also munter gelogen, vertuscht und geschwiegen werden!

  • Die Liebes-Lüge für Harmonie: Sie finden den neuen Postboten ganz hübsch anzusehen? „Das muss Ihr Partner nicht wissen – weil es ihm weh tut“, sagt Andrea Haefely, „in der Liebe sind kleine Schwindeleien oft sinnvoll – für Harmonie.“ Also: genießen und schweigen!
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Andrea Haefely sagt übrigens: Männer lügen häufiger als Frauen. Der Grund: „Männer lügen öfter, um ihre Defizite zu vertuschen – Frauen eher, um Frieden zu wahren. Das hat mit unterschiedlichen Rollenerwartungen zu tun: Mann muss stark und fähig sein, Frau fürsorglich und sozial.“

  • Die Vernunfts-Lüge bei neugierigen Kinderfragen: „Natürlich sollten Eltern Ehrlichkeit vorleben“, sagt die Expertin aus der Schweiz, „aber sie dürfen auch lügen – etwa zum Schutz des Kindes, wenn die Wahrheit nicht altersgerecht vermittelt werden kann.“ Ihr Tipp: „Man darf dem Kind beibringen, dass gewisse Höflichkeitslügen angebracht sein können, um andere Menschen nicht unnötig zu verletzen.“

Was eine Studie dazu sagt: Babys flunkern schon mit sechs Monaten (Studie: Universität Portsmouth). Sie kennen die reflexhafte Wirkung von Tränen und täuschen deshalb Lachen und Weinen vor, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen.

  • Die Selbst-Lüge beim Blick in den Badezimmerspiegel: Ein Mitesser mitten auf der Stirn, die Jeans kneift, die Haare liegen schief – ein Blick in den Spiegel kann frustrierend sein. Wenn wir aber nicht all zu kritisch mit uns sind, mögen wir uns doch ganz gerne. Ist das Selbstbetrug? „Nein, das ist okay und gesund“, weiß die Expertin, „Evolutionsbiologen glauben sogar, dass uns der Hang zu selbstversöhnlich-diplomatischem Selbstbetrug angeboren ist“.

Andrea Haefely: „Schwierig wird es erst, wenn eine Selbstlüge als Überlebenslüge dienen muss; seien Sie bei grundlegenden Dingen ehrlich: Sind Sie im Job oder der Liebe unglücklich und gaukeln sich aus Bequemlichkeit Zufriedenheit vor? Schluss damit!“

  • Was aber, wenn wir erwischt werden? „Die meisten Lügner scheitern daran, dass sie ihr Gegenüber für doof halten und denken, es mit einer einfachen Lüge abspeisen zu können“, sagt Haefely, „geben Sie sich also etwas Mühe!“. Auch die Körpersprache, wie Erröten, schwitzige Hände und das Vermeiden von Blickkontakt, enttarnt Schwindeleien. „Werden wir erwischt, ist es besser, die Lüge zuzugeben, als sich immer weiter in ein Lügengebilde zu verstricken“, rät die Expertin. „Wer einmal lügt, dem verzeihen wir – weil wir wissen, dass wir alle mal zur Lüge greifen. Wer immer wieder lügt, verliert das Vertrauen anderer auf Dauer.“

Buchtipp: Andrea Haefely,
„Schweigen, Schummeln, Lügen:
Was ist erlaubt?“, Beobachter-Edition 2014, 240 Seiten, 29,90 Euro