Helga Kleist ist 83 und eine zierliche alte Dame. Früher tanzte sie als Ballerina am St. Gallener Stadttheater. Ein deftiges Gericht wie eine Seeländer Gerstensuppe würde man bei ihr nicht als Lieblingsgericht vermuten. Tatsächlich kommt die Suppe bis heute regelmäßig als Mittagessen auf ihren Tisch.

Helga Kleist, 83, lebt in Konstanz.
Helga Kleist, 83, lebt in Konstanz. | Bild: Jana Mantel

„Dieses Gericht erinnert mich an meine Schlummermutter“, erzählt sie beim Essen. „Während unserer Sommerpause im Theater tanzten wir in Baden bei Zürich in einem Kurtheater und schliefen bei Gasteltern. Ich hatte mit meiner Schlummermutter Tante Rosi und ihrem Mann Onkel Sepp ein Riesenglück! Sie waren sehr gastfreundlich und verwöhnten mich mit gutem und deftigem Essen. Von Tante Rosi lernte ich auch ein wenig kochen – so auch das Zubereiten der Seeländer Suppe!“ Diese Suppe ist ein richtiger Energiespender. Mit viel Gemüse und Gewürzen ist sie superlecker und eignet sich auch wunderbar zum Einfrieren.

„Als Tänzerin bist du den ganzen Tag im Theater gewesen“, blickt sie zurück: „Für Essen gab es überhaupt keine Zeit! Nach den Vorstellungen dann – also so gegen Mitternacht – wurde dann oft in der Gruppe gemeinsam oder gleich bei den Schlummereltern gegessen und da kam so eine würzige Suppe wie die Seeländer Suppe gerade recht! Gefühlt hat mir diese Suppe dann genug Energie für den kommenden Tag geliefert.“

Tanzen ist bis heute noch immer das Lieblingshobby von Helga Kleist – derzeit tanzt sie mit einem Dutzend anderen Frauen einmal in der Woche in Konstanz-Litzelstetten Flamenco. „Ich erinnere mich noch, dass wir einmal eine Aufführung hatten, bei der wir traditionelle spanische Kostüme trugen, sogar Kastagnetten hatte ich in der Hand! Dass ich jemals und in meinem Alter noch einmal Flamencounterricht habe, hätte ich mir damals nicht träumen lassen!“, sagt sie und lacht herzlich.

Zutaten: 1 Zwiebel feingeschnitten,
100 g weiße Bohnen, 150 g (Graupen/
Gerstenkörner), 2 Karotten, 1 Lauchstange,
1 St. Sellerie, 100 g Speckwürfel,
1 El Fett oder Öl, 2 Fleischbrühwürfel,
Wienerle, Liebstöckel

Zubereitung: Bohnen eine Nacht vorher einweichen. Das Einweichwasser am nächsten Tag abgießen. Speck glasig dünsten, Zwiebeln und Gemüse dazugeben und kurz andünsten, mit 2,5 l Wasser übergießen. Bohnen und Graupen beifügen und 2 Std. kochen lassen. Danach die Fleischbrühwürfel dazugeben und mit Salz sowie Pfeffer abschmecken. Liebstöckel und Wienerle kleinschneiden und dazugeben. En Guete! (jma)