1. Oliver Welkes Mimik: Keiner versteht es so wie Oliver Welke, die despektierlichsten Bemerkungen mit relativ ungerührtem Gesicht vorzutragen. Er erklärt satirisch das Weltgeschehen: Klimawandel, Kramp-Karrenbauer, Regierungskrise in Österreich – was gerade so anfällt. Das Format ist längst etabliert. Egal ob Bambi, Deutscher Comedy-Preis, Goldene Kamera oder Grimme-Preis, die „heute-show“ hat so viele TV-Trophäen abgestaubt, dass ein einzelnes Regal kaum noch ausreichen dürfte.
     
  2. Die Gäste, die auftauchen: Konzept der Sendung ist es auch, viele Größen der deutsche Satire- und Comedy-Szene einzubinden. Dietmar Wischmeyer, den Welke noch aus seinen Zeiten beim „Frühstyxradio“ des Senders ffn kennt zum Beispiel, der stets leicht gereizt „Wischmeyers Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten“ präsentiert. Dann kommt noch Hazel Brugger aus der Schweiz dazu, die uns Südbadenern vom Dialekt ja geläufig ist, und der sächselnde Pullunderträger Olaf Schubert, der vor allem als Experte für ostdeutsche Empfindlichkeiten loslegt. Okay, den mag nicht jeder. Aber Vielfalt ist auch wichtig.
     
  3. Die Altstars: Martina Hill, die als Tina Hausten bekannt wurde, eine Parodie auf die Journalistin Bettina Schausten, mittlerweile stellvertretende ZDF-Chefredakteurin. Dietrich Hollinderbäumer pampt Welke als abgebrühter Korrespondent Ulrich von Heesen von allen Einsatzorten der Welt schnoddrig an. Und natürlich Gernot Hassknecht, dessen Tiraden kurz vor der Schnappatmung oft in verbalen Ausfällen eskalieren. Er erzählte mal im Interview mit der Westdeutschen Zeitung, wie er es schafft, so derartig zu schreien, ohne dass sein Herz darunter leidet: „Mein Arzt hat mal erklärt, mit Hassknecht sei es wie mit einem Sportler. Der Blutdruck geht rauf und nachher wieder runter.“ Also alles Trainingssache. Auch immer sehenswert: Lutz van der Horst, der in seinen Interviews Politiker vorführt. Viele Politiker erkennen ihn leider schon, deshalb rückt jetzt Fabian Köster nach. Auch gut!
     
  4. Die ZDF-typische Tricktechnik: Wer mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen groß wurde, erfreut sich an den lieben Mainzelmännchen mit bösen Blicken oder obszönen Gesten. Auch die eingeblendeten Thementafeln hinter Welke kommen fernsehformal tadellos daher – nur die Inhalte sind unverschämt. Da findet sich dann etwa Verkehrsminister und Diesel-Schützer Andreas Scheuer (CSU) als Alm-Öhi mit weißem Bart und der Schrift „Qualm-Öhi“. Oder Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) schwenkt fröhlich die Pestizid-Spritze zum Titel „Summ mir das Lied vom Tod“.
     
  5. Gute Einschaltquote: Das Konzept ist erfolgreich. Im Jahr 2019 hatte die „heute-show“ im Schnitt 4,26 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 17,7 Prozent. Das sind erstaunlich gute Werte – für eine Sendung am späten Abend. Welke und seinem Satiriker-Team gelingt auch, was dem ZDF sonst oft schwerfällt: das jüngere Publikum zu erreichen. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es in diesem Jahr durchschnittlich 1,17 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 15,3 Prozent).
  6. Was Kritiker sagen: Okay, man kann auch mosern. Medienkritiker Hans Hoff sagte gerade beim Branchendienst dwdl.de: „Reiß dich mal am Riemen, mach mal das Kreuz gerade und schiel nicht immer nur nach Masse. Du warst doch mal eine ganz intelligente Form der Unterhaltung. Aber ganz ehrlich, deine Art, dir irgendeine Szene mit Angela Merkel rauszusuchen und dich dann darüber lustig zu machen, das war schon früher auf dem Schulhof nicht lustig. Musst du immer alles runterbrechen auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau?“ Mag ja sein. Aber ehrlich: Wer schafft es denn sonst, Themen wie das Artensterben, das Dieselfahrverbot oder die Dominanz der Chinesen auf der Welt so ausgeprägt hämisch darzustellen?