Jonas humpelt wie ein Fußballer, dem gerade ein gegnerischer Verteidiger mit Karacho auf den Fuß getreten ist. Doch hier ist weit und breit weder ein Fußball noch ein Spieler zu sehen. Das Foul ist vielmehr schon drei Tage alt, begangen von Jonas’ Mutter. Die sah diese coolen, festen Winterstiefel im Sonderangebot, auf dem Tisch im Eingang des Supermarkts. Größe 35, passt genau, also kaufte sie die Stiefel kurzerhand und ließ Jonas hineinschlüpfen. Dass ihm dies schon Probleme bereitete, ignorierte seine Mutter – dachte sich, Schuhe müssen nun mal erst eingelaufen werden, das gibt sich in den nächsten Tagen. Tat es aber nicht. Im Gegenteil: Inzwischen hat Jonas zwar warme Füße – vor allem, weil diese an Stellen brennen, wo die Stiefel scheuern.

Viele Kinder haben zu kleine Schuhe

Kein Einzelfall. Sieben von zehn Kindern tragen zu kurze Schuhe, haben Experten der Universität Wien herausgefunden. Und weisen darauf hin, dass Kinderschuhe nun mal keine „Bückware“ sind, die man mal eben im Vorbeigehen kauft. Auch wenn der Gang mit dem Nachwuchs ins Schuhgeschäft manchmal eine Tortur für Mütter und Väter ist, weil Kinder das An- und Ausziehen, Probieren und Probelaufen nicht mögen – all das muss sein, damit die Füße gut eingepackt sind und so laufen, dass nicht die Gefahr von Haltungsschäden oder Fußverformungen besteht.

Ganz wichtig: Nur wenn Kinderfüße richtig vermessen werden – und zwar beide, weil einer deutlich größer sein kann – findet sich der passende Schuh. <em>Bild: auremar – stock.adobe.com</em>
Ganz wichtig: Nur wenn Kinderfüße richtig vermessen werden – und zwar beide, weil einer deutlich größer sein kann – findet sich der passende Schuh. Bild: auremar – stock.adobe.com | Bild: Phovoir

Kinder haben ihre Tricks

Einmal im Laden angekommen, kann der Nachwuchs das Unternehmen Anprobe auf einfache Weise sabotieren: Gerade Kleinkinder nämlich ziehen beim Anprobieren im Geschäft oft die Zehen zurück, wenn die Verkäuferin die „Daumenprobe“ macht, um vorne auf der Schuhspitze oder hinten an der Ferse zu fühlen wie viel Platz drinnen noch vor den Kinderzehen ist. Besser: Vorsichtig die Füße abtasten. Dabei wird eine Hand flach auf die vordere Seite des Schuhs gelegt, damit das Kind die Zehen nicht einzieht. Die andere Hand tastet die Lage der Zehen ab. So kann erfühlt werden, ob ausreichend Platz vorhanden ist.

„Undercover-Schummeleien“ der Kinder können Eltern auch verhindern, indem sie vorher mit ihrem Kind einen „Fußabdruck“ machen: einfach seine Füßchen nachmittags (dann sind die Füße etwas größer) auf ein Stück Pappe stellen, mit einem Stift die Umrisse markieren und den Abdruck mit ins Geschäft nehmen. Dort gilt die Regel, dass Schuhe etwa einen bis anderthalb Zentimeter länger sein sollten als der Kinderfuß.

Bild: Kerstan, Stefanie

Auch Mama und Papa selbst sollten infrage kommende Kinderschuhe anprobieren. Natürlich nicht mit ihren Füßen, sondern mit den Fingern. So können Eltern bei jedem Schuh im Innenraum ertasten, ob es Kanten oder Nähte gibt, die am Fuß ihres Kindes drücken können.

Vergessen wird bei der Anprobe oft auch, dass Schuhe nicht nur zu kurz, sondern auch zu eng sein können – und dann über dem Spann, also auf der Fußoberseite drücken. Der meist zuverlässige Check dazu: Beide Schuhe auf die Kinderfüße stülpen und dann mit den Händen prüfen, ob zwischen Spann und Obermaterial noch ein wenig Luft ist. Dann hat der Fuß den nötigen Spielraum, den er braucht.

Kinder und Gummistiefel: Praktisch, wenn es draußen matschig ist, für den Alltag sollten sie aber nicht zur Gewohnheit werden. <em>Bild: MNStudio – stock.adobe.com</em>
Kinder und Gummistiefel: Praktisch, wenn es draußen matschig ist, für den Alltag sollten sie aber nicht zur Gewohnheit werden. Bild: MNStudio – stock.adobe.com | Bild: Irina Belcikova

Richtiges Material entscheidet

Kinderschuhe sollten aus Leder oder Goretex sein – beide Materialien schützen gut vor Nässe, leiten aber auch Feuchtigkeit von innen nach außen, sodass der Fuß nicht schwitzt. Sind die Schuhe gekauft, dann am besten schon nach drei Monaten prüfen, ob sie noch passen – Kinderfüße wachsen schnell!

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Was Kinderfüße brauchen und was nicht

Dazu, was für Kinderfüße das Beste ist, gibt es viele Tipps und Wahrheiten. Manches davon stimmt, anderes ist eher zu vermeiden.

  • Kinderschuhe dürfen auch gebraucht sein: Das stimmt. Gebrauchte Schuhe sind nicht an sich schlecht für Kinderfüße. Die oft gehörten Behauptungen, dass ein Kind durch sie die Fußform oder gar den Gang des Vorbesitzers annehmen könnte, seien falsch, erläutert das Forschungsteam Kinderfüße-Kinderschuhe aus Salzburg. Allerdings lohnt sich ein kritischer Blick auf die Second-Hand-Schuhe: Sie sollten nicht einseitig abgelaufen sein und den Füßen 1,2 bis 1,7 Zentimeter Spielraum bieten.
  • Bei Kinderschuhen stimmt die Größenangabe oft nicht: Zu diesem Ergebnis kam vor wenigen Jahren jedenfalls ein österreichisches Forschungsteam. Es hat 3116 Modelle in verschiedenen Größen begutachtet. Beim Vergleich der Schuhgröße mit der Innenlänge zeigte sich, dass 85 Prozent der Paare kürzer waren, als sie sein sollten. Neun Paare fielen sogar um fünf Nummern zu klein aus. Von 232 Paaren der Größe 34 schafften gerade einmal 19 Paare die Solllänge.
  • Barfuß laufen ist wichtig: Kinder brauchen für ihre ersten Schritte keine Schuhe. Im Gegenteil: Gerade wenn sie laufen lernen, bildet sich das Fußgewölbe beim Barfußlaufen am besten aus, erläutert Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Schuhe dienten in diesem Alter nur dem Schutz vor Kälte, Nässe und Verletzungen. Laufen Kinder viel barfuß, fördere das die Beweglichkeit und Kraft – so werden die Kinder geschickter. Eltern sollten ihre Kinder also so viel wie möglich ohne Schuhe laufen lassen.
  • Kinder wissen selbst nicht, was ihnen passt: Ja! Das Kind um eine Einschätzung zur Größe fragen, ist wenig hilfreich. „Passt dir der Schuh?“, fragen Eltern den Sprössling. Doch die Antwort wird leider falsch ausfallen. Denn die Nerven am Fuß sind häufig noch nicht voll ausgebildet und das Schmerzgefühl ist deutlich geringer als bei Erwachsenen. Kinder merken also schlicht nicht, ob ein Schuh passt. Besser ist es daher, erst nachzumessen.
  • Gummistiefel sind keine Alltagsschuhe: So gern manche Kinder sie auch tragen: Jeden Tag sollten sie Gummistiefel nicht anziehen. Als Alltagsschuhe eignen sie sich nicht, weil sie nicht Atmungsaktiv sind, also für Schweißfüße sorgen. Gut sind Modelle aus Naturkautschuk, möglichst ohne Aufdruck und nicht aus Kunststoff wie PVC. Beides kann Schadstoffe an die Kinderfüße bringen. (dpa/dod)