Nationale Maritime Konferenz – das klingt nach Meer und Hafen. Tatsächlich waren bisher allein norddeutsche Hafenstädte Gastgeber dieser hochrangigen Treffen, bei denen Akteure der maritimen Wirtschaft mit Vertretern von Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft zusammenkommen. Zur 11. Nationalen Maritimen Konferenz kommen Vertreter von Häfen, Reedereien und Werften sowie von Zulieferern und diversen Dienstleistern rund um die Schifffahrt am 22. und 23. Mai in Friedrichshafen am Bodensee zusammen.

Mit der poetischen Bezeichnung des Bodensees als „Schwäbisches Meer“ hat das freilich wenig zu tun. Bayern und Baden-Württemberg halten jeweils Anteile von mehr als 20 Prozent an der deutschen Schiffbau-Zulieferindustrie. „Damit stellen sie den größten Anteil der maritimen Zuliefererindustrie in Deutschland“, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann. „Vor Ort sitzen viele hochinnovative Unternehmen, denen insbesondere im Hinblick auf „Green Shipping“ und „Smart Shipping“ eine herausragende Bedeutung zukommt.“

Süddeutsche Unternehmen Treiber der maritimen Energiewende

So seien in der Region Friedrichshafen Unternehmen für alternative Antriebstechnologien angesiedelt, die für die maritime Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel ist der Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems. Das Unternehmen versteht sich als „Treiber der maritimen Energiewende.“ Man wolle die Entwicklung beispielsweise mit intelligenten Hybridlösungen mitgestalten, sagte ein Sprecher.

Zudem ist das Unternehmen an einem Forschungsprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums zur Entwicklung alternativer Kraftstoffe beteiligt – auch ein Thema Konferenz. Das in Friedrichshafen ansässige Unternehmen – das zur Rolls-Royce Group mit Sitz in Großbritannien gehört – macht mit rund einer Milliarde Euro etwa ein Viertel seines Umsatzes mit Marine-Anwendungen. Dazu zählen schnelllaufende Diesel- und Gasmotoren, Antriebssysteme und die Schiffsautomation.

Auch die ZF Friedrichshafen – vor allem als Lieferant von Autobauern bekannt – ist in der maritimen Zuliefererindustrie aktiv und arbeitet eng mit Rolls-Royce Power Systems zusammen. Mit der Marine-Antriebstechnik hat ZF nach eigenen Angaben 2018 einen weltweiten Umsatz von mehr als 220 Millionen Euro erzielt – davon mehr als 80 Millionen Euro in Friedrichshafen. Die Nationale Maritime Konferenz biete die Möglichkeit, Politik und Fachbesuchern vor der eigenen Haustür das eigene Technologieportfolio zu zeigen, sagte ZF-Vorstandsmitglied Wilhelm Rehm.

Dekarbonisierung der Schifffahrt wichtiges Thema

Drei Schlagworte bestimmen den Inhalt der Konferenz: global, smart, green. „Wir wollen ein internationales Signal setzen; deshalb ist auch mein französischer Kollege dabei“, sagte Brackmann. Geplant sei die Verabschiedung eines europapolitischen Papiers für eine noch bessere Zusammenarbeit in Europa, vor allem im Bereich der Forschung.

Die Digitalisierung der Häfen, Schiffe und produzierenden Betriebe sei das zweite große Thema. „Digitalisierung führt auch im maritimen Sektor zu neuen Wertschöpfungsketten“, sagte Brackmann. Der Zugriff und der Umgang mit den wertvollen Daten müsse geregelt werden.

Schließlich werde die Klimapolitik und die Dekarbonisierung der Schifffahrt, der Verzicht auf fossile Brennstoffe, eine große Rolle spielen. „Das wird uns noch für Jahrzehnte beschäftigen“, sagte der Koordinator. Wer jedoch heute in Schiffe investiere, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) fahren, könne auf die Sicherheit seiner Investition setzen. Denn LNG könne nicht nur aus Erdgas, sondern auf biologischer Grundlage auch als Bio-LNG hergestellt werden.

Zu der Nationalen Maritimen Konferenz werden rund 800 Teilnehmer aus allen maritimen Branchen erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und EU-Kommissar Günther Oettinger (alle CDU) werden als Gastredner sprechen.

(dpa)